Trennung, Schwangerschaft und Probleme in der Beziehung können zu Streiterein und Verunsicherung führen. Pro familia kümmert sich Tag täglich um diese Menschen. Der neue Leiter Sebastian Schoch und seine Stellvertreterin Christina Knöbel sprechen über die aktuelle Lage.
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1216 Beratungsgespräche geführt. Ausgelastet ist die Beratungsstelle in Villingen am Klosterring allemal. Unterschiedlichste Menschen in schwierigen Lebenslagen suchen bei pro familia Hilfe. Dabei stehen auf der Tagesordnung der Berater Trennungs, Schwangerschafts und Paarberatungen sowie das Thema Kindergeld und Elternzeit.
Besonders stolz waren Sebastian Schoch, neuer Leiter seit April, und seine Stellvertreterin Christina Knöbel aber auf das Schwarzwald-Baar-Modell. Dieses wird in Kooperation mit Anwälten, Richtern und dem Jugendamt geführt. Hierbei werden hochstrittige Scheidungsfälle einer Beratungsstelle zugewiesen, um eine friedliche Lösung für das Wohle der Kinder zu finden ohne eine richterliche Entscheidung.
Um diese Umgangsregelung zu finden, arbeiten die Berater meist zu zweit, da es in diesen besonderen Fällen meist hoch emotional sei. Etwa zwei Drittel der Fälle schafft eine Einigung. Im vergangen Jahr gab es etwa 30 hochstrittige Fälle.
Einzigartiges Programm in Umgebung
Dieses Programm sei in der Umgebung einzigartig, erklären die beiden. Zum Beispiel in Rottweil oder Tuttlingen gibt es solch eine Möglichkeit auf friedliche Schlichtung nicht. Die Richter seien über diese Option auch froh, da sie nicht über das Kindeswohl und die weitere Situation entscheiden müssen und den Eltern eine Chance bieten können.
Für jede Phase der Trennung
Auch in den anderen Phasen der Trennung stehen die Berater helfend zur Seite. Zunächst gibt es Paar-Beratungen, wenn die Partner merken, dass sie etwas ändern müssen und es selbst nicht mehr heraus schaffen, so Knöbel. Und falls es dann doch zu einer Trennung kommen sollte, gibt es auch eine Trennungsberatung.
In den meisten Fällen sind es Paare mit Kindern, da für sie die Situation umso verzwickter sei. Hierbei sei es nicht so einfach einen klaren Strich zu ziehen, denn das verbindende Element sei immer das Kind.
Meist sind mehr als die Hälfte der Termine in der Woche Trennungsberatungen und die Mitarbeiter von pro familia sehen in diesem Bereich eine Zunahme.
Kurs Programm für Eltern in Trennung
Zum Thema „Mein Kind, dein Kind, unser Kind“ bietet die Beratungsstelle gemeinsam mit dem Landesprogramm „Stärke“ einen kostenlosen Kurs für Mütter und Väter bei Trennung und Scheidung an. Dieser bietet Austausch mit Menschen in der selben Situation. Hierbei können die Betroffenen eine andere Sichtweise auf die Problematik bekommen. Der nächste Kurs beginnt am 27. Juni.
Durch solche Veranstaltungen, Workshops oder Vorträge erreichten die Berater im vergangenen Jahr mit 62 Veranstaltungen 1373 Personen. Der größte Teil sei hierbei der Workshop zu sexueller Bildung an Schulen. Dieser sei für das restliche Schuljahr komplett ausgebucht und bis Ende des Kalenderjahres schon sehr gefragt.
Sexuelle Bildung an Schulen sehr gefragt
Bei der sexuellen Bildung an Schulen sprechen die Berater auf unterhaltsame und einfühlsame Weise über unterschiedliche Themen je nach Altersklasse. Ab Klasse vier geht es hierbei um das Thema Pubertät, Liebe, Sexualität und Beziehung. Erschreckend sei hier, dass das Thema Pornos auch in Klasse vier schon ein Thema sei, obwohl dieses Thema von der Beratungsstelle unter dem Thema Sexualität im Netz erst ab Klasse acht angesprochen werde.
Dann sei es schwierig abzuwägen, ob diese Frage gekonnt überhört werde oder ob sie die Frage, für Kinder in so jungem Alter, kindgerecht erklären. Hierbei ist es ein Zwiespalt zwischen dem Anspruch alle Fragen zu beantworten und dem Druck von außen, so die gelernte Hebamme. Wichtig sei ihnen besonders, dass es ein Gespräch mit den Kindern ist und sie dabei merken, dass die Beratungsstelle ein Ansprechpartner ist.
Themengebiete haben sich verschoben
Allgemein habe sich auch die Beratung auf Elternabenden verändert. „Früher waren es Themen wie das Wegbleiben, Alkohol und Zocken. Heute ist es eher das Zocken, Internet, Handy und Pornografie“, erklärt Schoch. Denn noch glaube er, dass die Jugend so ausgeglichen wie noch nie sei.
Schwangerschaft bei Minderjährigen
Das Thema Schwangerschaft sei insgesamt das Hauptgeschäft der Arbeit. Doch entgegen der Vorurteile, dass meist Minderjährige Schwangerschaftskonfliktberatungen wahrnehmen würden, sind es vor allem 25 bis 35 Jährige.
Vielfalt bei der Arbeit
Am meisten Spaß mache es den beiden Beratern die Vielfalt der Menschen zu erleben. Jede Beratung sei individuell und neu. „Wir erleben einen guten Querschnitt der Gesellschaft“, freut sich Knöbel.
Kurs
Mein Kind, dein Kind, unser Kind – Stärke Kurs
Das kostenlose Angebot von pro familia mit dem Landesprogramm Stärke, ist eine Möglichkeit von einzelnen Elternteilen, die sich in einer Trennung befinden, sich auszutauschen. Anmeldungen sind bis zum 20. Juni unter Telefon 07721/5 90 88 oder unter E-Mal vs-villingen@profamilia.de möglich. Kursleitung hat der Leiter von pro familia Sebastian Schoch und Antonia King. Der Kurs beinhaltet vier Termine jeweils an donnerstags ab 18 Uhr bei der Beratungsstelle pro familia in Villingen. Die Termine sind wie folgt: 27. Juni, 4. Juli, 11. Juli und 18. Juli.