Haben die Offenburger die Braut? Sie verneinen das, doch überzeugt sind die Haslacher zunächst nicht. Foto: Reinhard

Zum 150-jährigen Bestehen der Ranzengarde wurde in Haslach in eine turbulentes Festspiel mit Hexen, Wortwitz und Happy End aufgeführt.

Es hätte solch eine schöne Hochzeit werden können: eine strahlend-elegante Braut, ein stolzer Bräutigam, Sonnenschein und eine fröhliche Festgesellschaft, die sich freute, dass sein Karlinchen nach 150 Jahren wilder Ehe endlich heiraten wollte. Doch dann war die Braut plötzlich verschwunden. Entführt, wie sich alle Beteiligten sicher waren. Nur wohin? Die Haslacher Narrenpolizei und die Ranzengarde machten sich auf, um die Braut zu finden – sie suchten im gesamten Kinzigtal und sogar darüber hinaus.

 

So begann am Sonntag das Haslacher Festspiel, mit dem die Narrenzunft das 150-jährige Jubiläum der Ranzengarde feierte. Statt eines traditionellen Umzugs durch die Innenstadt versammelten sich zahlreiche Gäste vor der Bühne der Stadthalle, um das erste Haslacher Festspiel seit 25 Jahren zu erleben. Und sie bekamen einen unterhaltsamen, närrischen „Roadmovie“ mit jeder Menge Anspielungen auf die jeweiligen Verdächtigen geboten.

Foto: Reinhard

Nachdem das Verschwinden der Braut bemerkt worden war, rief der verzweifelte Bräutigam sofort die Narrenpolizei, obwohl einige Gäste noch versuchten, ihn davon abzuhalten. Warum, wurde schnell klar: Deren Motto „Wir sind so kluk – k, l, u, k“ zeigte, dass die närrischen Beamten zwar motiviert waren, in alle Richtungen zu ermitteln, jedoch keinen konkreten Plan hatten, wonach sie überhaupt suchen sollten. Erst Zunftmeister Seitz konnten sie aufklären.

Beim Kampf fliegt auch der eine oder andere BH

Für den Bräutigam stand fest: „Das waren die aus Huse, die waren mir schon immer suspekt.“ Auch die Ranzengarde wurde eingeschaltet und machte sich umgehend auf den Weg nach Hausach. Dort wurden sie von den „Blauen“ empfangen – unerwarteterweise allesamt Frauen in auffälligen Stewardessen-Outfits.

Ein Liebespaar auf der Burg forderte die Ranzengarde schließlich zur Stürmung derselben heraus. Nach einem chaotischen Kampf, bei dem auch der eine oder andere BH durch die Luft flog, stellte sich jedoch heraus, dass die verschwundene Braut dort nicht gefangen gehalten wurde.

Die Gischt-Geischt-Hexen versuchen die Braut zu verwandeln. Foto: Reinhard

Die Narrenpolizei kam dank „holistischer Ermittlungsmethoden“ und einiger schwer nachvollziehbarer Gedankensprünge schließlich auf die Idee, in Wolfach weiterzusuchen. Doch auch dort blieben Narrenpolizei und Ranzengarde erfolglos. „Wir haben hier 800 Kaffeetanten. Glaubt ihr, wir brauchen da noch ein Karlinchen?“, wurden sie gefragt.

Das leuchtete ein. Gerade als man auf die Freundschaft anstoßen wollte, kam der Haslacher Büttel angerannt. „Erkenntnisse zur Überprüfung“, japste er. „Allen Anzeichen nach ist das Karlinchen in Offenburg. Das ist statistisch erwiesen, weil uns einfach nichts anderes mehr eingefallen ist.“ „Die Zeit drängt, wir müssen den Zug nehmen“, meinte die Ranzengarde, merkte jedoch anhand des aufkommenden Gelächters schnell, dass das nicht die beste Idee war. Nichtsdestotrotz ging es per Eisenbahn nach Offenburg – auch wenn ihnen der Ort suspekt war. „Die essen da Bohnensuppe. Sogar zum Frühstück“, schauderten die Ermittler. Doch auch in Offenburg kamen Narrenpolizei und Ranzengarde nicht weiter. „Unser Faktencheck – was heißt, dass wir uns mal umgehört haben – hat ergeben, dass es hier kein Karlinchen gibt“, bekamen sie zu hören. Und die Veef der Offenburger Narrenzunft in ihrem schönen Biedermeierkleid stellte klar: „Glaubt ihr eigentlich, dass es hier nicht genug nette weibliche Gesellschaft gibt?“

Im Haslacher „Polizeirevier“ zerbrachen sich Narrenpolizei, Ranzengarde und Bräutigam anschließend den Kopf. Wo könnte das Karlinchen nur sein? Eine Frau brachte schließlich den Galgenbühl ins Spiel. „Ist nur so ein Gefühl – nennt es weibliche Intuition“, meinte sie, während auf der Leinwand im Hintergrund Pfeile erschienen, die alle auf den Galgenbühl zeigten. Ob nun aufgrund weiblichen Feingefühls oder der deutlich sichtbaren Spur: Franz fand die Idee einleuchtend. „Ich habe heute noch gar keine Gischt-Geischt-Hexen gesehen“, fiel ihm außerdem auf.

Schlimmer als eine Hexe: eine Hausacherin

Und tatsächlich: Auf dem Galgenbühl fanden sie die arme Braut, festgebunden an einem Pfahl, während die Hexen mit einem mystischen Ritual versuchten, sie in eine ihresgleichen – oder schlimmer noch, in eine Hausacherin – zu verwandeln.

Ranzengarde und Narrenpolizei befreiten das Karlinchen, und so konnte endlich Hochzeit gefeiert werden. Mit einem Umzug zogen das Paar und zahlreiche Gäste zum Rathausplatz, wo ausgelassen gefeiert wurde.

Frühere Festspiele

Das jüngste Fetspiel fand 2001 statt. Damals wurde „Die Weibertreu zu Weinsberg“ aufgeführt. 1995 hatte es eine internationale Völkerschau gegeben. Davor gab es eine lange Pause, wohl auch wegen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit.  1928 war der „Leutnant von Hasle“ gezeigt worden. Das erste Festspiel in Haslach wurde 1842 mit „Wilhelm Tell“ aufgeführt.