Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek verraten, wie es war, die Serie „Drunter und Drüber“ auf einem Friedhof zu drehen, und ob sie als Chefs oder Superhelden taugen.
Schon in der Thrillerserie „Der Pass“ waren Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek ein Traumteam. In der Tragikomödie „Drunter und Drüber“ bei Prime Video sind sie nun Ursula Fink und Heli Wondratschek – zwei sehr unterschiedliche Menschen, die zusammenfinden müssen, um einen Friedhof vor der Schließung zu retten. Wir haben sie in Wien zum Interview getroffen.
Frau Jentsch, Herr Ofczarek, Sie haben die Serie auf einem Friedhof gedreht. Stimmt es, dass Sie immer wieder unterbrechen mussten, weil Beerdigungen stattgefunden haben?
Nicholas Ofczarek Ja, nicht nur, weil dann die Glocken läuten, sondern aus Respekt vor den Menschen. Ich finde es überhaupt bemerkenswert, dass die Friedhofsverwaltung dort Dreharbeiten zugelassen und uns willkommen geheißen hat.
Julia Jentsch Mein Gefühl war aber auch, dass wir uns wirklich gut benommen haben. Ich habe unsere Arbeit als sehr respektvoll wahrgenommen. Es gab auch gute Absprachen mit dem Friedhof. Wir wussten immer Bescheid, wenn eine große Beerdigung bevorstand, damit wir dann woanders drehen konnten.
Und Szenen wie die, in der Heli Wondratschek mit dem Golfwagen an den Gräbern vorbei über den Friedhof rast, haben Sie nur dann gedreht, wenn auf dem Friedhof nichts los war?
Ofczarek Es haben aber auch relativ wenige Beerdigungen stattgefunden. So viel war da gar nicht los.
Oh je, heißt das, dem Friedhof, auf dem Sie gedreht haben, droht – wie dem in „Drunter und Drüber“ – die Schließung?
Ofczarek Das glaube ich zwar nicht, aber ganz an den Haaren herbeigezogen ist die Idee nicht. Friedhöfe müssen heutzutage schon lukrativ sein, weil es inzwischen viele alternative Möglichkeiten gibt: Man nimmt sich die Urne mit nach Hause, bestattet den geliebten Menschen im Garten oder im Wald.
Ein Friedhof ist aber schon ein ziemlich seltsamer Drehort, oder?
Ofczarek Zu Beginn habe ich mich dort schon fremd gefühlt. Ich fand das zunächst unheimlich.
Jentsch Ich hatte Respekt, war aber auch neugierig. Und es hat mich überrascht, dass sich bei mir gleich so ein Wohlfühlen eingestellt hat. Es war Frühling, es gab wunderschöne alte Bäume, viele unterschiedlich gestaltete Gräber – ein bisschen war das wie in einem Park.
Hat sich Ihr Verhältnis zum Tod geändert durch die Arbeit an der Serie?
Ofczarek Das Thema ist ja eigentlich nicht wirklich der Tod. Es ist eine Serie über Konflikte am Arbeitsplatz. Diese Konflikte können mal in ein Drama ausarten, mal zur Komödie werden. Verschärft werden diese Arbeitsplatz-Konflikte dadurch, dass sie an einem Ort ausgetragen werden, der ein Ort der Stille, des Gedenkens und des Friedens sein soll. Das ist eine Verschärfung, eine Verdichtung, die der Komödie zugutekommt. Aber man denkt da natürlich auch und anders über den Tod nach.
Jentsch Ich glaube, dass der Humor das hilfreichste Mittel ist, um mit schwierigen Situationen und mit Trauer umzugehen. Er kann die Anspannung lösen und einem helfen, wieder eine Verbindung zwischen Menschen herzustellen.
Ofczarek Ich glaube, über Tabuthemen zu lachen ist ganz wichtig. Das Lachen über den Tod entkräftet dieses große Tabu.
Für Heli Wondratschek und Ursula Fink ist der Friedhof aber vor allem ein Arbeitsplatz. Und beide wollen Chef sein. Wer von den beiden ist besser für den Job geeignet?
Jentsch Die Vorstellung eines von Heli oder von Ursula geleiteten Friedhofs macht mir Angst. Wenn Heli der Chef wäre, wegen der großen Unfreude, die entstehen würde, wenn man dort arbeiten muss. Bei Ursula würde ich um das Leben der dort arbeitenden Menschen bangen. Die sind also beide auf ihre Art unfähig.
Ofczarek Aber es wäre auch kein Gewinn für die Geschichte, wenn die beiden gut wären. Wir amüsieren uns darüber, dass beide scheitern und etwas nicht können. Perfekte Menschen gibt es nur in diesen Superhelden-Filmen.
Jentsch Worauf ich aber auch mal Lust hätte.
Ofczarek Unbedingt, das wäre lustig.
Jentsch Au ja, Nikki, ich will gerne mal mit dir durchs Weltall fliegen!
Ofczarek Aber was wäre denn deine Superkraft?
Jentsch Hm, meine Superkraft? Ich sehe uns jedenfalls durchs Weltall fliegen. Es scheint also irgendwas mit Fliegen zu tun zu haben.
Ofczarek Ich glaube aber, uns will keiner als Superhelden sehen.
Da muss ich widersprechen. Ich glaube, das möchten alle sehen. Und es gibt ja inzwischen auch viele ungewöhnliche, defizitäre Superhelden.
Ofczarek Da haben wir’s. Wir sind die, die für die defizitären Helden zuständig sind.
Jentsch Ich finde es eher interessant, dass ich schon wieder daran denke, mit dir zu arbeiten. Das wird ja langsam manisch.
Sie sind ja aber auch ein tolles Serien-Team: jetzt in „Drunter und Drüber“ und davor in „Der Pass“. Schon mal drei Staffeln gemeinsam vor der Kamera gestanden zu haben macht den Job wahrscheinlicher einfacher.
Ofczarek Ich glaube, es ist nicht schlecht, wenn man sich irgendwie kennt, wenn man schon Zeit miteinander verbracht hat. Man hat ja auch Intimes miteinander zu verhandeln. Das kann auch Hass sein. Hass ist ja auch immer etwas sehr Intimes. Auch als Schauspieler ist man zunächst und hauptsächlich Mensch, hat Ängste und ist unsicher, wenn man sich noch nicht so gut kennt.
Jentsch Und es macht auch Spaß, jemand wie Nikki als eine ganz andere Figur zu erleben, als einen ganz anderen Charakter, bei der Arbeit mit ihm neue Facetten zu entdecken.
Sie haben vorhin gesagt, dass die Figuren, die Sie spielen, keine guten Chefs sind. Wären Sie selbst gute Führungskräfte?
Jentsch Nikki, wenn ich das sagen darf: Dich kann ich mir sehr gut in einer Führungsposition vorstellen.
Ofczarek Okay. Aber nur bei null Machtanspruch.
Jentsch Und ich selber, ähm, nein!
Ofczarek Aber ich kann mir das bei dir sehr gut vorstellen mit dieser Besonnenheit.
Jentsch Ne, muss nicht sein.
Julia Jentsch, Nicholas Ofczarek und die Serie „Drunter und Drüber“
Schauspielerin
Julia Jentsch wurde 1978 in Berlin geboren, lebt inzwischen in der Schweiz. Sie wurde mit zahlreichen Preise ausgezeichnet – etwa für ihre Rollen in dem Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“(2005) und der Serie „Das Verschwinden“ (2018).
Schauspieler
Nicholas Ofczarek wurde 1971 in Wien geboren. Er ist Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater, mit der dort entstandenen inszenierten Lesung von Thomas Bernhards Roman „Holzfällen“ war er zuletzt auch in Stuttgart zu Gast.
Serie
Jentsch und Ofczarek waren schon in der Thrillerserie „Der Pass“ das Hauptfiguren-Team. In der tragikomischen österreichischen Serie „Drunter und Drüber“ treffen sie wieder aufeinander. Der Achtteiler ist ab Freitag, 9. Mai, bei Prime Video verfügbar.