Das denkt unser Autor Ernst Klett über den Vorschlag, den Hechinger Marktplatz zur Fußgängerzone zu erklären.
Wetten, dass sich am Dienstagabend auffallend viele Menschen die Augen gerieben haben?! Oder man hat aufs Datum angeschaut: Nein, der 1. April ist noch lange hin. Es kann also kein Scherz sein. Und wenn schon auf jedem der Stühle im „Museum“ eine Broschüre lag, in der die schöne, neue Marktplatzwelt skizziert ist, dann sollte es tatsächlich wahr sein, dass ein uraltes Thema der Zollernstadt angepackt und flott umgesetzt wird: Der Marktplatz wird Fußgängerzone!
Alle Anläufe, die bislang von der Stadt, aus dem Gemeinderat oder von der Bevölkerung lanciert worden sind, um die Autos zwischen dem Rathaus und den Abzweigungen zu Schloß- und Goldschmiedstraße herauszubekommen, sind stets erfolglos geblieben.
Final gab immer den Ausschlag die Angst, dass noch mehr Geschäfte schließen könnten, wenn nicht mehr vor der Ladentür geparkt werden darf. Dieses Argument konnte und kann man auch nicht so einfach vom Ratstisch wischen.
Mehrheit der Kaufleute war dagegen
Zwar gab es unter den Geschäftsleuten vor Ort immer welche, die für die Fußgängerzone waren, aber die Mehrheit der Kaufleute war halt dagegen. Mit ins Gewicht fiel in der Vergangenheit allerdings, dass es nie so recht einen Plan gab: Fußgängerzone halt, irgendwas mit Gestaltung. Nichts Ausgegorenes! Und dafür noch mehr Leerstände riskieren? Man konnte durchaus Verständnis dafür haben, dass man es beim Autoplatz belassen hat.
Arbeitskreis hat das nötige getan
Nach Jahrzehnten ist das Projekt jetzt aber offenbar so angepackt worden, wie es sein muss: Ein Arbeitskreis hat nicht nur getagt, sondern geschafft, und die Stadt hat für professionelle Beratung Geld in die Hand genommen. Ebenfalls von größter Bedeutung: Die Beteiligten, also die Gewerbetreibenden und die Hausbesitzer, sind ziemlich schnell und umfassend integriert worden.
Fehlt noch etwas? Das da: In Hechingen bringt man den Mut auf, das heikle Thema umzusetzen! Das Konzept, das Bürgermeister Philipp Hahn präsentiert hat, liest sich durchdacht und machbar. Die Kurzfassung: Wenn man gern in die Stadt geht, länger bleiben und immer wiederkommen will, dann bringt das mehr Frequenz und Kundschaft, als bequemes Parken. Dass Stellplätze allein keine Rettung sein können, hat man an den Geschäftsschließungen der letzten Jahre gesehen. Wir von der Zeitung glauben gern an das Gute.
Aber beim Marktplatz muss man sich nicht groß verbiegen, um zu behaupten, dass diese Pläne endlich das Zeug dazu haben, um sogar im stets pessimistisch gestimmten Hechingen zu blühenden Altstadtlandschaften zu führen.