Schon 2012 musste Daimler-Chef Dieter Zetsche (Foto) die Ziele des Autobauers kappen - nun könnte dem Dax-Konzern erneut eine Gewinnwarnung drohen. Auf der Hauptversammlung in Berlin versah Zetsche die aktuelle Prognose zumindest mit einem Fragezeichen. Foto: dpa/AP

Gekappte Ziele, Personalgeschiebe und Knatsch um den Vertrag von Konzernchef Zetsche: Der Autobauer Daimler sorgte zuletzt vor allem mit schlechten Nachrichten für Schlagzeilen. Kommt jetzt die nächste Gewinnwarnung?  

Berlin - Bei Daimler herrscht Murmeltier-Alarm. Keine sieben Monate ist es her, da musste Konzernchef Dieter Zetsche für 2012 einen Gewinnrückgang einräumen. Nun könnte es schon wieder soweit sein, denn auch in diesem Jahr laufen die Geschäfte vor allem wegen der Absatzkrise in Europa bislang nicht so wie erhofft: „Deshalb werden wir überprüfen, ob unsere bisherigen marktbezogenen Annahmen für 2013 noch Gültigkeit haben“, sagte er am Mittwoch vor 4300 Aktionären auf der Hauptversammlung in Berlin. Schon in zwei Wochen will Daimler Klarheit schaffen, ob die ohnehin vorsichtige Prognose zu halten ist.

Eine Gewinnwarnung wäre nicht die erste Hiobsbotschaft in diesem Jahr - zuletzt wartete Daimler monatlich mit schlechten Nachrichten auf. Im Januar kündigte Zetsche nach 2012 ein zweites „Übergangsjahr“ an, Anfang Februar räumte er schrumpfende Gewinne in der Pkw-Sparte für 2013 ein. Da sollte immerhin der Konzerngewinn noch stabil bleiben. Damals galt es allerdings auch als ausgemachte Sache, dass der Aufsichtsrat Zetsches Vertrag um fünf Jahre verlängern würde.

Doch der Monat war noch nicht zu Ende, da gab es neues Feuer unterm Dach: Der Aufsichtsrat war über den Topmanager tief gespalten, die Arbeitnehmerseite wollte Zetsche komplett auflaufen lassen und ihm keinen neuen Kontrakt geben. Am Ende einigte sich das Gremium auf einen Dreijahresvertrag - verbunden mit einer überraschenden Personalrochade zwischen den Lkw- und Produktionsvorständen Andreas Renschler und Wolfgang Bernhard.

Aktionäre sehen darin einen faulen Kompromiss und sparten bei der Hauptversammlung nicht mit Kritik an den Aufsehern. „Wie kann sich der Aufsichtsrat in dieser kritischen Phase auf so einen Kuhhandel einlassen?“, fragte Marco Scherer von DWS Investment.

Aufsichtsratschef Manfred Bischoff verteidigt den Postentausch

Aufsichtsratschef Manfred Bischoff verteidigte den Postentausch: Er selber habe den Wechsel vorgeschlagen, damit die beiden Manager ihre Kompetenz auch in anderen Bereichen einbringen und ausbauen könnten. Ein falscher Schritt, kritisierte Scherer: „Fest steht, auf dem Weg zurück an die Spitze des Automobilbaus kostet diese fragwürdige Personalie Zeit. Und Zeit hat Daimler nicht!“

Denn bei der Aufholjagd auf die Oberklasse-Konkurrenz von BMW und Audi kommt Daimler nicht vom Fleck. Die Rendite, mit der Konzerne ihre Profitabilität vergleichen, hängt hinterher. Das Ziel von zehn Prozent Marge in der Pkw-Sparte ist auf später verschoben. „Einen Zeitpunkt nennen wir nicht“, sagte Finanzvorstand Bodo Uebber. Zum Ärger der Anteilseigner, die Ergebnisse sehen wollen: „Wir brauchen kein Ankündigungsmanagement“, sagte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Derzeit drückt der Schuh vor allem in Europa: Dort liefen sowohl das Pkw-Geschäft als auch die Lastwagen-Verkäufe zum Jahresstart schlechter als erwartet. Und weil die Stuttgarter keine Anzeichen für eine Trendwende sehen, müssen sie ihre Gewinnprognosen neu durchrechnen. Aber auch in China fährt Daimler den eigenen Ansprüchen hinterher: Dort schrumpfte der Absatz in den ersten drei Monaten um fast zwölf Prozent - während die Konkurrenz aus Bayern satte Zuwächse verbuchte.

Doch die Versäumnisse sehen die Aktionäre keineswegs nur beim Vorstand - immer mehr rückt der Aufsichtsrat ins Zentrum der Kritik. „Anstatt Stärke und Geschlossenheit zu demonstrieren und dafür zu sorgen, dass das Management die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens vorantreiben und die erforderlichen Maßnahmen zügig umsetzen kann, toben hinter den Kulissen erbitterte Machtkämpfe“, schimpfte Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment.

Auch die Zusammensetzung des Gremiums ist den Anteilseignern ein Dorn im Auge. „Eine gesunde Prise mehr automobile Kompetenz würde dem Aufsichtsrat sicher besser zu Gesicht stehen als eine kosmetische Erhöhung der Frauenquote“, sagte DWS-Mann Scherer in Anspielung auf die frühere Avon-Chefin Andrea Jung. Sie sollte am Mittwoch in das Kontrollgremium gewählt werden.

Chef-Aufseher Bischoff aber hält große Stücke auf die Neue, die unter anderem be Apple und General Electric im Verwaltungsrat sitzt. Sie habe unter anderem große Erfahrung in Sachen Vertrieb und Marketing, sagte er. „Das sind auch für uns durchaus relevante Themen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: