Das Zimmertheater feiert mit "Barbie or not to be" Premiere. Foto: Siegmeier

Das Zimmertheater Rottweil beschäftigt sich im neuen Stück mit der Zukunft des Theaters. Die Inszenierung von „Barbie or not to be“ fordert die kritische Auseinandersetzung mit dem Kulturbetrieb.

Die Pandemie hat den Kulturbetrieb ordentlich durchgerüttelt, mancherorts sogar richtiggehend gelähmt. Immer mehr bröckelt gesellschaftlich Bewährtes vor sich hin, Grundsätzliches wird aufgekündigt, Fakenews bestimmen den Alltag. Inmitten dieses Strudels befinden sich die Kulturleute. Das Theater. Und es stellt sich die große Frage: quo vadis?

Wo geht die Entwicklung hin? Weg vom Anspruchsvollen, hin zur leichten Muse? Weg von Hamlet, hin zu Barbie?

Die Zeit ist aus den Fugen. Heute mehr denn je. Das zeigt Peter Staatsmann in „Barbie or not to be“ vielschichtig auf. Das Stück hat am Freitagabend nicht nur Premiere, sondern zugleich auch Uraufführung auf der Bühne des Zimmertheaters Rottweil gefeiert.

Die alte Welt

Am Beispiel der drei Theaterleute Tina (Mailin Klinger), Gena (Valentina Sadiku) und Sebastian (Lukas Kientzler) wird deutlich, wie die alte Welt, in der es noch ganz grundlegende Regeln und unerschütterliche Toleranz gab, angegriffen wird und langsam stirbt. Die drei versuchen alles zu tun, um die Gunst des Publikums zu erhaschen. Das Niveau muss sinken. Die Leute wollen nur noch unterhalten werden. Anspruch und Niveau scheinen langsam hinten runterzurutschen. Und so gibt es ein Casting für Barbie. Bunt. Platt. Bespaßung pur. Man will ja schließlich gefallen.

Aber reicht das aus? Den drei Protagonisten gelingt es hervorragend die Widerstände und die Verzweiflung, die bei dem Casting in ihnen aufkommen, die Zweifel und das Entsetzen über den drohenden Verfall der Theaterwelt, aufzuzeigen. Die Verzweiflung darüber, das nichts zu helfen scheint, gewinnt Oberhand.

Schnell ist klar. „Die Zeit ist aus den Fugen. Heute mehr denn je“. Brillant machen die drei ihre innere Zerrissenheit deutlich und zeigen auf, in welchen Strudel die Kulturwelt geraten zu sein scheint. Doch dann erscheint plötzlich der Geist von Hamlets Vater, beeindruckend gespielt von Martin Olbertz. Etwas angestaubt kommt er daher. Ein Kollege aus alten Tagen?! Kennt er doch einige Geheimnisse, trägt aber auch viele Binsenweisheiten vor sich her, als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ob das hilft?

Der rechte Pfad

Doch plötzlich entdecken die Schauspieler in dem ganzen Strudel der Aufarbeitung, dass die einzige Möglichkeit der Analyse die Aufarbeitung über die Kunst ist.

Shakespeares Hamlet scheint für die Situation wie geschaffen. Und so werden aus den Barbies plötzlich Ophelias. Sein oder nicht sein, das ist die Frage. Aushalten und hinnehmen, was das Schicksal uns beschert, oder Widerstand leisten und sich einmischen? Die Ophelias schlagen ganz unterschiedliche, gegensätzliche, Wege ein. Doch wer da wohl auf dem rechten Pfad ist? „Barbie or not to be“ – das ist hier die Frage.

Einmal mehr hat Peter Staatsmann ein beeindruckendes Stück geschrieben, das die Schwächen und Probleme der Gesellschaft unserer Zeit perfekt skizziert und kritisch vor Augen führt. Und einmal mehr gelingt es dem hervorragenden Ensemble des Zimmertheaters, ein Thema berührend, zum Nachdenken anregend und zugleich unterhaltsam darzubieten.

Untermalt wurde die zweieinhalbstündige Inszenierung mit Livemusik von Dorin Grama.

www.zimmertheater-rottweil.de