Der Forstdirektor Hermann Schmidt mit einem Ahornblatt. Das Symbol des großen Landes Kanada könnte für das kleine Burladingen zum Hoffnungszeichen werden. Es wird wohl 2021 wieder einen Gewinn aus dem Stadtwald geben. Foto: Rapthel-Kieser

Natur: Der Leiter des Forstamts Hermann Schmidt über Handelskriege, Holzpreise, Lieferketten und fehlende Schiffscontainer

"Die Lieferketten sind gerissen", sagt Hermann Schmidt, Leiter des staatlichen Forstamts. Dass die globalen ökonomischen Corona-Verwerfungen die Stadt Burladingen mit ihren rund 4520 Hektar Wald gar nicht so schlecht dastehen lassen, erläutert er in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Burladingen. Dass die Großmächte und Global Player wie Kanada, China und die USA einen Handelskrieg vom Holzlattenzaun gebrochen haben, könne sich für das kleine Burladingen sogar ganz günstig auswirken, schätzt der Herr der Wälder. Denn Schmidt hat die Holzpreise ganz scharf im Blick. Und während Handwerker sich beklagen, dass sie Material nicht mehr herkriegen, können sich Waldbesitzer und Sägewerksbetreiber ins Fäustchen lachen. Weil die Holzpreise gestiegen sind.

Schließlich ist Holz in der Baubranche ein wichtiges Material. Anschaulich wird das am Preis für den Festmeter Fichte. Von diesem Baum, der oft Burladingens "Brotbaum" genannt wird, lag der Preis für den Festmeter Holz vorher bei 65 Euro. Jetzt müssen 100 Euro dafür berappt werden. Der Fehlastadt kann’s recht sein.

Schmidt erinnert daran, dass der Burladinger Waldhaushalt im Jahr 2020 rote Zahlen schrieb. Es gab einen 200 000-Euro-Abmangel. "Ein fettes Minus", kommentiert der Forstdirektor. Denn sowohl die Stadtverwaltung als auch der Gemeinderat waren viele Jahre ge- und geradezu verwöhnt, dass der Wald ihr "Schätzkästlein" ist und in fetten Jahren schon Mal eine halbe Million in die Stadtkasse spült. 2020 war das anders.

Auch weil viele Waldbesitzer wegen Sturmschäden und Borkenkäfer viel Schadholz auf den Holzmarkt brachten. 70 Millionen Kubikmeter allein an Schadholz seien es im Jahr 2019 in Deutschland gewesen, wartet der Forstdirektor mit Zahlen auf. Burladingen blieb vorsichtig. "Die stehen da wohl", kommentiert Schmidt und zeigt auf gesunde, hohe Bäume im Burladinger Stadtwald. Er plädierte seinerzeit dafür, nur das Nötigste zu fällen und später zu verkaufen, wenn der Markt sich erholen sollte.

Hermann Schmidt hat im Waldhaushalt für das laufende Jahr, den er ja im Voraus kalkulieren muss, und vorsichtig wie er ist, wieder einen Abmangel einkalkuliert.

Sogar auf den Schiffsunfall im Suez-Kanal reagiert der Holzmarkt

Und dann passiert es: Wegen eines Schiffsunfalls ist der Suez-Kanal verstopft, weltweit sind keine Schiffscontainer zu bekommen, der Markt reagiert prompt.

Die Holzpreise steigen. Auch wegen der internationalen Handelskriege. "Die USA hauen 20 Prozent Zoll drauf", kommentiert Schmidt salopp, auch auf Holz, dass aus dem Nachbarland Kanada kommt. Und das Konjunkturprogramm von Präsident Joe Biden löst einen Bauboom aus und lässt die Preise und den Dollar, der ja auch eine wichtige Handelswährung ist, sich ebenfalls nach oben bewegen.

In Kanada ist der Ahorn der Brotbaum. Ahornsirup wird auf Waffeln und Gebäck verwendet, und das Ahornblatt, das "Meaple Leaf", ziert sogar in roter Farbe auf weißem Grund die Nationalflagge des zwischen Pazifik und Atlantik angesiedelten Riesenstaats. "Die großen europäischen Sägewerke haben ihre Chance genutzt und schippern deshalb jetzt alles rüber nach Asien", sagt Schmidt.

Und er? Er schlägt jetzt zu. Oder besser gesagt, lässt Holz einschlagen. 12 000 bis 14 000 Festmeter sollen es im Jahr 2021 im Burladinger Stadtwald sein. Rund 4000 Festmeter waren schon gefällt, ab August kamen weitere 4000 Festmeter mit den eigenen Forst- und Waldmitarbeitern hinzu. Und etwa 4000 Festmeter werden mit Hilfe von Unternehmern und durch große Maschinen eingeschlagen.

Dass es beim Abmangel im städtischen Waldhaushalt bleibt, das glaubt der Forstamtsleiter Schmidt deshalb eher nicht mehr und wedelt frohgemut und optimistisch mit einem Ahornblatt. Diesen Baum gibt es in den Burladinger Wäldern nämlich auch – wenn auch deutlich seltener als in Kanada.