Das NEINhorn (Emilie Hartmann; Mitte) sagt immer „Nein“, während die anderen Tiere viel fröhlicher und herziger sind. Wie lässt es sich umstimmen? Foto: Karina Eyrich

Welch ein Finale: Die letzte Premiere im „alten“ K3 vor dem Umzug war ein Kindermusical, das von fantastischen Einfällen, tollen Kostümen und überraschenden Pointen strotzte.

„Unglaublich stolz“ ist K3-Vorsitzende Evelin Nolle-Rieder auf das, was die Kultur-, Nachdenklich- und Glücklich-Macher seit 2011 im K3-Theater geleistet haben – und nun hat sie noch mehr Grund dazu. Denn die Kinderdarstellerinnen im Musical „Das NEINhorn“ haben die letzte Premiere vor dem Umbau des Gebäudes und dem Umzug des K3 ins – größere – Souterrain zu einem Knaller gemacht.

 

Die Eltern der jungen Zuschauer, die alle Plätze füllten, kennen das: „Nein“ sagen Kinder nicht nur, wenn sie es so meinen, sondern auch, wenn sie bockig sind. Aus Prinzip. Das NEINhorn – großartig gespielt von Emilie Hartmann – macht es genau so und damit alle im Herzwald abspenstig. „Noch lilalieber zu ihm zu sein“, nutzt da gar nichts. Auch der WASbär (klasse: Linda Gramsch), der NaHund (Lene Roggenbock) und die KönigsDOCHter, die Lotta Schnabel mit Grandezza verkörpert, tun sich schwer, das zickige Fabeltier aus der selbstprovozierten Isolation zu locken.

Mit dem NaHund, der KönigsDOCHter und dem WASbär zieht das NEINhorn durch den Herzwald zum wunderlichen Vulkan. Foto: Karina Eyrich

Auf ihrer Reise nach Nirgends und zum wunderlichen Vulkan begegnen ihnen die ausgelassenen Zwergvogelkinder, die ENTeSCHULDIGUNG, die PLAPPERgeien und die SchLANGEWEILE, deren Zungenbrecher in Serie Lotte Roggenbock wahrlich preisverdächtig meistert. Sonderapplaus verdient sich auch Lisa Schnabel, die als KUCKUCK-mal-was-ich-kann Akrobatik am baumelnden Reifen zeigt und mit ihrem unbeschwerten Lachen alle ansteckt.

Die Einhörner sind alle fröhlich – bis auf das NEINhorn. Foto: Karina Eyrich

Nämliches gilt für Nora Gebler als FROHsch und die frechen KLAUmeisen Lilith Roggenbock und Luise Hartmann, die zusätzlich Pfiff ins Spiel bringen.

Lisa Schnabel begeisterte die Gäste bei der Geburtstagsfeier der KönigsDOCHter als KUCKuck-mal-was-ich-kann auch mit Akrobatik am Ring. Foto: Karina Eyrich

Wie überhaupt die ganze Kinderriege einfach nur Spaß macht. Zumal das Stück nach dem Kinderbuch von Marc Uwe Kling, illustriert von Astrid Henn, von einfalls- und geistreichen Pointen nur so strotzt: „Heut’ ist so ein schöner Quak“, jubelt der FROHsch. Der WASbär erklärt den Nutzen von Deodorant und die einzigen erwachsenen Darstellerinnen – Marion Hartmann als Königin Brünhilde und Katja Schnabel als König Wilfried – bringen mit bayerischem und sächsischen Akzenten klanglich noch mehr Farbe ins Spiel.

Katja Schnabel als König Wilfried und Marion Hartmann als Königin Brünhilde (von links) haben auch die Kostüme, unter anderem für die KönigsDOCHter (Lotta Schnabel) genäht. Foto: Karina Eyrich

Dieses Verdienst gebührt aber vor allem den Kindern, wenn sie – drollig und mit hellen Stimmen – singen, wobei Pianist Christian Zimmermann sie mit passenden Melodien einfühlsam begleitet. Gemeinsam malen sie mit Klangfarben so bunt, dass es perfekt zu den aufwendigen und wunderschönen Kostümen passt, die Marion Hartmann und Katja Schnabel genäht haben.

Die Zuschauer der ausverkauften Veranstaltung klatschten sich danach die Seele aus dem Laib. Foto: Karina Eyrich

Regisseurin Evelin Nolle-Rieder hat dem treuen K3-Publikum mit dieser überreichen Inszenierung nicht nur ein wunderschönes Abschiedsgeschenk von den Erdgeschoss-Räumen gemacht, sondern auch einen Vorgeschmack auf das geliefert, was wiederkehrt, wenn nach Umbau und Umzug etwas mehr Platz ist für Bühne und Publikum. „Uns blutet das Herz, dass wir alles ausbauen müssen“, verriet sie und machte kein Hehl aus ihrer Hoffnung, dass das Publikum den Verein K3 unterstützt, damit die Kosten der Exil-Phase und des Umbaus geschultert werden können. Im K3 habe sie die „Grundlage einer demokratischen Gesellschaft, die Vereinsarbeit“ kennengelernt: „Theater ist für mich ein Mannschaftsspiel, Kunst und Kultur der Kitt unserer Gesellschaft. Das ist gelebter Zusammenhalt“ für Menschen, die „keine Lust mehr haben auf die Dauerempörungsschleife der ‚Sozialen Medien‘!“

Weitere Vorstellungen stehen schon fest

„Das NEINhorn“ ist im K3 noch zu sehen am Sonntag, 16. November, 7., 14. und 21. Dezember, 11., 18. und 25. Januar, sowie am Samstag, 13. Dezember und 10. Januar, jeweils ab 14.30 Uhr; Einlass ab 14 Uhr. Karten: unter https://k3-winterlingen.theater/ sowie an der Tageskasse.