Nur ein Bruchstück von dem Müll, der im September im Garten der Städtischen Galerie an einen Stahlkörper gebaut und künstlerisch verarbeitet wird, zeigt Galerie-Leiter Stephan Rößler vorab. Foto: Kratt

Eine Documenta in Schwenningen? Es hat zwar nicht die Ausmaße der zeitgenössischen Kunstausstellung in Kassel, dennoch wird mit der geplanten Großplastik im Garten der Städtischen Galerie die Kernidee rund um die Themen Nachhaltigkeit und Zukunft aufgegriffen – und zusätzlich das Thema Heimat.

VS-Schwenningen - Immer habe die Städtische Galerie versucht, ein "Exil", ein etwas anderer Zufluchtsort für Künstler und Kunstinteressierte zu sein, sagt deren Leiter Stephan Rößler. Und auch beim Stadtjubiläum möchte die Galerie das Motto "Heimatheimatstadt" aus einem anderen Blickwinkel betrachten und den Blick statt in die Vergangenheit in die Gegenwart lenken. Dazu gibt es vom 16. September bis 20. November eine Ausstellung unter dem Titel "Utopie Heimat". Bereits im Vorfeld soll in diesem Zusammenhang ein Kunstprojekt entstehen, dessen Auftakt am kommenden Freitag, 1. Juli, mit einem Kennenlerntreffen aller Beteiligten stattfindet.

Eine Großplastik aus Plastikmüll

Der italienische Künstler und Bühnenbildner Silvio Motti plant, im Garten der Galerie zusammen mit jungen Menschen aus der Region eine Großplastik zu bauen – und zwar aus Plastikmüll, der aus den städtischen Kultureinrichtungen – Franziskaner, Theater am Ring, Uhrenindustriemuseum, Galerie – stammt. "Wir möchten selbstreflektiv sein und zeigen, wie wir zum Thema Ressourcen stehen", so Rößler. Der Müll, der aus "Kultur" entstanden ist, soll also wiederum zu einem Kulturgut "upgecycelt" werden. Die damit verbundenen Themen Nachhaltigkeit und Natur sollen dabei im engen Zusammenhang mit dem Heimat-Begriff stehen.

Kein starres Kunstwerk, sondern ein künstlerischer Prozess

Doch es soll nicht beim bloßen Bauen bleiben, wie Ingeborg Waldherr erläutert. Zusammen mit Thomas Elgner ist sie als Theaterpädagogin beim städtischen Kulturamt tätig und betreut das ungewöhnliche Kunstprojekt in Schwenningen. "Es soll ein partizipative Projekt werden", betont sie. "Die Skulptur bildet dabei nur den Körper." Um ihn herum nämlich sollen künstlerische Aktionen eingebaut werden, die von Musik, Theater, Texten, Videoprojektionen bis hin zu Performances reichen. Sie sollen während eines Sommercamps vom 5. bis 9. September entstehen. Eingeladen sind (junge) Interessierte ab 16 Jahren. "Es geht dabei um den Prozess, Plastik in ein Kunstwerk zu verwandeln. Dabei soll das komplexe Thema um die Frage nach der Zukunft ganz unterschiedlich bespielt werden."

Professor Fath kommt

Angereichert wird das Projekt durch Vorträge und Diskussionen mit verschiedenen Experten, etwa Andreas Fath, Chemie-Professor an der Hochschule Furtwangen, der vor Kurzem die Donau durchschwommen hat, oder einen Referenten von der Landeszentrale für politische Bildung.

Unterschiedliche Perspektiven werden eingearbeitet

Thomas Elgner betont derweil, dass er sich mit diesem "Forschungsprojekt" ein interdisziplinäres Arbeiten mit Menschen aus Villingen-Schwenningen erhofft, bei dem möglichst viel unterschiedliche Perspektiven entstehen sollen. Wie Künstler Silvio Motti erklärt, wird das Skelett, das Grundgerüst, ganze sieben Meter hoch und begehbar sein, sodass auf allen Ebenen interagiert werden kann. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten, das wird eine ganz neue Erfahrung für mich."

Nicht nur durch die Themen Nachhaltigkeit und Zukunft, sondern auch durch die kollektive Arbeitsweise beim Sommercamp sieht Galerie-Leiter Stephan Rößler einen Vergleich zur aktuellen Documenta in Kassel nicht ganz abwegig. "Wir sind auf jeden Fall damit an der aktuellen Kunstentwicklung dran."

Info: Das Sommercamp

Kunstprojekt zum Mitmachen! Die Städtische Galerie lädt Schüler ab 16 Jahren und Erwachsene vom 5. bis 9. September (ganztägig) zu einem offenen künstlerischen Projekt Sommercamp zu den Themen Zukunft und Nachhaltigkeit ein. In Filmausschnitten, Impulsvorträgen, Diskussionen mit Aktivisten soll zu den Fragen "Wie wollen wir leben?", "Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten?", "Wie gehen wir mit Ressourcen um?" ein offener Diskurs mit künstlerischer Praxis, der Arbeit an der Skulptur, stattfinden. Für Essen und abendliche Unterhaltung im Garten der Städtischen Galerie wird gesorgt. Die Projektleitung liegt bei den Theaterpädagogen Ingeborg Waldherr und Thomas Elgner vom Amt für Kultur. Ein erstes Treffen aller Interessierten findet am Freitag, 1. Juli, 18 Uhr, in der Städtischen Galerie statt. Für Rückfragen und Anmeldungen steht Ingeborg Waldherr zur Verfügung: Ingeborg.Waldherr@Villingen-Schwenningen.de Die Teilnahme an den Projekttagen ist kostenfrei.