Wie geht es in Herrenzimmern mit dem Gebäude Bösingerstraße 2 weiter? Diese Immobilie könnte für das Zukunftsprojekt "Betreuung und Begegnung" eine große Rolle spielen. Im Moment sind noch einige Fragen offen. Foto: Pfannes

Die Gemeinde Bösingen will in Zukunft sämtlichen Generationen, besonders den älteren Bürgern, eine Bleibeperspektive bieten. Dazu hat man vor zwei Jahren das vom Land geförderte Projekt "Heimat mit Zukunft" angestoßen.

Bösingen - Der Förderzeitraum ist Ende Juni 2021 abgelaufen. Doch damit soll keinesfalls der in Gang gesetzte Prozess enden. Friedolin Koch von "SPES – Zukunftsmodelle für Menschen und Lebensräume", ein in Freiburg ansässiger Verein, begleitete von Anfang an das Projekt in Bösingen, fasste die Ergebnisse der Umfrage, die bisher erreichten Ziele, die zukünftigen Aufgaben, Anregungen sowie konkrete Vorschläge für das weitere Vorgehen in einem Abschlussbericht zusammen.

Den Bericht trug er jüngst dem Gemeinderat in öffentlicher Sitzung vor. Ein Teil der Besucher saß auch deswegen in den Zuhörerreihen. Zudem saß am Ratstisch Kümmerer Klaus Müller.

"Wir sind mittendrin und nicht am Ende", bekräftigte er. Auch Bürgermeister Johannes Blepp ("Wir werden bald konkrete Schritte machen") sah dies so. Der Schultes dankte Koch und Müller für die geleistet Arbeit.

Alle unter 35 Jahren wurden nicht befragt

Im April 2019 startete das Projekt mit einer Haushaltsbefragung der Bürger über 35 Jahren. Die jüngeren Einwohner, das wurde in der jüngsten Sitzung von Zuhörern bemängelt, wurden nicht befragt. Im Oktober 2019 gingen ehrenamtlich tätige Gruppen an die Arbeit. Eine hohe Lebenszufriedenheit in der Gesamtgemeinde habe die Befragung ergeben, erklärte Koch. Den Rücklauf mit 33 Prozent, 677 Fragebögen konnten ausgewertet werden, bezeichnete der SPES- Mitarbeiter als "gutes Ergebnis". Etwas mehr als die Hälfte der teilnehmenden Bürger sah die eigene Wohnung als wenig geeignet für das Alter an.

Bei den über 80-Jährigen lag der Anteil, derer, die sich einen Umzug in eine besser geeignete Wohnform vorstellen könnten, bei 38 Prozent. Im auswärtigen Supermarkt/ Discounter kaufen 92 Prozent ein. Diese Zahl führt Bürgermeister Johannes Blepp ("Es ist also Bedarf vorhanden") als Argument für die Ansiedlung des Norma-Marktes an. 80 Prozent, Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich, tätigen ihre Einkäufe ebenso in den heimischen Metzgereien und Bäckereien. Den Wochenmarkt besuchen 40 Prozent.

"Vereinsamung ist im Alter ein großes Thema"

Für ein eigenständiges Leben im Alter bedürfe es fußläufig erreichbarer Einkaufsmöglichkeiten, betonte Koch. Einkaufsstätten seien für ältere Menschen auch wichtige Begegnungsstätten. Denn: "Vereinsamung ist im Alter ein großes Thema." Die Kritiker des geplanten Discounters weisen indessen darauf hin, dass der Norma- Standort am Ortsrand nicht für Fußläufigkeit spreche. Weiterer Einwand: Kommunikation finde in den kleineren einheimischen Geschäften statt.

Als Handlungsfelder für die Gemeinde nannte der Experte für Zukunftsmodelle den Erhalt und die Stärkung der Ortskerne, Verbesserung der Wohn – und Betreuungssituation für ältere Menschen sowie Schaffung von Begegnungsangeboten für verschiedene Altersgruppen. Großes Lob zollte er den in der Gemeinde tätigen Sozialgemeinschaften und Pflegediensten. Die Gemeinde habe mit dem Projekt große Verantwortung übernommen. "Bleiben sie dran", appellierte der Fachberater an Verwaltung und Gemeinderat. Ohne Inanspruchnahme von weiteren Beratungsleistungen gehe es nicht, so Müller abschließend.

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