Fair produzierter Kaffee wird bereit im OB-Büro und bei Gremiensitzungen des Gemeinderates ausgeschenkt. Foto: weyo - stock.adobe.com

Die Stadt VS will „Fair Trade Town“ werden. Ein Antrag dazu erhält im Gemeinderat eine Mehrheit. Diese Kriterien müssen erfüllt sein.

Eingebracht hatten den Antrag die Grünen- und die SPD-Fraktion. In der Begründung heißt es, dass in Villingen-Schwenningen sich bereits „zahlreiche Einzelpersonen, kirchliche Gruppen, Vereine und Welt-Läden für einen fairen Handel engagieren“. Damit trügen sie zur Unterstützung armer Länder auf der südlichen Weltkugel bei. Mit der Bewerbung um den Titel „Fair Trade Town“ würdige die Stadt dieses Engagement. Darüber hinaus erhofft man sich, neue Partner und mehr Bürgerinnen und Bürger für den Fairen Handel „und die Idee einer gerechteren Welt“ zu gewinnen.

 

In der Sitzung hatte sich zuvor ein Schüler der St.-Ursula-Schulen gemeldet zum Thema, da es dort einen Fair-Trade-Laden gibt. „Die Pfadfinder haben einen Vorstoß in diese Richtung gemacht, der allerdings im Sande verlief. Deswegen waren sie bei uns in der Fraktion, und wir haben das aufgegriffen“, berichtete Ulrike Merkle (Grüne) auf Anfrage der Redaktion. Im Rahmen der Nachhaltigkeitswochen fanden sich verschiedene Akteure zu diesem Thema und warben dafür bei Fraktionen des Gemeinderates. Kürzlich kam es über den Antrag auf die Agenda des Gemeinderates – und wurde positiv entschieden mit 22 Ja- und elf Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen.

Damit ist eines der Kriterien erfüllt. Außerdem müssen bei den Ausschüssen und des Rates sowie im Oberbürgermeisterbüro Fair-Trade-Kaffee sowie ein weiteres Fair-Trade-Produkt verwendet werden. Es wird eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, die auf dem Weg zur „Fair Trade Town“ die Aktivitäten vor Ort koordiniert. In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus Fairem Handel angeboten und in Cafés und Restaurants verkauft beziehungsweise ausgeschenkt.

18 Geschäfte und neun Gastrobetriebe

Die Zahl der hierfür beteiligten Verkaufsstellen richtet sich nach der Einwohnerzahl. Für Villingen-Schwenningen mit rund 89 000 Einwohnerinnen und Einwohner hieße das 18 Einzelhandelsgeschäfte (dazu zählen auch Supermärkte) und neun Gastronomiebetriebe. In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fair-Trade-Produkte verwendet, und es gibt dort Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“. Für Villingen-Schwenningen bedeutet dies, dass mindestens eine Schule, ein Verein und eine Kirche-/Glaubensgemeinde teilnimmt.

So sieht’s aktuell aus

Im Bericht der Verwaltung zum Status quo heißt es, dass im Büro des Oberbürgermeisters bereits Fair-Trade-Kaffee angeboten wird, genauso wie zu den Sitzungen des Gemeinderates und seiner Gremien, die in den Veranstaltungshäusern der WIR GmbH stattfinden, also beispielsweise der Neckarhalle und der Neuen Tonhalle. Die angebotenen Teesorten seien ebenfalls zertifiziert oder mit Biosiegeln ausgestattet. Das gelte auch für einige Kaltgetränke. Die Umstellung des gesamten Angebotes auf Fair-Trade-Produkte wird mit Blick auf Cateringpartner als Herausforderung gewertet. Bei den städtischen Schulen werde aktuell bei der Mittagsverpflegung das Kriterium im Sinne der Fair-Trade-Kampagne nicht erfüllt. Würden solche Produkte verwendet, so die Einschätzung, verteuere sich der Essenspreis.

Info

Aktuell
gibt es laut der Homepage der Kampagne 931 „Fair Trade Towns“ in Deutschland. Im Schwarzwald-Baar-Kreis sind beispielsweise Städte wie St. Georgen, Donaueschingen, Bad Dürrheim oder Hüfingen dabei.