So sieht das Modell für die Ewimed-Neubauten auf dem Nasswasen aus. Auf der rechten Seite ist unter anderem das EJL-Bürogebäude zu sehen. Die Baumreihe in der Mitte ist die aktuelle Landstraße. Links sieht man vorne das Ewimed-Lagergebäude, dahinter das dreistöckige Bürogebäude. Foto: Firma

Sie hilft todkranken Menschen, sichert Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Hechingen – und die Firma Ewimed will ihren Neubau am Nasswasen höher bauen, als dies der Bebauungsplan vorsieht. Der Bauausschuss fand das am Mittwoch in Ordnung.

Hechingen - Firmenchef Egon Wiest hat sich mit Ewimed im Jahr 2002 in Boll selbstständig gemacht. Was er in seiner Präsentation vor dem Hechinger Bauausschuss am Mittwoch vortrug, zeigt mal wieder die menschliche Dimension, die die Medizintechnik in Hechingen zu etwas Besonderem macht: Was hier hergestellt wird, rettet Leben oder trägt zumindest dazu bei, Krankheiten besser ertragen zu können.

Was Ewimed vertreibt sind spezielle Dränage-Katheter-Systeme, mit denen bei schwerst an Krebs erkrankten Menschen aus dem Brust- und Bauchraum Flüssigkeit abgesaugt werden kann. Das ermöglicht ein besseres Atmen, und zugleich ist es so möglich, dass die Patienten nicht lange im Krankenhaus bleiben müssen sondern zu Hause gepflegt werden können. Da viele von ihnen nur noch eine kurze Lebenserwartung haben, ein sehr wichtiger Aspekt.

Besonders an Ewimed: Die Kathetersysteme werden nicht einfach nur verkauft. In der Leistung inbegriffen ist die Schulung von Ärzten an diesen Geräten und ebenso die Betreuung der Patienten zu Hause. Das sind alleine in Deutschland 10 000 Kranke jährlich. Dafür beschäftigt die Firma hier 200 Mitarbeiter. Und längst ist Ewimed auch in Ländern wie Schweden, Österreich und der Schweiz präsent.

Mit diesen Produkten und diesem Service verzeichnet Ewimed hohe Wachstumsraten, so dass die bisherigen Betriebsgebäude im Stadtteil Boll zu klein werden. "Aber wir wollen auf jeden Fall in Hechingen bleiben", so Egon Wiest. Deshalb ist er froh, das ihm das Grundstück im Gewerbegebiet Nasswasen verkauft wurde.

Erstellt werden soll dort eine Lagerhalle, die sich an die Vorgaben des Bebauungsplans hält, und dazu ein Bürogebäude. Um auf dem relativ beschränkten Grundstück hier genügend Bürofläche schaffen zu können, wurde mit dem Hechinger Architekturbüro Sprenger ein dreistöckiges Gebäude entworfen, das allerdings zwölf Meter Höhe statt der eigentlich nur zulässigen acht Meter aufweist.

In der Sitzung legten Architekt und Planer viel Wert auf die Darstellung, wie das dann höhere Gebäude in der Landschaft zu sehen sein wird. Von Sickingen aus wird es tatsächlich zumindest vom Neubaugebiet Witzenhart aus sichtbar sein, die Horizontlinie und damit den Blick auf den Zoller aber wird es mit Abstand nicht erreichen.

In der Debatte im Bauausschuss war spürbar, dass die Gemeinderäte durchaus Respekte vor der besonderen Bedeutung der Medizintechnik haben, die eben nicht nur gute Steuereinnahmen für die Stadt generiert, sondern deren Produkte menschliches Leid in so hohem Maß verringern können.

Unvermeidlich für Hechingen klang zwar auch hier das Parkplatz-Thema an. Und Almut Petersen monierte, dass häufig Bebauungsplanfestlegungen später wieder abgeändert werden. "Warum machen wir uns dann die Mühe, diese Grundsätze aufzustellen", fragte sie. Fügte aber auch an, dass sie im konkreten Fall Ewimed der höheren Baulinie zustimmen wird. Am Ende fiel die Entscheidung einstimmig im Bauausschuss. Nächste Woche wird der Gemeinderat abstimmen, ob das Planänderungsverfahren weiter betrieben wird.