Dem Progymnasium Tailfingen droht das Ende. Schüler, Lehrer und Eltern wollen für den Verbleib der Schule kämpfen. Foto:  

Am Progymnasium Tailfingen formiert sich Widerstand gegen eine drohende Schulschließung. Lehrer, Eltern und Schüler wollen für den Verbleib der Schule in Tailfingen kämpfen.

Seit Mittwochabend sind die neuen Pläne der Stadtverwaltung für die Umstrukturierung der Bildungslandschaft öffentlich. Hauptleidtragende Schule wäre das Progymnasium Tailfingen, das an das Gymnasium Ebingen umziehen könnte und damit als eigenständige Schule höchstwahrscheinlich nicht weiter existieren würde. Eine Doppelstruktur an Schulverwaltungen in einem Gebäude – wenn auch mit Anbau – würden von den Schulaufsichtsbehörden wohl kaum genehmigt werden.

 

Am Progymnasium Tailfingen jedenfalls formiert sich Widerstand gegen die Neukonzeption. Diese ist noch keineswegs beschlossene Sache, müsste doch zuerst der Gemeinderat einen Beschluss fassen und anschließend das Regierungspräsidium Tübingen sowie das Kultusministerium zustimmen. Daher sagt Stephan Maulbetsch, Schulleiter am Progymnasium Tailfingen, im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Stimmung in der Schule ist gedrückt, aber nicht hoffnungslos.“

„Ganz schlechtes Signal“

Die Schulleitungen der von der Umstrukturierung betroffenen Schulen seien bereits vorige Woche über die neuen Pläne informiert worden. Für Maulbetsch kamen die Nachrichten „wie aus heiterem Himmel“. Anschließend sei das Kollegium informiert worden, ehe noch die Stadt in größerer Runde die Betroffenen am Mittwochabend bei einer nicht-öffentlichen Veranstaltung in die Neukonzeption einführte.

Bei jener Veranstaltung, so Maulbetsch weiter, haben die Vertreter des PGT versucht zu verdeutlichen, was es für die Stadt bedeuten würde, eine Schule zu schließen. „Für die Stadt wäre es ein ganz schlechtes Signal. Wir sind überzeugt, dass zwei kleinere Einheiten bessere Arbeit für die Schüler leisten könnten, als ein zentrales Gymnasium in Ebingen.“ Auch seiner Meinung nach sei es unwahrscheinlich, dass das PGT als eigenständige Schule in Ebingen weiterbestehen könnte. Dafür wäre zumindest ein eigenes Gebäude nötig.

Bewusste Entscheidung für PGT

Maulbetsch weiter: „Ein Drittel der Gymnasiasten in Tailfingen entscheiden sich bewusst für das PGT. Wir brauchen auch künftig eine Wahlmöglichkeit“, führt der Schulleiter seine Meinung weiter aus. Sein Haus sei durchaus bereit, Kompromisse einzugehen. „Es ist nicht das Gebäude, das eine Schule ausmacht, es sind die Menschen.“ An den frisch sanierten Räumen am Lammerberg hänge die Schule nicht, auch wenn die aus Sicht von Stephan Maulbetsch gute Zusammenarbeit mit der Realschule dann auseinandergerissen würde. „Wir hoffen für ganz Albstadt, dass wir gehört werden. Es geht auch um die Attraktivität der Stadt.“

Den Worten von Maulbetsch werden offenbar auch Taten folgen. Wie Richard Steinhilber, Fördervereinsvorsitzender des PGT und ehemaliger Konrektor unserer Redaktion sagt, seien verschiedene Maßnahmen in Vorbereitung, um für den Verbleib der Schule in Tailfingen zu kämpfen. Gearbeitet wird an einem offenen Brief, dazu ist eine Unterschriftenaktion geplant, für welche örtliche Firmen, Vereine, Ärzte und Co. angeschrieben werden sollen. Nicht zuletzt soll eine Petition gestartet werden; die Schülermitverantwortung (SMV) will zudem auf einem noch einzurichtenden Instagram-Kanal für das PGT werben. Die Elternbeiratsvorsitzende wolle zudem das Gespräch mit dem RP suchen. „Wir kämpfen bis zuletzt und wollen auch Alternativen zum jetzt vorgestellten Konzept erarbeiten“, kündigt Richard Steinhilber an.

PGT-Schüler enttäuscht

Seiner Ansicht nach werden die jüngst vorgestellten Pläne der Verwaltung nicht aufgehen. Rund 500 Realschüler und zusätzlich circa 200 Schillerschüler seien im Gebäude des PGT ohne kostspielige Um- und Anbauten nicht unterzubringen. Statt günstiger, kämen die neuen Pläne die Verwaltung teurer zu stehen, als wie wenn einfach die Realschule neu gebaut würde, so Steinhilbers Meinung weiter. Durch den Verzicht auf die Realschule sollen rund 27 Millionen anderweitig in die Sport- und Bildungsinfrastruktur in Albstadt investiert werden.

Die Schüler des Progymnasiums sind im Rahmen einer Schulvollversammlung über die neuen Entwicklungen unterrichtet worden. Einige Schüler seien entsetzt, die Enttäuschung sei groß, schildert der Fördervereinsvorsitzende seine Eindrücke. Selbiges gelte für die umliegenden Vereine. Die Befürchtung: Wenn sich der Schulstandort nach Ebingen verlagert, leide darunter auch das gesellschaftliche Leben im Talgang.