Das neue Gebäude ist der Optik der alten Akademie nachempfunden. Foto: ib Morgenstern

Dort, wo jahrzehntelang die alte Akademie gestanden hatte, soll neuer Wohnraum entstehen. Die Entwürfe wurden jüngst dem Bau- und Umweltausschuss vorgestellt. Während das Gebäude an sich großen Anklang fand, sorgte ein Thema wieder mal für Diskussionen: die Parksituation.

Calw - Die alte Akademie gibt es nicht mehr. Vor einigen Monate wurde das 1908 erbaute Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Obwohl eigentlich schon 2017 Entwürfe für eine Wohnbebauung in dem bestehenden Gebäude vorgelegen hatten – doch die mangelhafte Statik hatte die Umsetzung unmöglich gemacht, erinnerte Oberbürgermeister Florian Kling in der virtuellen Sitzung.

Deshalb stellten die SGI "Alte Akademie" GmbH in Person von Geschäftsführer Uwe Groß sowie Matthias Morgenstern vom gleichnamigen Ingenieurbüro nun den überarbeiteten Entwurf vor.

Ein Neubau soll es werden, an selber Stelle, an der zuvor die alte Akademie gestanden hatte. Während im ersten Entwurf von 2017 37 Wohnungen geplant waren, sind aktuell 53 zwischen 45 und 90 Quadratmetern mit je zwei bis drei Zimmern vorgesehen. (Fahrrad-)Keller, zwei Treppenhäuser, zwei Aufzüge, Gemeinschaftsflächen – all das soll dort entstehen. Das Mehrfamilienhaus solle sich der Umgebung anpassen. Deshalb sei der geplante Neubau in Stil, Kubatur und Dachform der Akademie nachempfunden, führte Morgenstern aus. Der vornehmlich in weiß gehaltene Bau ist im Entwurf durch beigefarbene Natursteinflächen unterteilt – ein "sehr modernes Gebäude" in klassischem Stil, fasste er zusammen.

Nachfrage immens

Wenn alles gut läuft, wolle man im Januar den Bauantrag einreichen, erklärte Groß als Bauherr. Läuft alles glatt, "würden wir gerne im April mit dem Bau beginnen". Rechnet man mit eineinhalb Jahren Bauzeit, könnte das Mehrfamilienhaus im Oktober oder November 2023 stehen, so Groß. "Es war ein sehr, sehr langer Weg bis zu diesem Entwurf", fügte Morgenstern an. Deshalb hoffe er, dass er die Anforderungen des Ausschusses und der Stadt erfülle.

Das tat er größtenteils. Wenngleich Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw) zum Beispiel kritisierte, dass ihm in den Zwei- bis Dreizimmerwohnungen der Platz für junge Familien fehle. Tatsächlich sei aber, meinte Morgenstern, die Nachfrage nach dieser Größe von Wohnflächen immens. Zudem bestünde die Möglichkeit, mehrere Wohnungen miteinander zu verbinden. Irmhild Mannsfeld (Neue Liste Calw) merkte an, dass die Dachkonstruktion etwas vom ersten Entwurf aus 2017 abweiche – dadurch "geht der Charme verloren", bedauerte sie.

Doch im Wesentlichen drehte sich die Debatte im Gremium nur um ein Thema: das Parken, beziehungsweise die Verkehrssituation. Die sei in dem Bereich, in dem der Neubau geplant ist, ohnehin schwierig, merkte Mannsfeld an. Wie solle das dann erst werden, wenn so viele Menschen mehr dort wohnhaft sind?

Für die Bewohner des geplanten Mehrfamilienhauses sind 21 Doppelgaragen sowie 29 Carports geplant. In Summe also 71 Parkplätze. Üblicherweise müssen Bauherren in Calw 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit einplanen. Bei Wohnungen, die größer als 50 Quadratmeter sind, trifft dies auch zu. Lediglich für jene, die kleiner sind, wurde in diesem Fall ein Stellplatzschlüssel von einem pro Wohneinheit angewandt, ist in der dazugehörigen Sitzungsvorlage zu lesen.

Frage der eigenen Erziehung

Doch reicht das? Was ist, wenn Besuch kommt? Und hätte es nicht auch eine Tiefgarage anstatt der übereinanderliegenden Doppelgaragen getan? Letzteres wäre "finanziell nicht darstellbar" gewesen, nahm Groß dem Vorschlag von Piet Schaber (GfC) den Wind aus den Segeln. Doch natürlich müssten die Bewohner dort parken, wo sie ihren Parkplatz haben, mahnte er – auch wenn "mal kurz" in der Doppelgarage vielleicht unpraktisch zu sein scheint. Denn, wie Schaber anmerkte, gebe es in der nahegelegenen Schillerstraße ohnehin schon "erhitzte Gemüter" aufgrund der Parksituation. Wenn dann aus Bequemlichkeit auch noch die Bewohner des Neubaus vogelwild irgendwo ihre Autos abstellen, nicht auszudenken. Das, meinte Groß dazu, sei aber auch eine Frage der eigenen Erziehung.

Für Besuch gibt es im aktuellen Entwurf tatsächlich keine Lösung. Drei bis vier Stück, so Stimmen aus dem Gremium, sollten aber irgendwo auf dem Grundstück ausgewiesen werden. Groß und Morgenstern nahmen diesen Vorschlag auf – nun müssen sie schauen, wo man das realisieren könnte, sagte Groß tags nach der Sitzung gegenüber unserer Redaktion. OB Kling schlug indes vor, mindestens drei Parkplätze für Carsharing-Autos zur Verfügung zu stellen. So bräuchten gar nicht alle Bewohner ein eigenes Auto und elektrisch fahren die Modelle des Calwer Carsharing-Unternehmens deer GmbH obendrein. Groß´zeigte sich offen für diesen Vorschlag. Unter der Bedingung, dass man die Parkplätze anrechnen kann. Soll meinen: Wenn der Bauherr wegen des vereinbarten Parkplatzschlüssels 71 Stellplätze plus drei für das Carsharing bereitstellen muss, werde es irgendwann schwierig.

Unstimmigkeiten geklärt

Jürgen Ott (GfC) schlug vor, den Parkplatzschlüssel generell zu überdenken. Keine Option für Kling, der den Wert definitiv nicht erhöhen wolle – weil das im Jahr 2021 nicht mehr zeitgemäß sei. Vielmehr wolle er sich mit Alternativen, wie eben dem Carsharing, beschäftigen.

Für Fahrräder ist jedenfalls schon eine Lösung eingeplant: ein Fahrradkeller mit einem eigenen Ausgang, durch den die Drahtesel bequem passen, ohne dass man sie Treppen hoch oder runter tragen muss. Der unbequeme Teil lauert dann vor der Tür: Dort haben Radfahrer die Wahl zwischen einer Treppe oder einem stattlichen Umweg um das Haus drumherum. Den Vorschlag aus dem Gremium, die Treppe so auszubauen, dass sie auch mit einem Rad zugänglich ist, nahmen Morgenstern und Groß ebenfalls auf.

Der Ausschuss begrüßte schließlich einstimmig das Vorhaben und votierte dafür, dass die Planer weiter an dem Projekt arbeiten.

Um das geplante Mehrfamilienhaus an Stelle der alten Akademie herum sind übrigens weitere drei Wohngebäude geplant. Allerdings nicht von der SGI "Alte Akademie" GmbH, sondern von der Lumina Villenwohnpark Calw GmbH. "Unstimmigkeiten zwischen den Bauträgern, insbesondere hinsichtlich der gegenseitigen Übernahme von Baulasten, sind zwischenzeitlich geklärt", heißt es in der Sitzungsvorlage der Stadt.