Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will die Stellung der Hausärzte stärken. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will zurecht ein Primärarztsystem einführen, muss vorher aber heikle Fragen klären, kommentiert Norbert Wallet.

Die Deutschen gehen zu oft zum Arzt. Rund zehn Mal im Jahr werden im Schnitt Haus- oder Facharzt aufgesucht. In den OECD-Ländern liegt der statistische Durchschnitt bei 6,6 Arztbesuchen. Das deutsche Gesundheitswesen ist eines der teuersten der Welt, die Ausstattung mit Ärzten und Fachpersonal ist im internationalen Vergleich recht hoch. Und doch sind wir bei dem, was herauskommt, also bei der Qualität der Versorgung, nicht gut genug. Es liegt also auf der Hand, dass Deutschlands Gesundheitssystem ein Effizienzproblem hat.

 

Der Hausarzt als Lotse

Die neue Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will nun mit der Einführung eines Primärarztsystems unnötige Facharztbesuche reduzieren. Der Hausarzt soll zum Lotsen werden. Er müsste stets zuerst aufgesucht werden und weist dann den Weg zum richtigen weiterbehandelnden Arzt. Klingt sinnvoll. Ist es auch. Baden-Württemberg macht mit dem Modell der hausarztzentrierten Versorgung vor, dass ein solches Modell effektiv, kostensparend und qualitativ überzeugend sein kann.

Werden die Hausärzte überfordert?

Der Teufel steckt im Detail und diese Details muss Warken vor der Implementierung einer Systemwende präzise klären. Das sind die Fragen: Führt die verpflichtende Erstkonsultation zu einer Überlastung der Hausarztpraxen? Angesichts des akuten Mangels an Hausärzten in vielen ländlichen Räumen ist das kein an den Haaren herbeigezogenes Szenario. Dann aber würde der Hausarztbesuch zum neuen Flaschenhals im Gesundheitswesen.

Oder: Explodieren angesichts der Entbudgetierung bei den Hausärzten durch den neuen Pflichtbesuch die Kosten? Oder: Muss nicht die Honorarordnung bei den Fachärzten angepasst werden? Die bekommen tendenziell weniger Patienten und könnten versucht sein, diejenigen die kommen, als Ausgleich besonders intensiv „durchzutherapieren“.

Trotz dieser Fragen – die Richtung stimmt. Das Primärarztsystem ist guter Ansatz.