Er hat den deutschen Fußball zu einem Milliarden-Business gemacht. Jetzt will der ehemalige DFL-Boss Christian Seifert Handball, Basketball und Eishockey per Streamingdienst erfolgreich in Szene setzen.
Er zog für die Fußball-Bundesliga 16 Jahre lang die dicken Verträge an Land – und steuerte als Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) seine Branche zuletzt umsichtig durch die Coronakrise. Jetzt hat Christian Seifert, „der Manager der Milliarden-Liga“ (Tagesschau), die Seiten gewechselt: Gemeinsam mit dem Medienkonzern und Mehrheitseigner Axel Springer will der 52-Jährige, der sich im Oktober 2021 bei der DFL verabschiedet hat, einen Streamingdienst abseits des Fußballs für Handball, Basketball, Eishockey und andere Sportarten aufbauen.
„Christian Seifert einer der erfolgreichsten Sportmanager in Deutschland“
„Wir bieten den Ligen jenseits des Fußballs einen echten nächsten Entwicklungsschritt an. Ihre Sportarten sollen erstmals im alleinigen Fokus einer Medienplattform stehen. Unser Konzept ist sehr klar: Wir holen Sportarten aus der zweiten Reihe und stellen sie in die erste“, sagt Seifert, dessen neuer Dienst noch keinen Namen hat, aber auch „herausragende Einzelsportevents“ übertragen will – und möglichst im Herbst 2023 den Sendebetrieb aufnehmen soll.
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Alexander Reil ist der Chef der MHP Riesen Ludwigsburg und Vorsitzender der AG Basketball-Bundesliga (BBL). Wie im Eishockey und Handball freut man sich auch bei den Korbjägern über einen neuen Interessenten. Auch, weil sich die Bewegtbild-Erlöse des Trios von bislang zusammen rund 15 Millionen Euro pro Jahr so womöglich deutlich steigern ließen. „Das ist eine gute Idee von sehr professioneller Seite, wenn man weiß, wer dahintersteht: Nämlich der Springer-Verlag und dazu mit Christian Seifert einer der erfolgreichsten Sportmanager in Deutschland“, sagt Alexander Reil zu dem Angebot des Sport-Start-ups, in welches ein zweistelliger Millionenbetrag investiert werden soll. Schon jetzt spricht Verlagschef Mathias Döpfner von einer „neu inszenierten Erlebnisdimension“.
Live-Spiele aus der DEL, BBL und der HBL bisher bei MagentaSport und Sky
Auch für Gernot Tripcke, den Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), ist der neue Interessent „eine sehr gute Nachricht. Es zeigt, dass wir ein sehr wertvolles Produkt haben, wenn sich zwei Akteure, die sich bestens mit Sport auskennen, engagieren wollen.“
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Live-Spiele aus der DEL, BBL und der Handball-Bundesliga (HBL) gibt es derzeit beim Telekom-Angebot Magentasport (Basketball und Eishockey) und bei Sky (Handball) zu sehen. Im Handball und Basketball laufen die Verträge im Jahre 2023 aus, im Eishockey 2024. „Wir haben über die Jahre eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Telekom und werden selbstverständlich weitere Gespräche führen. Aber es ist auch unser gutes Recht, mit anderen zu reden. Und da gehören Springer und Seifert dazu“, sagt Ludwigsburgs Basketball-Boss Alexander Reil – ergänzt allerdings: „Es ist bisher in keinster Weise eine Entscheidung getroffen worden, und es gibt auch keine Tendenz.“
Sky-Sportchef: „Handball ist ein sehr wichtiges Recht für uns“
Allerdings hat Seifert sein Streamingprojekt bereits bei dem umworbenen Teamsport-Trio vorgestellt, und er wirbt auch öffentlich für dessen Vorzüge: „Der wesentliche Unterschied ist: Für unser Angebot haben diese Sportarten absolute Priorität – alle anderen größeren Plattformen haben objektiv betrachtet einfach ein anderes Kerngeschäft“, sagt der Sportmanager, der sich mit seinem Projekt langfristig engagieren will und hierfür ein riesiges Nachfragepotenzial sieht.
So seien bislang rund 500 000 Fans bei den Spielen der genannten Sportarten live dabei. Marktanalysen ergaben allerdings, dass sich in Deutschland sogar rund 17 Millionen Menschen für Handball, Basketball und Eishockey interessieren.
„Dass es jetzt ein Unternehmen geben soll, das sich ausschließlich mit dieser Thematik befasst, ist sicherlich interessant“, sagt Alexander Reil, der ebenfalls Wachstumschancen sieht. So will Seifert mit seinem Team neben der Live-Übertragung vor allem die Berichterstattung an Nicht-Spieltagen professionalisieren und ausbauen. Doch die Platzhirsche werden nicht so einfach beiseitetreten. „Handball ist ein sehr wichtiges Recht für uns“, sagt etwa der Sky-Sportchef Charlie Classen angesichts der nun aufkommenden Konkurrenz: „Wir sind sehr glücklich damit und waren für die Bundesliga immer ein verlässlicher Partner, auch in Coronazeiten.“
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Für den erfolgsverwöhnten Seifert steht also viel auf dem Spiel. „Für einen wirklichen Wachstumsschritt über das nun erreichte Niveau hinaus, der neue Zuschauergruppen, neue mediale Reichweiten und neue Einnahmequellen erschließt, braucht es einen neuen Ansatz. Und den liefern wir“, sagt der ehemalige DFL-Boss, der allerdings erst einmal den Flirt mit seinen neuen Lieblings-Sportarten erfolgreich zu Ende bringen muss.