Rund zwei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten sind die Sanierungsarbeiten in Kirnbach weitgehend abgeschlossen.
Architekt Hardy Happle hat sich mit dem Umbau des Gasthauses Krone in Kirnbach viel vorgenommen. Als er das Gebäude gegenüber dem Sportplatz während der Pandemie kaufte, verfolgte er gleich mehrere Ziele: Er wollte sein Architekturbüro dort unterbringen, neuen Wohnraum schaffen und vor allem die traditionsreiche Gastronomie wiederbeleben. Immerhin stammt die erste Konzession aus dem Jahr 1423. Der Gebäudekern ist aus dem Jahr 1630. 1820 gab es einen Umbau.
Rund zwei Jahre nach dem Baubeginn im August 2023 sind die Arbeiten nun weitgehend abgeschlossen. Der Weg dorthin war allerdings schwieriger als geplant. Rund ein Jahr länger als vorgesehen dauerten die Arbeiten.
„Das Gebäude war in einem unfassbar schlechten Zustand. Da kam man von einer Ohnmacht in die nächste. Der Statiker hat sich gefragt, wie das alles überhaupt hält“, erinnert sich Happle. Neben der energetischen Sanierung war deshalb eine komplett neue Statik notwendig – ein erheblicher Mehraufwand an Zeit und Geld.
Trotz wiederkehrender Zweifel habe ihn der Wunsch, das Gebäude zu retten, nicht aufgeben lassen. Schon bald nach dem Kauf zog das Architekturbüro mit seinen 13 Mitarbeitern in das Obergeschoss des Hauses ein, in dem früher Gästezimmer und die Wirtewohnung untergebracht waren. In dem Anbau konnte das Dach geöffnet werden, was im historischen Gebäudeteil wegen des Denkmalschutzes nicht möglich war.
Happle legte großen Wert darauf die historische Substanz zu bewahren
Als auf historische Bauten spezialisierter Architekt legte Happle großen Wert darauf, die alte Substanz zu bewahren. Sichtbare Balken blieben erhalten, die bestehende Holzvertäfelung wurde sorgfältig aufgearbeitet. Auch im Gastraum war ein behutsames Vorgehen gefragt. Das Denkmalschutzamt verlangte den Erhalt der Einrichtung aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Wandvertäfelung, Boden und Theke mussten bleiben und wurden lediglich instand gesetzt. Besucher, die lange nicht mehr in der „Krone“ waren, dürften daher vieles wiedererkennen – trotz der umfangreichen Sanierung.
Inzwischen kann der Gastraum gemietet werden, etwa für Familienfeiern oder Seminare. „Die erste Veranstaltung fand schon am 16. Dezember statt, und es gab viele Anfragen für Weihnachtsfeiern“, berichtet Happle. Die Bewirtung übernimmt dabei der Caterer Kinzigfood, dem eine voll ausgestattete Küche zur Verfügung steht. Große oder laute Veranstaltungen sind allerdings nicht vorgesehen: Platz ist für etwa 50 Personen, zudem wohnen Menschen im Haus.
Ursprünglich hatte Happle geplant, im ehemaligen Hoteltrakt fünf Wohnungen für eine kurzfristige Vermietung, etwa an Geschäftsleute, einzurichten. Davon rückte er jedoch ab und entschied sich bewusst für eine dauerhafte Vermietung. Bei der Auswahl der Mieter achtete er darauf, dass sie gut zusammenpassen und Wert auf ein gemeinschaftliches Zusammenleben legen.
Die Mieter der fünf Wohnungen sollen gut zusammenpassen
Das passt zur Philosophie des Hauses: Es gibt nicht nur Kontakt unter den Mietern, sondern auch einen regen Austausch mit den Mitarbeitern des Architekturbüros – inklusive gegenseitiger Unterstützung, etwa beim Aufpassen auf Hunde oder Kinder. Die Vermietung für einzelne Veranstaltungen soll jedoch nur ein Teil des Konzepts bleiben. Happle liegt die Wiederbelebung der Gastronomie besonders am Herzen.
Zwar nutzte zuletzt das Wolfacher Gasthaus Hecht die Räume für Veranstaltungen, einen dauerhaften Betrieb gibt es jedoch schon lange nicht mehr. „Viele haben aber noch Erinnerungen daran“, weiß der Architekt. Deshalb soll voraussichtlich ab März wieder ein Cafébetrieb starten – zunächst während der Büroöffnungszeiten von montags bis freitags zwischen 11 und 17.30 Uhr. Gespräche mit einem Kuchenlieferanten laufen bereits. Bis zum Frühjahr soll außerdem der Biergarten fertiggestellt werden.
Ein erster Höhepunkt steht bereits fest: Am 2. Mai ist ein Sommerfest geplant, bei dem der Musikverein Kirnbach sowie die Band auftreten, die im „Kronen“-Keller probt. Happle hofft außerdem, dass sich künftig jemand findet, der auch am Wochenende bewirtet: „Das würde sich sicher lohnen.“
Bürokratische Hürden
Ursprünglich war angedacht, dass Mitarbeiter des Architekturbüros die Bewirtung übernehmen. Das ist jedoch aus rechtlichen Gründen nicht möglich, da für Architekturbüros und Gastronomiebetriebe unterschiedliche Berufsgenossenschaften zuständig sind. Deshalb sollen nun drei Servicekräfte eingestellt werden; zusätzlich werden weitere Helfer auf Stundenbasis gesucht. Den Betrieb selbst darf Happle dennoch führen. Hintergrund ist eine Änderung des Gaststättengesetzes: Statt einer Konzession ist heute lediglich eine Erlaubnis erforderlich, für die ein sechsstündiger Kurs genügt. Auch eine Verpachtung stand zur Diskussion, doch Happle wollte den Charakter der „Krone“ selbst bestimmen. „Ich wollte nicht, dass hier jemand ein reines Busgeschäft aufzieht“, sagt er.