So sieht die App nach aktuellem Entwicklungsstand aus. Die Handhabung soll möglichst einfach gehalten sein. Foto: Jessica Müller

Das soll mithilfe einer eigens für diesen Zweck entwickelten App ermittelt werden. Als Landkreis mit der meisten Erfahrung im Bereich der Lebensmittelentsorgung – 1991 wurde hier die Biomülltonne pioniert – will man die Abfallwirtschaft weiterentwickeln.

Schnell ist es passiert: Der Salatkopf, den man guten Willens vor mittlerweile nun doch schon einigen Tagen im Supermarkt eingekauft hat, ist in der hintersten Ecke des Kühlschranks matschig geworden, dahinter findet sich außerdem noch eine halb verschimmelte Tomate. Weg damit in die Bio-Tonne.

 

Grob geschätzte 78 Kilogramm an Lebensmitteln wirft jede Person im bundesweiten Durchschnitt jährlich weg. Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass dieser Wert bis 2030 halbiert werden soll. „In unserer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft ist jede Anstrengung lohnenswert, um für problematische Verhaltensmuster wie Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren“ sagte Landrat Günther-Martin Pauli bei der Vorstellung des Projekts.

Modell für ganz Baden-Württemberg

Mit diesem Ziel startet jetzt ein Pilotprojekt im Zollernalbkreis. „Mit dem Projekt ,Smart Food BaWü’ wollen wir das Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung schärfen und so die Lebensmittelabfälle in Privathaushalten reduzieren“, sagte der baden-württembergische Landesminister Peter Hauk.

„Der Zollernalbkreis soll hierbei als Modell für ganz Baden-Württemberg dienen.“ Der Landrat betonte zudem: „Wir im Zollernalbkreis wirken gerne und mit Überzeugung an diesem innovativen, sinnvollen und nachhaltigen Projekt mit.“

Idee kommt aus dem Zollernalbkreis

Die Idee für das Projekt wurde im Zollernalbkreis geboren und gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und der Verwaltung entwickelt. „Wir haben uns überlegt, wie wir unsere Arbeit erleichtern und zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen beitragen können“, erzählt Friedrich Scholte-Reh, Leiter der Umwelt und Abfallwirtschaft.

Für die Umsetzung konnten zudem gleich zwei regionale Unternehmen ins Boot geholt werden: Die Entwicklung der App übernahm das Digitalisierungsunternehmen MeetNow! aus Albstadt, die Waagen stellt die Balinger Firma Kern und Sohn zur Verfügung. Die Daten werden von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen erfasst und ausgewertet, finanziert wird das 200 000 Euro schwere Projekt vom Land Baden-Württemberg.

Und so funktioniert’s

Wer Interesse daran hat, seine Lebensmittelabfälle über einige Monate zu dokumentieren, kann sich auf der Homepage für die Teilnahme an dem Projekt bewerben. Pro Haushalt erhält man eine Waage, welche via Bluetooth mit der App verbunden werden kann – weniger technisch affine Teilnehmer können die Daten auch händisch am Computer eingeben.

Das Gewicht des Abfalls und der Grund, warum etwas weggeworfen wird, wird in die App eingetragen. Diese anonymisiert und analysiert die Daten und gibt Tipps, wie Abfälle vermieden werden können. „Die Teilnehmer sehen anhand von ganz konkreten Beispielen im Alltag, wie sie persönlich durch die Reduzierung von Lebensmittelabfällen die Umwelt schützen und Geld sparen. Meist wird das erheblich unterschätzt“, erklärte Minister Hauk.

Gemeinsam entwickelten Vertreter aus aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und der Verwaltung das Pilotprojekt. Foto: Jessica Müller

Außerdem kann man seine Messwerte mit denen der anderen Teilnehmer vergleichen und erhält Tipps zur Einkaufsplanung und Ernährung.

1000 Euro für besseren Projektnamen

Der Projektname ist jedoch noch nicht ganz in Stein gemeißelt, wünscht sich Landrat Pauli doch einen Begriff mit dem hierzulande jeder etwas anfangen könnte. Wer bis zum geplanten Infoabend für interessierte Bürger am 25. Juli um 19 Uhr im Landratsamt in Balingen einen griffigen schwäbischen Begriff vorschlägt, könnte sich über eine Belohnung von 1000 Euro freuen, wie Minister Hauk spontan in Aussicht stellt.