Die Neuhengstetter DLRG-Ortsgruppe hat eine Patenschaft für die Bäder in Stammheim (Foto), Althengstett und Höfen übernommen. Foto: Fritsch

Die DLRG-Ortsgruppe Neuhengstett will mit gutem Beispiel vorangehen und hat eine Patenschaft für die Bäder in Althengstett, Stammheim und Höfen übernommen. Die Rettungsschwimmer beteiligen sich am Forschungsprojekt "Bäderleben" der Hochschule Koblenz zur Bäderinfrastruktur in Deutschland.

Althengstett/Calw-Stammheim/Höfen - Wie viele Freibäder haben einen Zehn-Meter-Sprungturm? Wie viele Freizeitbäder einen Saunabereich? Gibt es in meiner Nähe Naturbäder, die freien Eintritt gewähren? "Bäderleben" sammelt alle öffentlichen Schwimm- und Bademöglichkeiten sowie Kurs- und Therapiebecken in schulischen oder medizinischen Einrichtungen in Deutschland und somit Antworten auf diese Fragen. "Momentan existiert keine vollständige Datenbank über aktive Bäder in ganz Deutschland", äußerte sich Maik Heisterkamp, Vorsitzender der Neuhengstetter DLRG-Ortsgruppe, gegenüber unserer Redaktion und erläuterte den Sinn und Zweck der Patenschaft, die die Datenlage erheblich verbessern soll.

Hoffnung auf weitere Unterstützer

Der DLRG-Bundesverband unterstütze das Projekt der Hochschule Koblenz bereits seit einiger Zeit. Die DLRG helfe bei der Suche nach Badpaten, so Heisterkamp. "Hier werden Privatpersonen angesprochen, die ihr Lieblingsbad entsprechend unterstützen sollen. Im Landkreis Calw war die Übersicht an Paten sehr übersichtlich, sodass wir uns kurzerhand entschieden haben, die von uns genutzten Einrichtungen als Badpate zu unterstützen. Vielleicht finden sich auf diesem Weg weitere notwendige Badpaten", begründete der Vorsitzende die Motivation der Neuhengstetter Rettungsschwimmer.

Keine vollständige Datenbank

Doch was bringt eine solche Studie für die Bäderlandschaft beziehungsweise den Erhalt der Einrichtungen? Heisterkamp gab dazu an: "Zum einen gibt es keine vollständige Datenbank über aktive Bäder in ganz Deutschland. Mit ›bäderleben.de‹ will man diese ganzheitliche Übersicht schaffen. Durch die Patenschaft stellt man sicher, dass die Daten der Bäder für Bürger, Vereine, Unternehmen, Politik und mehr nahezu aktuell sind. So kann zum Beispiel eine Familie ihre Freizeitaktivitäten planen, sieht auf einen Blick die Öffnungszeiten, eventuelle Attraktionen und findet Informationen zur Ausstattung. Zum anderen können aus den gesammelten Daten Informationen und Rückschlüsse gewonnen werden, wie viele Wasserflächen es für die Schwimmausbildung gibt und ob diese vielleicht Schulen zur Verfügung stehen". Es werde erhoben, wie viele Freizeit-, Hallen- oder Thermalbäder es insgesamt gebe.

Auch Schließungen und Eröffnungen werden dokumentiert

Natürlich würden damit auch Badschließungen und Baderöffnungen dokumentiert, was in der Diskussion mit Politik genutzt werden könne und "unserer Meinung nach genutzt werden muss". Ohne Wasserflächen könnten keine Schwimmausbildungen für Nichtschwimmer, Schwimmer und Rettungsschwimmer stattfinden. "Leider verschwinden jährlich eine Vielzahl an Bädern in Deutschland von der Landkarte, ohne das es vielleicht sogar jemand mitbekommt. Auch im Landkreis Calw findet man hier Beispiele: Calw, Schömberg oder auch Bad Wildbad. Am Ende des Tages fragt man sich, warum so viele Kinder nicht schwimmen können und warum es jedes Jahr zu vielen tödlichen Unfällen kommt. Ohne geeignete Wasserfläche kann man eben nicht schwimmen lernen. Auch ohne Fahrrad kein Fahrrad fahren", betonte Heisterkamp. Mit Hilfe der umfassenden, gemeinsam mit Paten erarbeiteten Datengrundlage lassen sich künftig also nicht nur hilfreiche Informationen finden, sondern auch Entwicklungen wie das von der DLRG immer wieder beklagte Bädersterben können genauer beobachtet werden.

Derzeit noch relativ am Anfang

Momentan sei man mit den drei Badpatenschaften noch relativ am Anfang. Da man alle drei Bäder bereits kenne, pflege man erst einmal die Grunddaten wie Anzahl der Becken, Öffnungszeiten, Attraktionen oder Träger ein. Im zweiten Schritt werde man im Gespräch vor Ort Fakten wie Wassertemperatur, Anzahl der Spinde oder auch WLAN-Verfügbarkeiten ergänzen. Die Hauptaufgabe wird laut Heisterkamp danach sein, die Daten immer aktuell zu halten. "Jeder kann unter ›bäderleben.de‹ Badpatin oder Badpate für sein Herzensbad sein", betonte der DLRG-Ortsgruppenvorsitzende. Über die Plattform könnten auch fehlerhafte oder fehlende Angaben gemeldet werden. Zusätzlich zur Datenverarbeitung für Statistiken sie die Plattform "ein wunderbarer Anlaufort für die einfache Suche nach Freizeitaktivitäten". Die Website ist ein Open-Data-Projekt, soll heißen, die Seite kann von jedem mit weiteren Daten gefüllt werden, falsche Angaben können herausgefiltert werden.

Info: Projektziel

Bevor es das Projekt Bäderleben gab, war laut Hochschule Koblenz unklar, wie viele Bäder welchen Bädertyps es wo gibt und wie sich die Bäderlandschaft in Deutschland entwickelt hat. Verschiedene Datenquellen, zum Beispiel der Bäderatlas der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, enthielten viele Informationen ohne, dass klar war, ob dabei alle Bäder berücksichtigt werden konnten.

Das Projekt "Bäder für Leistungs-, Wettkampf-, Schul- und Vereinssport: Schaffung valider empirischer Grundlagen für eine Stadt-, Regional- und Sportstättenentwicklung zur Verwirklichung gleichwertiger Lebensverhältnisse (Bäderleben)" hat demnach unter anderem folgende Ziele: Bereitstellung valider Daten zu den Bädern in Deutschland einschließlich wesentlicher Ausstattungsmerkmale, Bereitstellung eines interessentenbezogenen Informations- und Auswertungstools, Entwicklung und Erprobung einer Strategie zur aufwandsarmen Datenaktualisierung, Bereitstellung der verfügbaren Daten für Sportorganisationen, Bürger, Verwaltungen, Badbetreiber, politische Akteure und Wissenschaftler.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf den Seiten der Hochschule Koblenz unter www.hs-koblenz.de/bäderleben.