Rund 200 Gäste lauschten den Rednern. Foto: Vithusan Vijayakumar

Großes Interesse herrschte an der Pro Gäubahn Podiumsdiskussion in Singen. Hier gab es auch so manchen neuen Gedanken.

Im Zuge des Baus von Stuttgart 21 plant die Deutsche Bahn AG die Gäubahn Stuttgart – Rottweil – Singen – (Zürich) im Mai 2026 abzuhängen. 1,4 Millionen Menschen im Einzugsgebiet der Gäubahn würden dann ihren direkten Anschluss an den Stuttgarter Hauptbahnhof verlieren.

Um diesen verkehrspolitischen Skandal zu thematisieren, organisierte die Pro Gäubahn-Gruppe Singen um Nikolas Bauer in Kooperation mit der Stadt Singen eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion, die am Sonntag im Singener Kulturzentrum GEMS stattfand. Dafür konnten sie den ehemaligen Konzernchef der Schweizer Bundesbahnen (SBB), Benedikt Weibel, den Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sowie die bahn- und verkehrspolitischen Sprecher der drei größten Bundestagsparteien gewinnen. Für die SPD-Bundestagsfraktion nahm Isabel Cademartori, für die CDU/CSU Michael Donth und für Bündnis 90/Die Grünen Mathias Gastel auf dem Podium Platz.

Insgesamt nahmen daran 200 interessierte Bürger teil, darunter auch der Singener Oberbürgermeister Bernd Häusler (CDU), der die Singener Pro Gäubahn-Initiative maßgeblich unterstützt hatte.

Oberirdische Führung ist ideal

Zwar sahen alle Podiumsteilnehmer die aktuelle oberirdische Führung zum Stuttgarter Kopfbahnhof als die ideale Lösung an, dennoch wollten nicht alle die Bahn AG bei ihren Plänen stoppen, die Gäubahn ab 2026 abzuhängen. Einvernehmlich verurteilten alle Diskutanten die kompromisslose Verweigerungshaltung der Landeshauptstadt Stuttgart, die eine Kombi-Lösung mit parallelem ober- und unterirdischem Betrieb erschwert. Nur diese Lösung würde aber die Gäubahn als kürzeste Direktverbindung aus der Schweiz, dem Bodenseeraum, Tuttlingen, Rottweil, Horb, dem Schwarzwald und dem Gäu nach Stuttgart erhalten.

Nach Einschätzung von Ex-SBB-Chef Weibel ist die derzeit diskutierte Alternative zur oberirdischen Führung, der sogenannte Pfaffensteigtunnel, schlicht unfinanzierbar. Hier sollte sich die Politik sich realistische Ziele wie die Sanierung der oberirdischen Bestandsstrecke zum Kopfbahnhof setzen.

Droht der Zusammenbruch?

Der DUH-Bundesgeschäftsführer führte einen besonders interessanten Gedanken aus: Nur der Weiterbestand der Gäubahn bis nach Stuttgart Hbf (oben) kann Stuttgart 21 überhaupt noch funktionstüchtig machen. Denn ohne die Kapazitäten des oberirdischen Kopfbahnhofs würde der Verkehr im S21-Tiefbahnhof wegen Überlastung zusammenbrechen.

Das Pro Gäubahn Landesbündnis tritt für einen unterbrechungsfreien Betrieb der Gäubahn bis Stuttgart Hbf (oben) und für die Realisierung des Kombi-Bahnhofbetriebs ein, wie diesen schon Heiner Geißler (CDU) vorgeschlagen hatte.

Pro Gäubahn will indes mit weiteren Aktionen auf die geplante Abhängung der Gäubahn aufmerksam machen. Am Sonntag, 30. Juni, sind Sonderfahrten mit dem Schienenbus Roter Flitzer auf der Gäubahn zwischen Stuttgart Hbf und Stuttgart-Vaihingen vorgesehen. Das Gäubahnkomitee Stuttgart wird dabei über die geplante Abhängung und Teildemontage der Strecke informieren.

Infos:https://pro-gaeubahn.de