Mit „Romulus der Große“ feierte „Vorhang auf!“ in der Seminarturnhalle eine vielumjubelte Premiere. Umso erfreulicher, dass das Stück noch achtmal zu sehen sein wird.
Mit dem aktuell aufgeführten Vierakter „Romulus der Große“ von Friedrich Dürrenmatt begeben sich die Theatermacher von „Vorhang Auf!“ auf ihre bisher längste Zeitreise in die Vergangenheit.
Voller schauspielerischer Leidenschaft und mit viel Herzblut brachten die Akteure die Premiere dieser ungeschichtlichen historischen Komödie – wie jedes Jahr – am Dreikönigstag auf die Bühne der Alten Seminarturnhalle.
In dem mit Mittelgang bestuhlten Saal offenbarte sich vor den Augen der Premierengäste als Kulisse ein Treppenaufgang in den Palast des römischen Kaisers Romulus und der Kaiserin Julia sowie der Tochter, Prinzessin Rea am Abend des 15. März anno Domini 476.
Palast und zeitlich passende Kostüme
Andreas Lemke, verantwortlich für Bühnenbild, Requisite und Kostüme hat für die diesjährige Aufführung in sämtlichen Bereichen hervorragende Arbeit geleistet. Mit der Palastgestaltung ebenso wie den zeitlich passenden Kostümen ließ er die Zuschauer auch visuell in das fünfte Jahrhundert eintauchen.
Die Parodie der Tragödie rund um den Zusammenbruch des römischen Weltreichs „Romulus der Große“, uraufgeführt im Jahr 1949, wurde durch „Vorhang Auf!“, der Theater-Abteilung des Fördervereins der Alten Seminarturnhalle, großartig dargestellt.
Überraschende Momente
Regisseur Silvester Keller hat sich für diese Inszenierung einige überraschende Momente einfallen lassen, die im Zuschauerraum für beste Unterhaltung und viele Lacher sorgten. Überhaupt war die Premiere der schrillen Komödie rund um das Wechselspiel einer der Dekadenz verfallenen Gesellschaft mit einem ihr entfremdeten Herrscher ein großer Erfolg für alle Beteiligten. Vom kriegsmüden zynisch ironischen Kaiser Romulus mit großer Textmenge über den heroischen Ämilian, Verlobter von Prinzessin Rea bis zu Cäsar Rupf, einem Hosenfabrikanten, der das römische Reich durch eine Bürgerpflicht zum Hosentragen vor dem Untergang retten will, überzeugten sämtliche Darsteller mit tollen schauspielerischen Leistungen.
Hühner sind dem Kaiser wichtiger als das Vaterland
Köstlich auch, wie der Regisseur die Leidenschaft des Kaisers Romulus, für seine Hühnerzucht statt der Verteidigung seines Vaterlandes, auch akustisch inszeniert hat. Die rund zweistündige Aufführung plus Pause bot den zahlreichen Theaterfreunden in der Semihalle einen unvergesslichen Abend rund um die Liebe zum Menschen, die dem auf den Tod wartenden Kaiser wichtiger ist als die zum Vaterland.
Mit Zwischenapplaus goutierte das Publikum die Auftritte der zwölf Akteure auf der Bühne. Im Kampf gegen Krieg und Gewalt sowie Kapitalismus, Unmenschlichkeit und Heuchelei wechselte das Bühnenbild ab dem dritten Akt. Die weitere Handlung war in das Schlafgemach des Kaisers verlagert, der zum Morgenessen, sprich Frühstück Spargelwein trinkt und auf den Untergang Roms wartet.
Langanhaltender Applaus
Bespielt wurde im diesjährigen Vierakter zusätzlich zur Bühne der Semihalle eine Treppe davor sowie der Mittelgang. Ein Bereich diente als Vorzimmer zum Kaiserpalast. Veränderungen im Kulissenbereich wurden zwischen den beiden ersten und den Schlussakten bei Verdunkelung der Bühne ausgeführt. Zum Ausklang dieser Parodie der historischen Gegebenheiten samt Pensionierung von Kaiser Romulus und dem zum König von Italien inthronisierten Germanenfürst Odoaker, wurde die Aufführung rund um die Suche nach Menschlichkeit und Gerechtigkeit mit langanhaltendem und begeisterten Applaus im Stehen gefeiert. Aus den Händen von Kurt Wolz gab es Rosen für alle Darsteller und einen Blumenstrauß für Regisseur Silvester Keller.
Besetzung
In Rollen bei „Romulus der Große“ sind zu sehen:
Alberto Terriuolo, Raphael Mohrlock, Lisa Gertenmeyer, Simone Essig, Jochen Kawerau, Marie Baur, Kübra Alabay, Sven Gebhard, Silvia Katz, Carolin Stand, Manuele Pilloni und Moritz Keller.
Weitere Aufführungen und Tickets
Die weiteren Aufführungen
finden vom 10. bis 12., 17. bis 19. sowie am 24. und 25. Januar statt. Beginn ist um 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr.
Karten-Vorverkauf
im Rathauscafé, über vorhangauf.info oder an der Abendkasse (soweit nicht ausverkauft)