Die Schüler der Klasse 9 im Profilfach Bildende Kunst an der Zellerschule bei der Arbeit. Ihre Werke sind von April bis Juni in der Stadtbibliothek ausgestellt. Foto: Aleksandar Mitrevski

Ob Romantik, Expressionismus oder Impressionismus: Bereits dreimal haben neunte Klassen der Zellerschule ihre Kunstwerke in einer Ausstellung präsentiert. In diesem Jahr ist das Thema Jugendstil an der Reihe, ausgestellt in der Stadtbibliothek. Noch feilen die Schüler an ihren Leinwänden. Ein Besuch im Klassenzimmer.

Hoch konzentriert arbeiten die rund zehn Schülerinnen und Schüler des Profilfachs Bildende Kunst der Zellerschule an ihren Kunstwerken. Allzu lange haben sie nicht mehr Zeit, denn zum 7. April sollen ihre Werke für über zwei Monate in der Stadtbibliothek ausgestellt werden. Den Endspurt brauchen die Neuntklässler.

 

Seit fast vier Jahren haben die Ausstellungen nun Tradition, genau dann, als die Kunstlehrerin Birgit Steinert an die Schule kam. Damals sei sie irgendwie in die Sache reingestolpert, erzählt Steinert. Ein Profilfach? Zunächst habe sie sich nichts darunter vorstellen können. Nach einiger Zeit und einem Besuch im Steinhaus sei ihr klar geworden: „Hier muss eine Ausstellung her!“

Sie erinnert sich noch gut an die erste Ausstellung im Jahr 2022. Mit dem Steinhaus habe es zwar nicht geklappt, doch auch das Angebot der anderen Räumlichkeiten sei ihr fast schon eine Nummer zu groß gewesen. „Beim Anruf des Rathauses ist mir fast das Herz in die Hose gerutscht“, scherzt sie. Das Thema damals zur Ausstellung im Rathaus: Die Romantik. Über den Expressionismus und den Impressionismus sind die Schülerinnen und Schüler dieses Mal mit dem Jugendstil beschäftigt.

Beim Einarbeiten wird sich Zeit genommen

Wie geht Steinert an die Aufgabe ran? Die Schüler sollen nicht direkt in die Arbeit einsteigen, sagt sie, „bis wir an die Leinwand gehen haben wir eine lange Wegstrecke hinter uns.“ Jedes Jahr beginne mit einer Recherchearbeit, jeder Schüler packe sich dabei eine Epoche der Kunstgeschichte.

Danach entscheiden sie sich für ein gemeinsames Thema. Steinert halte sich dabei zurück. Die Schüler sollen sich eigenständig Motive für ihre Arbeit raussuchen, sich mit ihrer Auswahl wohlfühlen. Vor allem, weil sie über einen längeren Zeitraum daran arbeiten müssten. „Ich bin weit weg davon, den Kindern Vorgaben zu machen“, betont sie, „das bringt nur Druck und nimmt die Freude.“

In einem ersten Schritt hätten sich die Schüler an der Zeichnung von Menschen herangewagt, den Proportionen etwa, hier am Beispiel von Tänzerinnen. Danach sei es um die Merkmale des Jugendstils gegangen: Verspielte, florale Elemente oder auch die dunklen Farbtöne, viel braun oder dunkelgrün, beschreibt die Lehrerin. Und vor allem Gold. Schließlich mussten sich die Jugendlichen eine eigene Personendarstellung auswählen und skizzieren. „Direkt auf die Leinwand zu zeichnen, eine schwierige Nummer“, so Steinert, selbst für sie.

Projekt setzt auf Eigeninitiative der Schüler

Im letzten Schritt sind die Schüler noch mit den Leinwänden beschäftigt. Ihren Skizzen erwecken sie mit Acrylfarben, Filzstiften oder – collagenartig – mit goldenem Bastelpapier zum Leben. So wie Sofia zum Beispiel. Ihre Arbeit mit dem Titel „Goldene Träume“ steht kurz vor der Vollendung. Das Motiv – die Frau mit den wallenden roten Haaren – habe ihr besonders zugesagt.

Von der Farbgebung ihres Motivs, sie hat auf Amazon nach Jugendstil-Plakaten gesucht, will sie gar nicht zu sehr abweichen. Aber: Bei den Mustern im Kleid der Frau habe sie ihrer Kreativität freien lauf gelassen. Entspannt, und gleichzeitig sehr konzentriert, setzt sie noch einige letzte Feinschliffe mit dem Filzstift. „Seit meiner Kindheit macht es mir eigentlich Spaß zu malen“, erzählt die Neuntklässlerin.

Auch Rektor Ulrich Schubert ist zu Besuch in der Klasse. Über den Fortschritt bei den Gemälden zeigt er sich mehr als begeistert. Und über das Konzept auch. Er ist sich sicher: Die Ausstellung helfe den Kindern dabei, ein gewisses Selbstbewusstsein aufzubauen. „Wenn die Schüler auch etwas selbst in die Hand nehmen können, dann tun sich ganz neue Welten auf.“

Stadtbibliothek stellt aus

Ohne Jugend kein Stil
lautet der Titel der Ausstellung der diesjährigen Neuntklässler des Profilfachs Bildende Kunst an der Zellerschule. Ausdrucksstarke Darstellungen des menschlichen Körpers mit floralen Elementen und dekorativen Formen, angelehnt an die Epoche des Jugendstils seien Thema der Ausstellung, schreibt die Schule. Die Eröffnung findet am 7. April 2025 um 16:30 Uhr in der Stadtbibliothek Nagold, Marktstraße 60, statt. Die Bilder der Schüler hängen dort bis zum 28. Juni.