In Irslingen wurde ein Nahwärmeprojekt vorgestellt. Bürger können bis 8. Juni ihr Interesse an einer nachhaltigen Wärmeversorgung anmelden.
Nachdem in Rotenzimmern bereits 2024 der Entschluss gefasst wurde, ein Nahwärmenetz aufzubauen – die Arbeiten dafür laufen derzeit –, wurde nun im Ortschaftsrat Irslingen ein ähnliches Konzept vorgestellt.
Hinter dem Projekt steht Thomas Rasch, der ein zentrales und nachhaltiges Nahwärmenetz für öffentliche, private und gewerbliche Gebäude in Irslingen etablieren möchte. Als Energiequelle sollen erneuerbare und regionale Energien dienen, etwa Hackschnitzel.
Vorteile des Konzepts
Ortsvorsteherin Daniela Benz stellte anhand eines Flyers die Vorteile des Konzepts vor: Demnach seien keine eigenen Heizungen oder alten Boiler mehr nötig, Reparaturen entfielen weitgehend, und die Wärmeversorgung sei langfristig planbar. Zudem könnten Fördermöglichkeiten genutzt werden.
Dietingens Bürgermeister Felix Hezel betonte gegenüber unserer Redaktion, dass es sich bei dem Vorhaben um ein rein privates und eigenständiges Projekt von Thomas Rasch handle und nicht um einen Bestandteil der kommunalen Wärmeplanung der Gemeinde Dietingen.
Vier Gemeinden im Boot
Gleichzeitig machte er deutlich: „Solche Initiativen sind ausdrücklich zu begrüßen und können wichtige Impulse für die kommunale Wärmeplanung liefern.“
Wie Hezel weiter erklärte, hätten sich die Gemeinden Bösingen, Villingendorf, Wellendingen und Dietingen dazu entschlossen, die kommunale Wärmeplanung gemeinsam im sogenannten Konvoi-Verfahren zu erstellen.
Zentraler Baustein
Die Planung habe ursprünglich im vergangenen Jahr vergeben werden sollen. Durch die Novellierung des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg zum 5. August 2025 hätten sich die Rahmenbedingungen jedoch verändert. „Hierdurch haben wir auch Anspruch auf die Konnexitätszahlungen“, erklärte der Bürgermeister.
Für die Gemeinde seien Nahwärmenetze ein zentraler Baustein für eine klimafreundliche, wirtschaftliche und langfristig sichere Wärmeversorgung. Gerade in ländlich geprägten Ortsteilen bestehe großes Potenzial, erneuerbare Energien effizient zu nutzen und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. „Gerade in der aktuellen Zeit wird einem die Abhängigkeit bei fossilen Brennstoffen bewusst“, sagte Hezel.
Der Handlungsspielraum
Eine direkte Unterstützung der Gemeinde Dietingen für das Projekt gebe es zwar nicht, dennoch stehe die Verwaltung dem Vorhaben offen gegenüber. Der Handlungsspielraum der Gemeinde sei bei privat initiierten Nahwärmeprojekten grundsätzlich begrenzt, da die Umsetzung in der Regel bei den jeweiligen Initiatoren und Betreibern liege. Dennoch begleite die Gemeinde solche Projekte im Rahmen ihrer Möglichkeiten konstruktiv.
Dabei verwies Hezel darauf, dass ein Großteil der kommunalen Gebäude derzeit noch mit fossilen Brennstoffen beheizt werde. „Sofern technisch und wirtschaftlich sinnvoll, besteht daher grundsätzlich Interesse, geeignete kommunale Liegenschaften an ein Nahwärmenetz anzuschließen“, erklärte er. Dies könne im Einzelfall auch einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts leisten.
Flyer an alle Haushalte
Zunächst soll nun die Nachfrage in Irslingen geprüft werden, um festzustellen, ob sich das Vorhaben wirtschaftlich tragen könne.
In den kommenden Tagen werden dafür Flyer an alle Haushalte verteilt. Bürger haben bis Montag, 8. Juni, die Möglichkeit, unverbindlich ihr Interesse zu bekunden. Danach sollen die konkrete Planung und Kalkulation folgen. Außerdem ist eine Informationsveranstaltung vorgesehen, bevor schließlich verbindliche Anmeldungen möglich sein sollen.
Das Ziel bleibt gleich
Sollte das Nahwärmeprojekt in Irslingen nicht umgesetzt werden können, würden im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung alternative Versorgungslösungen untersucht, erklärte Hezel weiter.
Dazu zählten unter anderem dezentrale Heizlösungen auf Basis erneuerbarer Energien, hybride Systeme oder andere quartiersbezogene Ansätze. „Ziel bleibt in jedem Fall eine nachhaltige, wirtschaftliche und für die Bürger tragfähige Wärmeversorgung“, betonte der Bürgermeister.
Auch die mögliche Dauer des Projekts war Thema im Ortschaftsrat. Thomas Rasch schätzte: „Zwei Jahre wird es auf alle Fälle gehen bis zur Umsetzung, aber konkret planbar ist das noch nicht.“