Das Stück „Der Vorname“ spielt in einer schicken Wohnung in Paris. Foto: Theater der Altstadt/Sabine /Haymann

Das Theater der Altstadt im Westen zeigt die französische Komödie „Der Vorname“. Gerhard Weber führt bei dem bereits zweimal erfolgreich verfilmten Stück Regie – mit viel Sinn für Action, aber wenig Charme.

Es ist ja immer so eine Sache, wenn ein Theaterstück auf die Bühne kommt, das als Filmadaption für Furore gesorgt hat, sodass die Handlung zumindest einem Teil des Publikums bekannt ist. So verhält es sich auch bei der Komödie „Der Vorname“, die am Freitag in der Regie von Gerhard Weber Premiere am Theater der Altstadt feierte.

 

Der Film war lebensprall

Das Autorenpaar Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière hatte sein Stück „Le Prénom“ im Jahr 2012 lebensprall und auf charmante Art grotesk in die französischen Kinos gebracht. Selbst in der deutschen Synchronfassung war es ein Vergnügen, den spitzfindigen Wortgefechten einer familiär miteinander verstrickten Abendgesellschaft zu folgen. Sechs Jahre später wagte sich dann Sönke Wortmann an ein Remake, wobei er das Geschehen nach Deutschland verlegte. Dort ist der strittige Vorname, den ein Paar seinem Nachwuchs geben will, noch verrufener als im Rest der Welt.

Für seine Inszenierung in Stuttgart hält Regisseur Gerhard Weber am Originalschauplatz Paris fest. Das von Thomas Mogendorf allzu trendig ausgestattete Appartement bietet ein Panoramafenster mit Blick auf den Eiffelturm. Trotz hohen Redetempos entfaltet sich im Zusammenspiel der Darsteller weder die amüsant überdrehte Dramatik, von der das Stück lebt, noch wird Raum gelassen für den Kitt des Savoir-vivre: Da wird gebrüllt, statt debattiert, gefressen, statt gespeist, beleidigt statt gestichelt.

Zwischentöne fehlen

Es fehlt an Zwischentönen und glaubhaften Reaktionen auf das, was hier verbal zu Tage kommt und in Generalabrechnungen mündet. Wer das Wort hat, scheint in seinem Element, erschlafft jedoch, sobald jemand anderes es ergreift. Kommentierende Blicke, Gesten und erhellende Mimik? Fehlanzeige! Das gipfelt in der Szene, in der dem Spaßmacher Vincent vorgeworfen wird, Grimassen zu ziehen, ohne dass dessen Darsteller Paul Schaeffer auch nur mit der Wimper gezuckt hätte.

Wenig überzeugend

Von allen Darstellern trifft Dirk Emmert in der Rolle des Gastgebers Pierre seinen Typus am ehesten: Er gibt den dauererregten Linksintellektuellen. Jens Woggon könnte als Orchestermusiker Claude ein Gegenpol zur hysterischen Sippe sein, weckt aber keine Neugier an seiner Person. Schrill im Ton, puppig in den Auf- und Abgängen: Birgit Reutter als Gastgeberin Elisabeth. Ihre Bemühungen, die Streithähne kulinarisch zu befrieden, wirken so aufgesetzt wie Annas (Bernadette Hug) Empörungen und Angriffe überdreht. Vor lauter Action kein Charme.