Krisen und Kriege haben die Menschen nachrichtenmüde gemacht. Aber wer aufhört, sich zu informieren, gefährdet die Demokratie, warnt unsere Kolumnistin Elisabeth Kabatek.
Einer meiner Lieblingsfilme feiert dieses Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag. „Die Unbestechlichen“ vereint zwei Hollywood-Größen, Robert Redford und Dustin Hoffman. Sie verkörpern Bob Woodward und Carl Bernstein, die beiden legendären Journalisten der „Washington Post“, die monatelang in der Watergate-Affäre um den damaligen Präsidenten Nixon recherchierten. Im Juni 1972 waren fünf Einbrecher im Watergate-Gebäude, dem Sitz der Demokratischen Partei, beim Abfotografieren von Dokumenten ertappt worden. Woodward und Bernstein enthüllten, dass sie von engen Mitarbeitern des (republikanischen) Präsidenten beauftragt worden waren. Nixon blieb am Ende nur der Rücktritt.
Die Wahrheit muss ans Licht
Fast dokumentarisch verfolgt der Film die akribische Recherche der beiden Reporter, die unter Bedingungen arbeiten, die uns heute unglaublich antiquiert vorkommen: Telefone mit Wählscheiben, Schreibmaschinen und quälend langsame Drucker dominieren den Newsroom statt Handys und Computer. Aber es ist die Hartnäckigkeit der beiden Reporter, ihr unerschütterliche Glaube daran, dass die Wahrheit ans Licht muss, trotz zunehmender Gefahr auch für ihr eigenes Leben, die den Film so sehenswert machen, gerade im Hinblick auf den Internationalen Tag der Pressefreiheit Anfang der Woche.
Der Originaltitel des Films lautet „All the President’s Men“, sprich: Es waren die Leute des Präsidenten, und das klingt aus heutiger Sicht beinahe wie eine düstere Prophezeiung. 2013 wurde die „Washington Post“, Flaggschiff des investigativen Journalismus, an Jeff Bezos verkauft, der immer stärker in die journalistische Freiheit eingriff und schließlich verkündete, dass sich alle Meinungsartikel an seiner Meinung orientieren müssten. Dass Bezos, ein Mann des Präsidenten Trump, sich ausgerechnet einer Zeitung bemächtigte, deren Motto lautet, „Democracy dies in darkness“, Demokratie stirbt in der Dunkelheit, ist dabei besonders bitter.
Die Demokratie ist in Gefahr
Durch die vielen Kriege und Konflikte der letzten Zeit sind viele Menschen nachrichtenmüde geworden. Zu erschütternd ist das Weltgeschehen, zu dramatisch sind die Entwicklungen. In der Tat sind die Nachrichten im Augenblick schwer auszuhalten. Wer aber aufhört, sich zu informieren, verliert schnell den Überblick und wird Opfer von Desinformation, vor allem in Zeiten von KI. Die Nachrichtenmenge zu dosieren oder auf bestimmte Tageszeiten zu beschränken, ist sicher eine gesunde Strategie. Sich aber ganz auszuklinken, ist nicht nur gefährlich für den Erhalt der Demokratie, es ist auch zu bequem.
Das Barometer der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen zeigt für 2026 bereits 13 getötete und 492 inhaftierte Journalistinnen und Journalisten an. Nachrichten auszuhalten und nicht abzuschalten ist auch eine Würdigung der Arbeit derer, die täglich ihr Leben riskieren, um aus Kriegsregionen zu berichten.