Das letzte Mal gab es 2001 ein Fasentspiel. Damals wurde „Die Weibertreu zu Weinsberg“ aufgeführt. Foto: Seitz

Nach langer Pause kehrt das Haslacher Fasentspiel zurück: Als närrisches Roadmovie führt „Franz und Karlinchen“ von Wolfach bis Offenburg.

Es soll ein Roadmovie der besonderen Art werden, an dem Narren aus der gesamten Region von Wolfach bis nach Offenburg mitwirken werden: Nachdem 2001 das letzte Mal ein Fasentspiel stattgefunden hat, freut sich nach 25 Jahren ganz Haslach auf „Franz und Karlinchen“ aus der Feder des Haslacher Zunftmeisters Manuel Seitz.

 

Damit steht er in einer jahrhundertealten Tradition, die sogar älter ist als die der organisierten Fastnacht. Wie Seitz im Gespräch mit unserer Redaktion ausführt, ist das erste Fasentspiel bereits 1842 belegt – also 18 Jahre vor der Gründung der Haslacher Narrenzunft. Die Inhalte waren sehr unterschiedlich (siehe Info). So wurden unter anderem historische Stücke wie „Die Zerstörung Heilbronns“ oder „Der Leutnant von Hasle“ von Heinrich Hansjakob, aber auch „Internationale Völkerschauen“ aufgeführt. „Viele wurden einfach so gezeigt, ohne besonderen Anlass, bei manchen waren sie Teil einer Jubiläumsfeier“, weiß Seitz.

Auch das Fasentspiel 2026, das am Sonntag, 15. Februar, aufgeführt wird, hat einen Geburtstag zum Anlass – um genau zu sein sogar mehrere: Vordergründig das 150-jährige Bestehen der Haslacher Ranzengarde, aber auch das 50-jährige Bestehen der Marketenderinnen sowie die Wiedergründung der närrischen Miliz vor 50 Jahren. Das hätte man auch mit einem Narrentreffen feiern können – wenn die VSAN mehr als eines pro Jahr und pro Landschaft erlauben würde. „Und da dieses Jahr bereits das Narrentreffen in Furtwangen stattfindet, war ein zweites nicht möglich. Deswegen haben wir uns etwas anderes überlegt“, fasst Seitz zusammen. Da jedoch im kommenden Jahr ein Narrentreffen in Haslach geplant ist, sollte das Spiel aus organisatorischen Gründen nicht zu viele Kapazitäten binden.

Überall im Tal wird nach der entführten Braut gesucht

Seitz dachte sich den Inhalt des Stücks selbst aus und nahm als Inspiration das Karlinchen-Lied, das in Haslach bei der Elfemess gesungen wird. „In dem kommt der Grenadier Franz vor. Der will nun nach 150 Jahren wilder Ehe sein ‚Karlinchen‘ heiraten. Darüber habe ich das Stück geschrieben“, erklärt der Zunftmeister. Die Braut wird am Hochzeitstag jedoch entführt und in einer Art Roadmovie, das durch das Kinzigtal und die Region führt, gesucht.

Die Narrenpolizei ermittelt, die Ranzengarde fordert vehement und unter Androhung von Gewalt überall die Herausgabe der Entführten – doch statt der Braut bekommen sie allerorts etwas zu trinken angeboten. Fündig werden sie schließlich bei jemandem, den sie gar nicht in Verdacht hatten. Am Ende wird, wie es sich für ein Happy End gehört, geheiratet. Die meisten Rollen wurden mit Hästrägern besetzt. Insgesamt wirken 120 Personen an dem Stück mit. Seit September wird geprobt – „mit einem Riesenspaß“, wie Seitz berichtet. Die ersten Gedanken zum Stück machte er sich bereits vor anderthalb Jahren, ehe er mit dem Schreiben begann. „Das fertige Werk habe ich dann Conni Volk und Martin Schwendemann vorgelegt, die ein paar Änderungen vorgenommen haben“, so Seitz. Unter anderem schlugen die beiden vor, das Stück nur auf einer Bühne spielen zu lassen. Die unterschiedlichen Handlungsorte werden dabei auf einer LED-Leinwand dargestellt.

Um 13.30 Uhr beginnt das Fasentspiel mit zwei kleinen Umzügen, die zum Aufführungsort, dem Platz vor der Stadthalle, führen. Hästräger der Narrenzunft Haslach und einiger Gastzünfte werden neben den Hauptakteuren – Ranzengarde, Marketenderinnen und närrische Miliz – sozusagen als Hochzeitsgäste eine illustre Gesellschaft bilden. Um 14 Uhr beginnt dann das Fasentspiel „Franz und Karlinchen“.

Am Ende gibt es einen etwas größeren Umzug von der Stadthalle durch die neue Eisenbahnstraße, die Engelstraße hinauf bis zum Café Pöllath (Waidele) und über die Hauptstraße weiter zum Rathaus. Dort wird feierlich der letzte Akt des Spiels stattfinden, bevor das altbekannte Narrentreiben in der Stadt und in der Stadthalle seinen Lauf nimmt.

Der Vorverkauf im Gasthaus Aiple, in der Pizzeria Oronzo, bei Sport Sandhas, in der Tourist-Info sowie im Sim-Snack Deli Café hat bereits begonnen. Tickets kosten vier Euro, der Eintritt für Zuschauer unter 14 Jahren ist frei.

Frühere Fastnachtspiele

1842: Andreas Hofer1857: Wilhelm Tell1861: Wallensteins Lager1864: Die Zerstörung Heidelbergs durch Melac 16931872: Die Pariser Kommune1876: Die Weibertreu zu Weinsberg1877: Preziosa1885: Urians Reise um die Welt1889: Die Herren von Hohengeroldseck und Lützelhard1891: Die Fahnenweihe der Conclave-Gesellschaft1892: Der Krähwinkler Landsturm1896: Hermann der Cherusker1898: Der Trompeter von Säckingen1900: Leutnant von Hasle1906: Der Steinerne Mann von Hasle1912/1913: Internationale Völkerschau1928: Leutnant von Hasle1995: Internationale Völkerschau2001: Die Weibertreu zu Weinsberg