Staatliche Förderung statt Sparschwein – dafür hat die Versicherungswirtschaft ein neues Konzept entwickelt. Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn/Mascha Brichta

An die Stelle der in Ungnade gefallenen Riester-Rente soll eine neue staatlich geförderte private Altersvorsorge treten. Die Versicherer wollen mit einer Bürgerrente kräftig daran teilhaben – nicht ohne Einsicht in frühere Fehler.

Die Riester-Rente ist praktisch erledigt – Neuabschlüsse gibt es kaum noch. Jetzt kämpfen die Lebensversicherer für ein neues, vom Staat gefördertes Altersvorsorgemodell: Die Bürgerrente soll ihnen auch in Zukunft gute Geschäfte sichern und frühere Fehler vermeiden. Dazu ein Überblick.

 

Was ist die Bürgerrente? Anders als bei der hochkomplexen Riester-Rente solle die Förderung bei der Bürgerrente verständlich, transparent und unbürokratisch werden, verspricht der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) – so einfach, dass sich ein Vertrag auch online abschließen lasse. Vorgeschlagen wird, dass der Staat auf jeden eingezahlten Euro 50 Cent obendrauf legt. Wenn der Kunde etwa 1000 Euro pro Jahr einzahlt, gibt es 500 Euro als Förderung dazu – für Familien könne es pro Kind noch 100 Euro mehr geben.

Die Zulagenhöhe hänge also nicht mehr vom Vorjahreseinkommen ab, sondern vom eingezahlten Beitrag. Die Förderung solle bis zum maximalen Eigenanteil von 3504 Euro pro Jahr, also vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung, gehen. Dazu kämen die Zulagen. So würden auch mittlere Einkommen stärker als bisher von Zulagen profitieren als nur von der Steuerersparnis, sagt Katja de la Viña, Vorsitzende des GDV-Präsidialausschusses und Chefin von Allianz Leben.

Vorgeschlagen wird jedoch, „den derzeit vorgeschriebenen hundertprozentigen Kapitalerhalt zu Rentenbeginn aufzuweichen“. Der GDV strebt vielmehr eine Kapitalgarantie von 80 Prozent der eingezahlten Beiträge plus Zulagen an – allein beim Eigenbeitrag gäbe es eine Garantie von 100 Prozent. So stünde mehr Geld für „chancenorientiertes Investieren“ zur Verfügung. „Die Sparer bekommen garantiert mehr, als sie eingezahlt haben“, sagt de la Viña. Aktienfondssparpläne böten diese Sicherheit nicht. Eine Simulation zeige: „Anhand von 10 000 Kapitalmarktszenarien über einen Zeitraum von 30 Jahren kann mit einem Aktienfondssparplan jeder zehnte Verbraucher im Schnitt 30 Prozent seiner Ersparnisse verlieren.“ Bei der Bürgerrente seien es lediglich zwei Prozent.

Der Kreis der Förderberechtigten soll um die Selbstständigen erweitert werden, die nicht rentenversicherungspflichtig sind.

Wie argumentieren die Versicherer? „Wir müssen Zukunftsvorsorge von den Menschen her denken, nicht vom System“, betont de la Viña. Als Munition dient eine beim Institut für Demoskopie Allensbach in Auftrag gegebene Umfrage. Demnach sei es für 78 Prozent der Befragten besonders wichtig, dass die eingezahlten Beträge sicher angelegt sind. 67 Prozent wollten Planungssicherheit, was im Alter an angespartem Kapital zur Verfügung steht. Auch staatliche Zuschüsse würde für die Mehrheit der Bevölkerung eine große Rolle spielen, so der GDV – was allerdings nicht überraschen kann.

Welche Rolle spielen Provisionen? Eine große Schwachstelle bei Riester sind die Provisionen für die Berater, die die Produkte verkaufen – sie mindern die Rendite der Versicherten stark. Der GDV rechnet nun mit geringeren Provisionen als bei Riester oder der nicht geförderten Altersvorsorge. Beim Kostenniveau orientiert man sich an der betrieblichen Altersvorsorge, wo die Provision ungefähr nur die Hälfte beträgt.

Die Vorteile auch bei den Abschlusskosten sollen über ein standardisiertes Produkt erzielt werden. Aufgrund von vereinfachten, digitalen Prozessen werde es für den Vertrieb kostengünstiger. „Wir haben einen guten Mix zwischen Aufwand und Ertrag für den Kunden – besser als heute in Riester“, sagt der Präsidialausschuss-Vize Gerhard Müller. Die genaue Kalkulation sei zwar dem jeweiligen Versicherer überlassen – für den Verband sei aber klar: „Aufgrund der Standardisierung wird es geringere Vergütungen für den Außendienst für dieses Produkt geben.“

Was sagen die Kritiker? „Unverdrossen präsentieren die Versicherer ihre Vorschläge von vorgestern“, kritisiert Britta Langenberg von der Bürgerbewegung Finanzwende die „Riester-Rente 2.0“. Ein neuer Name, abgesenkte Garantien und viel mehr Fördergeld – so stelle sich der Verband der Versicherer die Zukunft der geförderten Zusatzvorsorge vor. Das Kernproblem seien weiterhin die hohen Produktkosten: Nahezu jeder vierte Euro der eingezahlten Beiträge gehe bei durchschnittlichen Riester-Versicherungen für die Kosten drauf. Die Riester-Rente sei jedoch „unreformierbar“.

Fokusgruppe tagt bis Ende Juni

Expertengremium
 Zur Prüfung von Reformoptionen hatte die Bundesregierung im Januar eine „Fokusgruppe private Altersvorsorge“ eingesetzt – unter anderem mit Vertretern von Ministerien, der Versicherungsverbände, Verbraucherschützern, Wissenschaftlern, Arbeitgebern und Gewerkschaften. Den Vorsitz hat Florian Toncar (FDP), Staatssekretär beim Bundesfinanzminister.

Abschluss
 Vereinbart ist Vertraulichkeit, weshalb GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen keine Einzelheiten schildern wollte, „um die Arbeiten nicht zu behindern“. Bekannt sei, dass am 26. Juni die letzte Sitzung stattfinden soll. „Das Ziel ist, dort den Abschlussbericht zu finalisieren.“