Reichlich Tipps gab es für die jungen Schauspieler bei den Proben in Hornberg. Foto: Boller

Bereits seit drei Monaten bereiten sich die 50 Schauspieler der Freiluftbühne für die Sommeraufführung von „Die Schatzinsel" vor. Wie in den Jahren zuvor werden die Hornberger bei den Proben von einem etablierten Regisseur aus Osnabrück unterstützt.

„Klarmachen zum Entern“, krächzt es durch das Rund der Hornberger Freilichtbühne. Die Papageienpuppe schnappt sich die vermeintliche Schatzkarte aus den Händen der Hauptfigur Jemima Hawkins und fliegt davon.

 

Levi Berger aus Gutach und Maximilan Finke aus Hornberg, beide 14 Jahre alt, bilden die Doppelbesetzung von Käpt’n Flint, dem 200 Jahre alten Papagei von Steuermannsmaat Long John Silver aus dem Piratenroman „Die Schatzinsel“ des schottischen Autors Robert Louis Stevenson. Die beiden Jungschauspieler proben intensiv für die Uraufführung der Theateradaption, die von den Autoren Jan Radermacher und Timo Riegelsberger für die Freilichtbühne als Familienmusical geschrieben wurde und Ende Juni uraufgeführt werden soll. Für die Rolle des Papageien hat der Figurenbauer Norman Schneider extra für die Hornberger eine Handpuppe gefertigt – weil es aber nur eine davon gibt, ist bei den Proben zusätzlich eine Attrappe am Start.

Bei jedem Durchlauf fällt dem Szenograph Lars Linnhoff eine neue Kleinigkeit auf, die er korrigiert, hinzugefügt oder weggelassen haben möchte. Geduldig versuchen Maximilian und Levi, jede neue Anweisung in ihr Schauspiel zu integrieren. Am Ende des Abends werden sie für einige wenige Szenenabfolgen eineinhalb Stunden gebraucht haben.

Lars Linnhoff behandelt Amateure und Profis gleich

Linnhoff weiß, dass er den Laiendarstellern der Hornberger Freilichtbühne mitunter einiges abverlangt. Gleichzeitig wolle er die Arbeit von Laien und Profis grundsätzlich gleich bewerten und handhaben, betont er im Gespräch mit der Redaktion. Alles andere sei falsche Rücksichtnahme und helfe den Schauspielern nicht weiter: „Deshalb gibt es keinen Bonus für Amateure“, sagt Linhoff. Unterschiede gebe es natürlich trotzdem. Professionelle Schauspieler seien geübter darin, Regieanweisungen unmittelbar umzusetzen. Und dass die Hornberger Schauspieler in Lohn und Brot stehen oder zur Schule gehen und deswegen bei den abendlichen Proben entsprechend müde sind, müsse er natürlich berücksichtigen.Irgendwann sei die Aufnahmekapazität auch mal überschritten: „Nach den drei Tagen mit mir sind sie schon kaputt. Dann wissen sie auch, was sie geleistet haben.“

Das Niveau der schauspielerischen Leistungen der Freiluftbühnen-Schauspieler sei aber bemerkenswert hoch, sagt der 38-Jährige. Zu Beginn seiner Zeit sei er sehr überrascht gewesen, wieviel intuitives Know-How die Hornberger mitgebracht hätten.

Linnhoff gehört nicht zum festen Ensemble des Hornberger Freilufttheatres. Er ist gelernter Theaterregisseur und Szenograf und arbeitet freischaffend. Neben Engagements bei Theatern im gesamten Bundesgebiet bietet er auch Workshops an. So kommt Linnhoff seit mittlerweile sechs Jahren mindestens einmal im Jahr nach Hornberg, um für einige Tage szenische oder dramaturgische Schützenhilfe zu leisten. Der Kontakt kam durch den Hornberger Regisseur Marvin Polomski zustande, der auch „Die Schatzinsel“ inszeniert. Mittlerweile ist Linnhoff in Hornberg eine gern gesehene Abwechslung im Probenalltag, wie Polomski verrät.

Der Profiregisseur fühlt sich längst als Teil der Hornberger Theaterfamilie

Die Grundidee hinter dem Engagement sei, dass er mit einem professionellen Blick von außen einzelne Szenen anders bewerten könne. Seine szenischen Anweisungen versteht er aber vor allem als Angebote.: „Ich sage den Leuten immer, dass sie im Endeffekt nichts von dem, was ich anbiete, umsetzen müssen.

Ich mache ihnen den Vorschlag, etwas auszuprobieren und wenn sie hinterher alles wieder verwerfen, passt das für mich auch.“ Allerdings habe er die Erfahrung gemacht, dass die Hornberger einen Großteil seiner Ideen in der Vergangenheit sehr zu schätzen wussten.

Linnhoff fühlt sich sehr geschätzt und akzeptiert bei den Hornberger Theaterleuten und sehr wohl im Schwarzwald: „Für mich selber ist das hier wie bezahlter Urlaub.“

Zwölf Aufführungen

Die Freilichtbühne Hornberg führt das Stück „Die Schatzinsel“ zwischen dem 28. Juni und dem 26. Juli zwölfmal auf. Termine und Tickets gibt es online auf der Homepage der Freilichtbühne unter freilichtbuehne-hornberg.de. Tickets gibt es noch zu allen Aufführungen, erfahrungsgemäß wird das nicht so bleiben.