Sie präsentierten Projekte gelungener Integration in der „Woche der Menschen mit Behinderung“ (von links): Ulrike Roth, Heimleitung von Haus Bethanien, deren Mitarbeiterin Ceyda Kaya, Hannah Benz von der ASW+W, Marco Kreutzer, Bereichsleiter der beruflichen Reha und Teilhabe bei der Agentur für Arbeit, Carolin Kern, Mitarbeiterin des Dorfladens Schweighausen genau wie Sigrid Göppert Foto: Stahl

Zur „Woche der Menschen mit Behinderung“ lud die Agentur für Arbeit zu einem Gespräch ein, bei dem die Integration in den Arbeitsmarkt im Mittelpunkt stand.

Ein langer Tisch, sechs Menschen nehmen Platz, sie alle eint dasselbe Thema: die Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt. Marco Kreutzer, Bereichsleiter der beruflichen Reha und Teilhabe bei der Agentur für Arbeit, eröffnete die Pressekonferenz. Zu diesem Anlass „haben wir ein besonderes Expertengespräch mit unseren Partnern vorbereitet, das zeigen soll, wie Integration gelingen kann“, so Kreutzer.

 

Es gebe keine Norm für das Mensch sein, „anders sein“ beschränke sich oft auf die Leistungsfähigkeit. Betroffene würden auf Teilaspekte reduziert. Dabei hätten sie es grundsätzlich schwieriger, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Aber: „Es gibt unterschiedliche Angebote für die Begleitung von Menschen mit Behinderung“, verrät er. Dabei arbeite die Agentur für Arbeit mit vielen Organisationen zusammen, um vor, während und nach der Ausbildung zu unterstützen.

Beide Arbeitskräfte sind vollständig integriert

Dabei sei die kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt entscheidend. Dieses Bündnis setzt sich aus der Albert-Schweitzer-Werkstätten und Wohneinrichtungen, dem christlichen Jugenddorf und dem Inklusions-und Integrationsfachdienst zusammen, erklärte Hannah Benz von den Schweitzer-Werkstätten. Es sei ein Netzwerk aus mehreren professionellen Teams, das sich auszahle: „Seit 2013 haben wir von 76 Teilnehmern 63 in den ersten Arbeitsmarkt integriert, eine tolle Quote.“

Einer der erfolgreichen Teilnehmerinnen arbeitet im Dorfladen Schweighausen: Carolin Kern. „2021 kam die Anfrage von der Familie für ein Praktikum“, erinnerte sich Sigrid Göppert vom Dorfladen. Es sei alles neu gewesen, aber die Träger „haben alles gut organisiert“, bekräftigte Göppert.

Aus zwei Wochen Praktikum, das Kern gut bewältigt habe, sei im ersten Jahr ein Tag die Woche geworden, daraus wurden irgendwann drei. Einfach war es nicht: „Wir haben viele Wiederholungen gemacht“, berichtete Göppert. Man brauchte auch das Verständnis der Kollegen und Kunden, aber die Integration habe zu ihrem Konzept gepasst.

Kern spricht gerne mit den Kunden

Die Festanstellung von Carolin Kern erfolgte 2024. Sie mache schon viel alleine, kenne die Abläufe und „gehört zum festen Bestandteil unseres Dorfladens“, erzählte sie mit Stolz. Sie sei zuverlässig, motiviert. Und was sagt sie selber über ihre Arbeit? „Mir macht es Spaß. Ich mag es, mit Kunden zu sprechen“, verrät Kern.

Das zweite Beispiel einer gelungenen Integration in den Arbeitsmarkt ist Ceyda Kaya. Sie arbeitet im Wohn- und Pflegeheim Haus Bethanien in Gengenbach. Sie sei mithilfe einer berufsvorbereitenden Einrichtung auf das Pflegeheim gestoßen, blickte Heimleitung Ulrike Roth auf ihre Anfänger in Gengenbach zurück. Kaya werde in der Küche eingesetzt und erledige Hol-und Bringdienste für die Bewohner.

Wiederholungen seien oft notwendig gewesen, um Abläufe zu verinnerlichen. Dabei mussten aber auch die Mitarbeiter vorbereitet werden durch viele Gespräche und Rückmeldungen. Mittlerweile sei sie aber voll und ganz angekommen, bestätigte Roth beim Pressegespräch. Insbesondere zeichne sie ihre wertschätzende Art aus, „sie macht ihre Arbeit mit Liebe und einem Lächeln“. Daher sei Kaya eine große Bereicherung für das Haus Bethanien und für deren Bewohner, war sich Roth sicher. Mittlerweile beschäftige man vier Menschen mit Behinderungen. Einer davon werde in der Küche eingesetzt.

Kaya malt am liebsten mit den Bewohnern

Die anderen drei inklusive Kaya werden auf den Stationen des Gengenbacher Heims beschäftigt. Sie dürfen den Bereich auch wechseln, wenn sie möchten. Für Roth stand außer Frage: „Wir begrüßen das Konzept und sprechen ein großes Lob an alle Beteiligten aus.“

Ceyda Kaya gab offen zu, dass sie „am Anfang Angst hatte, dass es nicht funktioniert“. Ihr sei es jedoch gelungen, sich an den neuen Arbeitsalltag zu gewöhnen. Inzwischen verstehe sie sich mit jedem. Das Coaching direkt am Arbeitsplatz habe ihr sehr geholfen. Am meisten Freude habe ihr das Malen und die Unterhaltungen mit den Menschen bereitet. Und: „Ich bekomme immer die Dankbarkeit der Bewohner zurück“, betont Kaya.

Näheres zum KOBV

Kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt (KOBV) ist an eine duale Ausbildung angelehnt. Dabei werden erfolgreiche Abgänger der berufsvorbereitenden Einrichtung (BVE) auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt. Das CJD in Offenburg bietet als einzige Einrichtung im Ortenaukreis eine KOBV an.