Im Rathaus Furtwangen wurde der humanoide Roboter Pepper getestet. Das Projekt der HFU zeigte, wie Bürger auf den ungewöhnlichen Empfang reagierten und lieferte spannende Kenntnisse.
Der humanoide Pepper-Roboter wurde von einem Entwicklerteam der Hochschule Furtwangen (HFU) so programmiert, dass er die Bürger über die Stadt sowie über grundlegende Abläufe im Rathaus informieren konnte. Im Rahmen dieses Semesterprojektes sollte mit „Pepper“ getestet werden, wie ein humanoider Roboter im Bürgerkontakt eingesetzt werden kann.
Elmar Cochlovius, Professor an der HFU und Projektbegleiter, sieht mit „Pepper“ und weiterer Projekte an der Schnittstelle von Robotik und KI die Chance, Menschen in alltäglichen Situation zu entlasten. „Bei lästigen, langweiligen oder Routineaufgaben soll diese Technologie wirkungsvoll unterstützen können in Zukunft. Dies gewinnt unter dem allgegenwärtigen Fachkräftemangel zunehmend an Bedeutung.“
Die Stadt Furtwangen berichtet, dass die Bürger zunächst neugierig und etwas gehemmt waren, als sie den außergewöhnlichen Mitarbeiter im Rathaus entdeckten. Doch als ihnen erklärt wurde, wer „Pepper“ ist, war das Interesse am Neuling da.
Wenn die anfängliche Scheu überwanden war wurde „Pepper“ genutzt. Besucher konnten Fragen stellen oder sich mittels einfacher Dialoge durch bestimmte Themen führen lassen. Allerdings war der Ansturm nach Angaben der Stadt verhalten, der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern wurde trotz Pepper bevorzugt.
Dabei muss berücksichtigt werden, dass es sich beim Einsatz von „Pepper“ um einen ersten Test handelt. Die Informationen, die der Roboter liefern konnte, waren noch nicht vollumfänglich. Er wurde mit konkreten Informationen und Inhalten zuvor programmiert.
Entlastung für Mitarbeitende
Dennoch zieht die Stadtverwaltung eine positive Zwischenbilanz. Die Stadt Furtwangen stehe neuen Technologien offen gegenüber und sei froh, dass mit „Pepper“ erste Erfahrungen im Rathaus gesammelt wurden. Mit dem Test wird das Projekt nicht enden. Gemeinsam mit Studierenden der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl wird nun weiter untersucht, in welchen Gebieten solche Roboter sinnvoll eingesetzt werden könnten – und wo ihre Grenzen liegen.
Im Mittelpunkt wird auch die Frage stehen, was solch ein Roboter können muss, um ein Mehrwert für die Bevölkerung zu sein. Langfristig denkt die Stadt Furtwangen über den Einsatz eines KI-gestützten Systems nach. „Pepper“ selbst konnte nur die Informationen geben, mit denen er zuvor programmiert wurde – ein lernender Roboter mit künstlicher Intelligenz könnte dagegen flexibler auf Fragen antworten. Solche Technologien könnten perspektivisch dazu beitragen, Verwaltungsmitarbeiter zu entlasten. „ Ziel ist es, durch solche Technologien Personal freizuschaufeln, ein niederschwelliges Angebot zu liefern und kostengünstig zu arbeiten“, so die Stadt Furtwangen.
„Pepper“ als Mitarbeiter im Rathaus?
An der Hochschule Furtwangen arbeiten Wissenschaftler an der Fakultät 1 – Computer Science und Applications – auf diesem hochaktuellen Forschungsgebiet. Die Arbeitsgruppe „Service Engineering“ und das „Smart Home Labor“ kombinieren ihre jeweiligen Kompetenzen und erforschen beispielsweise den Einsatz humanoider Roboter im Bereich Kundenbetreuung.
Für Cochlovius und die HFU steht nach Auswertung des Projektes fest, dass im kommenden Semester „Pepper“ erweitert werden soll. Dabei geht es dann um eine virtuelle Anbindung von „Pepper“ an eine starke KI, wie zum Beispiel Claude oder ChatGPT, berichtet der Professor. So könnte „Pepper“ in Zukunft komplexere Beratungsaufgaben übernehmen. „Im besten Fall wird Pepper dann Schritt für Schritt als vollwertiger Kollege in das Service-Team aufgenommen“, so der Wunsch von Cochlovius.