Die Vorbereitungen für das diesjährige Burladinger Fasnetsspiel sind auf der Zielgeraden: Ein Besuch bei der Spielprobe gibt Einblicke in das komplexe Narrenspiel.
Gut bei Stimme, Spaß am Spielen und männlich: Das zeichnet einen Burladinger Fasnetsspieler aus. Gespielt wird am Samstag, 15. Februar, ab 15 Uhr vor der Zunftstube in der Josengasse.
Eine gute Stimme brauchen die Darsteller, denn das Fasnetsspiel findet traditionell im Freien statt. Spaß am Spielen braucht es, damit die Aufführung gelingt. Und männlich müssen die Mimen sein, auch in den Frauenrollen, das ist Tradition und war schon zu Beginn der Fasnetsspiele so, deren Aufführung erstmals um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert belegt ist.
Nach den Sommerferien geht es los
Man darf also gespannt sein auf das Stück „Aloi dahoim“, im Original „Sturmfrei“ von Regina Harlander, das heuer in Burladingen zwei Wochen vor der Fasnet natürlich in der schwäbischen Version und mit Bezug auf Burladinger Originale aufgeführt wird.
Und das wie alle Fasnetsspiele in den Vorjahren einen langen zeitlichen Vorlauf hat. Gleich nach den Sommerferien in jedem Jahr wird aus etwa sechs bis sieben Stücken eines für das Fasnetsspiel in der darauffolgenden Fasnet ausgewählt. Nachdem die Texte gelernt sind, wird geprobt, mehr als ein Vierteljahr, so etwa 15 Probenabende kommen da schon zusammen.
Das Fasnetsspiel ist Teamarbeit von Anfang bis zur Aufführung: Die Stücke werden gemeinsam ausgewählt, die Rollenverteilung ergibt sich spontan beim Lesen der Texte, die Regie wird gemeinsam geführt. Bei der Rollenverteilung gibt es eine kleine Ausnahme: Wer beim gemeinsamen Termin nicht da ist, „der kriegt die Frauenrolle“.
Initiator war Hubert „Hubbe“ Pfister
Bei alledem braucht es jemanden, der koordiniert und die Fäden zusammenhält: Diese Rolle hat neben seiner Rolle im Stück Hubert „Hubbe“ Pfister, auf dessen Initiative die Tradition des Fasnetsspiels im Jahr 2006 wiederbelebt wurde. Dieses Jahr könnte man also die 20. Aufführung seit Wiederbelebung feiern, wenn da nicht Corona gewesen wäre. Gefragt, ob die Zeit für die Vorbereitung und die Proben nicht arg lang sei, antwortet Hubbe spontan: „Lang ist eher die Zeit vom Fasnetsspiel bis zu dem Zeitpunkt, an dem es wieder losgeht.“
Schon bei den Proben ist es immer lustig
Bei den elf Darstellern handelt es sich um „alte Hasen“, die schon lange miteinander spielen und die seit Anfang an sichtlich Freude am Spiel und an den Proben haben: „Zu den Proben gehe ich so gerne, da ist es immer so lustig“, bekennt Johannes Holzer freimütig. Aber es ist keine geschlossene Gesellschaft, die Truppe ist offen für – Tradition verpflichtet – männlichen Nachwuchs. Und man muss auch kein „Ur-Burladinger“ sein.
Das Fasnetsspiel selbst ist ein Teil eines ganzen Tages. Schon morgens ziehen die „Hauzgelader“ für Nichtschwaben: „Hochzeitslader“ gemeinsam mit den Kassenbuben und den Musikanten durch die Burladinger Straßen und laden zum Fasnetsspiel ein. 15 Gruppen – um die 200 Personen - werden es dieses Jahr sein, so viele wie sonst nie. Unter den Kassenbuben finden sich Parlamentsabgeordnete, der Bürgermeister, Verbandsvertreter wie der Ringpräsident der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte und – ein Novum – gleich drei Geistliche: Pfarrer Klaus Käfer von der katholischen und Pfarrer Christian Schmitt von der evangelischen Kirchengemeinde und Christoph Naser, Pfarrvikar aus Tübingen und CDU-Kandidat für den hiesigen Wahlkreis.
Stadtteile sind komplett vertreten
Komplett vertreten sein werden die Burladinger Stadtteile: Alle Lumpenkapellen kommen an diesem Tag anlässlich des Fasnetsspiels zusammen. Das Fasnetsspiel selbst wird um 15 Uhr in der Josengasse vor der Zunftsstube der Nautle aufgeführt, nach althergebrachtem Brauch vom Wagen herab.
Und wenn die Besucherinnen und Besucher dann noch „im alten Häs“ kommen, wird die Tradition ein Stück weit lebendiger. Die Erfahrungen aus den Vorjahren zeigen, dass auch viele ehemalige Burladinger von auswärts eigens zum Fasnetsspiel anreisen und dabei, so die Vermutung der Fasnetsspielmacher, „in Erinnerungen schwelgen“. „Alle haben Spaß und Freude“, betont Johannes Leibold, und: „Das Fasnetsspiel ist generationenübergreifend“.