Hausärzte sind Mangelware. Im Kreis Rottweil will man sich dagegen stemmen. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Im Landkreis kämpft man gegen den drohenden Mangel an Hausärzten. Zwei Projekte setzen auf die Ausbildung von Medizinstudenten und die Weiterbildung ausgebildeter Ärzte. Doch reichen diese Maßnahmen aus, um die Versorgung zu sichern?

Selbst bei den optimistischsten Prognosen wird damit gerechnet, dass es in den nächsten zehn Jahren im ländlichen Raum zu einer weiteren Verschlechterung der hausärztlichen Versorgung kommen wird. Mit zwei Projekten soll dieser Entwicklung im Landkreis Rottweil entgegengewirkt werden.

 

Eine der Möglichkeiten besteht darin, Medizinstudenten frühzeitig mit der (haus)-ärztlichen Praxis vertraut zu machen und ihnen die Vorzüge des Lebens im ländlichen Raum nahezubringen. Dafür wurde das Programm „Modellregion für ärztliche Ausbildung“ vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) aufgelegt.

Hier werden auf Antrag Modellregionen geschaffen, die es den Medizinstudierenden ermöglichen, bereits während ihres Studiums die verpflichtenden Blockpraktika im Bereich Allgemeinmedizin in einem der teilnehmenden (ländlichen) Landkreise zu absolvieren. In seiner jüngsten Sitzung empfahl der Verwaltungsausschuss des Kreistags, der Kreis solle sich als Modellregion zu bewerben.

Erfahrungen aus Tuttlingen und Lörrach

Die Zuteilung der Studierenden erfolgt hierbei durch das Institut für Allgemeinmedizin Freiburg. Mehrmals im Jahr kommen so mehrere Medizinstudierende über einen zweiwöchigen Zeitraum in die Landkreise.

Das MWK stellt dem Institut für Allgemeinmedizin der Universität Freiburg für dieses Vorhaben Fördermittel zur Verfügung. Pro Landkreis können förderfähige Ausgaben bis zu einer Höhe von 33 000 Euro jährlich erstattet werden. Die Modellregion ist für die Dauer der Blockpraktika unter anderem für Unterkunft, Mobilität und Betreuung der Studierenden verantwortlich. Aus den Erfahrungen anderer Modellregionen (Tuttlingen und Lörrach) sind mit zusätzlichen Ausgaben von bis zu 5000 Euro pro Jahr zu rechnen.

Zweites Programm mit der KVBW

Parallel zur „Modellregion für ärztliche Ausbildung“ befindet sich ein weiteres Programm für den Landkreis Rottweil in Planung. Die „Verbundweiterbildung Plus“ der KVBW, verfolgt ein ähnliches Ziel, wendet sich jedoch an fertig ausgebildete Mediziner.

Hier besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen dem stationären und dem ambulanten Bereich sowie der Ärztekammer. Am 29. November ist die Unterzeichnung der „Verbundweiterbildung Plus“ durch die Präsidentin der Ärztekammer Südbaden und des Landrates des Landkreises Rottweil vorgesehen.

Das Gesundheitsamt übernimmt ab dem 1. Dezember die Funktion einer Clearingstelle. Als „Modellregion für ärztliche Ausbildung“ und mit der parallelen „Verbundweiterbildung Plus“ wird versucht, die weiter sinkenden Landarztzahlen zu verringern und neue medizinische Fachkräfte in die Region zu holen.

Stelle soll geschaffen werden

Der Beschlussvorschlag an den Kreistag umfasst final nicht nur die Bewerbung des Landkreises Rottweil als „Modellregion für ärztliche Ausbildung“, sondern auch die Aufnahme der erstattungsfähigen Fördermittel (bis zu 33 000 Euro) sowie der zu erwartenden Eigenmittel von 5000 Euro in den Haushalt 2024.

Um eine bestmögliche Betreuung der Studierenden der Modellregion und den akademischen Lehrpraxen beider Programme anbieten zu können, wird zunächst für ein Jahr die Schaffung einer Stelle im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung für die Betreuung der beiden Programme, empfohlen.