Die Lebenshilfe Rottweil hat in Waldmössingen eine neue Kaffeerösterei eröffnet. Das Projekt schafft Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung.
Nach jahrelanger Planung konnte ein Herzensprojekt der Lebenshilfe Rottweil endlich verwirklicht werden. Die Kaffeerösterei, die in den vergangenen Jahren immer erfolgreicher wurde, zog in neue Räumlichkeiten. Angebaut an das Restaurant „Zum Frieder“ bietet die neue Produktionsfläche genug Platz, tonnenweise Kaffee zu rösten, zu verpacken und zu verkaufen. Bei der Eröffnung durften ein Blick hinter die Kulissen, ebenso wie einige Worte der Verantwortlichen und eine Kostprobe natürlich nicht ausbleiben.
„Sinnvolle Investition“
Alexandra Schmid, Geschäftsführerin der Lebenshilfe, lobte den Bau als „sinnvolle Investition“. Immerhin nahm das Geschäft seit der Eröffnung des Onlineshops 2021 rapide zu, erklärte Markus Ettwein, Bereichsleiter für Arbeit und Bildung. Mehr Platz und Mitarbeiter seien also auf kurz oder lang unverzichtbar gewesen. Die Planung des Anbaus sei jedoch abenteuerlich gewesen, die Bürokratie habe den Prozess immer wieder erschwert.
Auch Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr freute sich, dass man nach „einigem Durchdiskutieren“ nun endlich eine Lösung gefunden habe – und die kann sich zeigen lassen. Die lichtdurchfluteten, barrierefreien Produktionsräume beeindruckten die Besucher. In einer U-Form angeordnet sind Büro, Rösterei, Gruppenraum und Lager leicht zu durchlaufen. Im Röstraum faszinierten besonders die zwei Öfen, von denen einer mit hauseigener Sonnenenergie betrieben wird.
Bei der Vorführung, wie das Kaffeerösten funktioniert und worauf zu achten ist, musste das Publikum erkennen: „Das ist wirklich eine Wissenschaft für sich.“ Doch der Aufwand lohnt sich. Am kleinen Kaffeewagen und im Gruppenraum durften Genießer ein Tässchen probieren.Insgesamt soll die Rösterei acht bis zwölf Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung bieten. Entsprechende Fachkräfte zur Betreuung zu finden, sei schwierig. Trotzdem – aktuell arbeiteten bereits zwei Mitarbeiter fest in der Produktion, weitere würden sich im Praktikum befinden. Bei der Eröffnung zeigten sie, wie ihre Arbeit aussieht. Sie sind für das Verpacken der Kaffeebohnen in Tüten, bis hin zum Etikettieren und Sortieren verantwortlich. „So sieht echte Teilhabe aus“, fand Eisenlohr.
Sorgfältiges Handwerk
Der Erfolg der Rösterei zeigt sich sowohl in den Zahlen als auch im Lager. Im vergangenen Jahr wurden rund 25 Tonnen Kaffee produziert und der Lagerraum ist gut gefüllt. Teilweise stapeln sich die Säcke, die in großen Regalen aufbewahrt werden, bis zur Decke. Jeder Sack, jedes Regal und jede Tüte sind säuberlich beschriftet: Woher stammen die Bohnen? Wann wurden sie geröstet? Wie viel Gewicht sollten sie haben und wie viel Kilo wurden tatsächlich gewogen? Die mühevoll und ordentlich geführten Listen spiegeln die gesamte Arbeit der Angestellten wieder. Auf jedes noch so kleine Detail wird geachtet. Hier gehe hochwertige Handwerkskunst mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung Hand in Hand, fasste Eisenlohr zusammen.