Seit sechs Jahren ist „Heart and Soul“ angekündigt. Die Macher des Punchline-Studios arbeiten weiter an der Fertigstellung – und hoffen auf einen Vertriebspartner.
Anfang 2019 hatten die gebürtigen Lahrer Maik und Pirmin Styrnol die Crowdfunding-Aktion für ihren Film gestartet und mehr als 20 000 Euro gesammelt. Ein Großteil der geplanten Drehtage wurde absolviert, aber fertiggestellt worden ist „Heart and Soul“ nie. Mit Beginn der Coronapandemie kam auch die Arbeit am Film zum Erliegen. Während das Filmmaterial unfertig für viel Geld auf Servern zwischengelagert wurde, versuchten die Filmemacher, sich finanziell über Wasser zu halten. So organisierten sie die „Welive“-Konzertfilmserie zur Unterstützung regionaler Künstler. Und Pirmin Styrnol, dessen Verlobte Ukrainerin ist, steckt „fast jede freie Minute“ in die ehrenamtliche Arbeit für die von ihm mitgegründete Hilfsorganisation „Gemeinsam Europa“, die Unterstützung leistet für die kriegsgebeutelte Ukraine.
Obwohl beide nicht mehr in Lahr leben, haben sie ihr altes Projekt nie aufgegeben, wie sie beim Ortstermin mit der Redaktion erzählen. Das Punchline-Studio, von den Brüdern einst in einem Nebengebäude ihres Elternhauses eingerichtet worden, gibt es immer noch. Der gemütlich eingerichtete Raum bedeutet für die Filmemacher auch eine Art Zufluchtsort: „Es stellt eine Ablenkung dar, nicht ständig mit Krieg und Terror zu tun zu haben“, sagt Pirmin Styrnol.
Die Filmemacher leben nicht mehr in Lahr
Wenn die Brüder in Lahr im Studio sind, arbeiten sie an ihrem Film. Die Herangehensweise habe sich aber geändert, so Maik Styrnol. Aus dem Film ist ein Langzeitfilmprojekt geworden, bei dem die Filmemacher „auch zeigen wollen, was wir können. Das soll kein Film aus der Provinz, für die Provinz werden.“ Pirmin Styrnol betont, dass ein Film über eine solche Liebhaberband nur eine Existenzberechtigung habe, wenn der Film über die Band hinaus das Interesse des Publikums wecken kann.
Scaramouche, das war die Band aus Lahr, die es, so die Meinung vieler Wegbegleiter, in den 1990er-Jahren durchaus ganz nach oben hätte schaffen können. Es gab Auftritte im Fernsehen. Der Südwestfunk hatte die Musiker auf den Tragflächen eines Militärfliegers auf dem Lahrer Flugplatz posieren lassen, mit Miniaturinstrumenten in der Hand. Das fand der Sender wohl lustig, die Musiker machten dabei wohl oder übel mit. Geholfen hat es nicht, der Erfolg ist ausgeblieben. Irgendwann um die Jahrtausendwende herum gab die Band auf.
Film über die Band und die Stadt, aus der sie kommt
Pirmin und Maik Styrnol wollen die Geschichte in einen größeren Kontext stellen, wollen der Frage nachgehen, was es bedeutet, Erfolg zu haben, wollen wissen, wie sich Erfolg definiert. Und sie wollen nicht nur die Geschichte der Band nacherzählen, sondern auch das Umfeld von damals zeigen: die Freunde, die regionale Szene und die Stadt Lahr. Über Social-Media hatten Maik und Pirmin Styrnol nach Archivmaterial gesucht. Dabei sei „wahnsinnig viel Material“ zusammengekommen, berichtet Pirmin Styrnol. Bemerkenswert seien vor allem die unzähligen Zuschriften aus Kanada gewesen.
Überhaupt hätten die in Lahr stationierten Kanadier großen Einfluss auf das Szeneleben in Lahr gehabt. Maik und Pirmin Styrnol zeigen Ausschnitte aus dem Film: Archivmaterial wechselt sich ab mit O-Tönen von der Band selbst und Wegbegleitern. Ein Zeitzeuge erzählt, dass Lahr in dieser Zeit über die höchste Kneipendichte Deutschlands verfügt habe. Ob das stimmt? Die Szene sei jedenfalls sehr lebendig gewesen, so Pirmin Styrnol. „Und die Musik war viel amerikanischer als anderswo.“ Neben Scaramouche gab es in Lahr viele weitere Bands wie „Secret Combination“, „Dirty Daddy“ oder „Im Affekt“. Ob Funk, Wave, Rock oder Glam, die Szene war vielfältig – untypisch für eine Kleinstadt wie Lahr, wie Pirmin Styrnol betont. „Die Regioszene hat sich aber auch sehr ernst genommen. Heute lachen die Beteiligten darüber, aber damals gab es ein ausgeprägtes Konkurrenzdenken“, so Pirmin Styrnol.
1997 veranstaltete der Sender SWF 3 das Daytona Europe Festival in Lahr. Das Festival gilt heute als eines der größten Flopkonzerte überhaupt. Statt der angepeilten 100 000 Besucher kamen nur 20 000 auf den Lahrer Flugplatz, um Bands wie die Scorpions, Deep Purple oder Manowar zu sehen. Auch Scaramouche haben auf dem Festival gespielt, und dieser Auftritt steht wohl sinnbildlich für den ausbleibenden Erfolg der Band. Dem Lob von Kollegen und Presse stand auch immer das Pech gegenüber, nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
So beeindruckend das gezeigte Filmmaterial auch ist, stellt sich die Frage, wie lange der Film noch in der Luft hängen soll. Sorgen, dass sich das Projekt nach all den Jahren totlaufen könnte, haben Maik und Pirmin Styrnol nicht. Gespräche mit Produktionsfirmen habe es zwar gegeben, zu konkreten Veröffentlichungsplänen wollen sie sich allerdings auch nicht äußern: „Sobald wir was sagen, fällt es auf uns zurück“, befürchtet Pirmin Styrnol.
Wo ist die Musik von „Scaramouche“?
Auch alle Scaramouche-Alben sind bis heute rar. Auf den etablierten Streaming-Plattformen ist die Band nicht zu finden. Das liegt auch daran, dass die Plattenfirma Warner als Rechteinhaber nie viel Interesse an einer Wiederveröffentlichung der Scaramouche-Alben gezeigt hat. Dabei haben Maik und Pyrmin Styrnol längst alles in akribischer Kleinstarbeit digitalisiert. Die beteiligten Musiker haben den Styrnol-Brüdern das ganze Audiomaterial zur Bearbeitung überlassen. Was damit in Zukunft passieren wird, damit halten sich die Styrnol-Brüder ebenso bedeckt.