Das Naturschutzgebiet Heimbachaue ist der ideale Platz für das Forschungsprojekt des Regierungspräsidiums. Foto: Fuchs

Seit drei Wochen hängen die Insektenfallen rund um die Heimbachaue zum Forschungsprojekt "NaturLicht". Ortsvorsteher Hans-Ulrich Wößner spricht über die Anfänge und die Bedeutung des Projekts für Betzweiler.

Loßburg-Betzweiler - Von vielen Bürgern wurde Wößner in den vergangenen Wochen auf die "komischen Tüten" an den Laternen angesprochen. Er wurde nicht müde, ihnen zu erklären, dass es sich um ein Forschungsprojekt des Regierungspräsidiums Karlsruhe handelt, das dazu dient, eine insektenfreundliche Umgebung zu schaffen. Dazu muss die Lichtverschmutzung festgestellt werden. Wie es dazu kam, dass ausgerechnet die Betzweiler Heimbachaue als eins von drei Naturschutzgebieten in Baden-Württemberg ausgewählt wurde, weiß er nicht genau. Das Projektteam habe aber betont, dass sich das Gebiet herausragend für das Vorhaben eigne.

Beinahe zur Hotelanlage umgebaut

"Projektleiter Andreas Jechow hat sich bei der Gemeinde gemeldet", erklärt Wößner. Und anschließend war das Team auch hier und hat sich persönlich vorgestellt." Der Ortsvorsteher ist begeistert von der Aktion. "Der Platz ist tatsächlich ideal für so ein Projekt. Es ist ein Rückzugsort für viele Arten, teilweise auch seltene." Aber auch der Mensch schätze das ruhige, idyllische Plätzchen. "Es gibt dort drei Wanderwege, die zwischen vier und acht Kilometer lang sind. Die sind sehr beliebt."

Vor einigen Jahren wäre das ursprüngliche Stückchen Natur beinahe zerstört worden. "Früher war das Gebiet Heimbachaue ein Fischweiher", erinnert sich Wößner. "Und dann sollte dort ein Hotel gebaut werden. Die Planungen waren schon da." Der ehemalige Bürgermeister von Betzweiler-Wälde, Reinhold Johne, habe sich aber dafür stark gemacht, die Natur zu erhalten. Und er hatte Erfolg, die Heimbachaue wurde zum Naturschutzgebiet. Die Fischteichanlage im Zentrum des Areals wurde renaturiert.

Störche kamen keine, aber dafür der Eisvogel

"Er wollte dort immer Störche ansiedeln", erinnert sich Wößner schmunzelnd. "Was wir alles dafür getan haben. Wir haben sogar Aufbauten hingestellt, auf die sie ihr Nest hätten bauen können." Bei diesem Vorhaben hatte der Bürgermeister jedoch keinen Erfolg. Dafür gab es jedoch schon einen anderen seltenen Bewohner in der Heimbachaue: Den Eisvogel. Auch die Wasserfledermaus hat dort eine Heimat gefunden.

Laternen könnten LED-Lampen werden

Ohne den Einsatz der damaligen Kommunalpolitiker könnte es heute kein Forschungsprojekt in dem Naturschutzgebiet geben. "Bis Oktober werden die Fallen nun einmal im Monat aktiviert und geleert", sagt Wößner. "Ich hoffe nur, dass die Fallen keinem Vandalismus zum Opfer fallen." In der jüngeren Vergangenheit sei Betzweiler weitestgehend davon verschont geblieben. Vor etwa zehn Jahren habe es Jugendliche gegeben, die alles kaputt gemacht haben, ist dem Ortsvorsteher noch lebhaft in Erinnerung. "Es sind immer mal wieder Gruppen unterwegs, aber das ist ja überall so." Obwohl keine akute Gefahr drohe, wolle er auf das Thema hinweisen. "Wenn die Leute sensibilisiert sind, achten sie auch eher darauf, ob jemand etwas an den Fallen macht", überlegt er. "Und sprechen denjenigen im Zweifel vielleicht auch an."

Die Chancen stehen also gut, dass die Aufbauten bis zum Herbst überleben und verwertbare Daten liefern. Was, wenn herauskommt, dass die Lichtverschmutzung rund um das Naturschutzgebiet zu groß ist? "Dann müssen möglicherweise neue Lampen aufgestellt werden." Das Budget in Höhe von 440 000 Euro, das für das Projekt zur Verfügung steht, sei nicht nur für dessen Durchführung angedacht, sondern auch für mögliche Folgemaßnahmen. "Wenn tatsächlich eine insektenfreundlichere Beleuchtung nötig wird, wird das auch entsprechend gefördert." Nichtsdestotrotz müsse die Kommune natürlich auch einen Teil der Kosten tragen.

"Es ist aber bereits so, dass Laternen, die in der Gesamtgemeinde Loßburg kaputt gehen, nun nach und nach durch LED-Beleuchtung ersetzt werden." Die Laternen rund um die Heimbachaue seien etwa 20 Jahre alt und Ersatzteile gebe es sehr wahrscheinlich keine mehr dafür. Daher wären sie ohnehin früher oder später dran gewesen. "Jetzt geht es vielleicht sogar ein bisschen schneller", so der Ortsvorsteher.

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