Der Lahrer Profisportler Vedat Deniz hat eine neue Rolle: Er ist seit rund zwei Wochen Vater einer Tochter. Am 11. Oktober will er in Leverkusen wieder in den Ring steigen.
Zeit ist relativ. Das wusste schon Albert Einstein und Vedat Deniz erfuhr es nun am eigenen Leib. „Die neun Monate waren für mich wie fünf Jahre“, sagt der 26-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion, wenn er an die Zeit der Schwangerschaft seiner Frau denkt. Denn diese bereitete beiden Sorgen. „Es war keine einfache Schwangerschaft. Sie hatte Schmerzen und ich habe diese mitgefühlt“, so der Lahrer Profiboxer, der im Weltergewicht in den Ring geht.
Am Ende ist allerdings alles gut gegangen. Seit rund zwei Wochen ist Melek Lema Deniz auf der Welt und der junge Boxer nun auch Vater. Deniz spürt besonders das Gefühl der Erleichterung, was sich für ihn auch sportlich positiv bemerkbar macht. „Ich bin jetzt viel freier im Training und habe keine Kopfschmerzen mehr“, freut sich der Lahrer. Viel Schlaf hat er allerdings auch nicht mehr. „Rund alle zwei Stunden sind wir wieder wach. Zwischen 5 und 6 Uhr fange ich dann auch schon mit dem Training an“, sagt Deniz. Er fängt besonders früh an, um dann auch früher fertig zu sein und seine Frau zu Hause wieder unterstützen zu können. „Ich will alles so schnell wie möglich machen, denn meine Frau Sare kümmert sich zu 90 Prozent um das Kind. Ich bin dafür da, dass sie auch mal schlafen kann und bin sehr glücklich über ihre Unterstützung“, so der Profisportler.
Mit dem Training auszusetzen kommt für Deniz nicht infrage, denn er hat einen wichtigen Kampf vor der Brust. Am 11. Oktober will er wieder in den Ring steigen. Der Gegner soll Jonny Sanchez sein, ein 38-Jähriger Venezolaner. Die Bilanz von Sanchez ist mit fünf Niederlagen bei 25 Kämpfen ausbaufähig, aber Deniz, selbst mit einer marklosen Bilanz von 16 Siegen in 16 Kämpfen gelistet, ist voll des Lobes für den Gegner. „Er ist ein sehr starker Boxer. Deshalb habe ich ihn auch aktiv herausgefordert“, erklärt der Lahrer.
Sponsor soll bei Flugkosten unterstützen
Als Herausforderer muss Deniz allerdings auch für die Kosten aufkommen, damit Sanchez nach Leverkusen – wo der Kampf steigen soll – fliegen kann. „Ich warte daher gerade noch auf das Okay von einem Sponsor, der mich dabei finanziell unterstützt. Da bin ich aber zuversichtlich“, so Deniz. Er fühlt sich bereit für das Duell. „Ich bin gerade in der Sparringsphase und mache Dehnübungen sowie Yoga. Ich bin gut erholt und vermisse den Wettkampf.“
Dass der Kampf in Leverkusen steigt, hängt mit dem Veranstalter zusammen. Die Universum Box-Promotion GmbH ist auf den 26-Jährigen Lahrer aufmerksam geworden. „Der Manager kam auf mich zu, ob ich nicht bei ihrer Boxnacht einspringen möchte. Dort waren zwei Kämpfe ausgefallen“, sagt Deniz. Er kann sich im Rheinland dann auf einer großen Bühne zeigen. „3000 Zuschauer werden erwartet. Vielleicht wird auch etwas von dem Kampf im lokalen Fernsehen zu sehen sein“, so der Boxer.
Für ihn geht es auch darum, Werbung für sauberen Boxsport zu machen. Denn Deniz hat einen kritischen Blick auf seine Branche. „Deutsches Boxen hat an Popularität verloren. Zudem gibt es leider viel Korruption, was sich zum Beispiel daran zeigt, dass dem ersichtlich schwächeren Boxer der Punktesieg zugesprochen wird“, bedauert der Vater.
Der Kampf soll Deniz in der Rangliste weiter nach oben bringen. Um den großen WM-Titel will der junge Boxer dann in seiner Heimatstadt kämpfen. „Nächstes Jahr will ich die WM nach Lahr holen. Das ist mein großer Traum.“ In Leverkusen werden Frau und Tochter den Vater nicht vor Ort unterstützen. „Die Stadt liegt nicht gerade um die Ecke. Da sollen sie sich lieber zu Hause ausruhen. In Zukunft sind sie sicher noch häufiger bei meinen Kämpfen direkt am Ring.“