Der Plan ist aufgegangen: Die Männer (Wolfram Lücke, Claus-Werner Vogt, Norbert Knöpfle und Michael Knöpfle) freuen sich über den Coup mit dem fingierten Campingurlaub. Die beiden Damen (Ulrike Schoppp und Beate Schrenk) sind am Boden zerstört. Foto: Lutz Rademacher

Bei der Theateraufführung des Kirchenchors Hubertshofen/Mistelbrunn blieb kein Auge trocken. Den neuen Spielort stellte die Familie Schrenk zur Verfügung.

Binnen kürzester Zeit ausverkauft: In neuem Ambiente im Nachbarort Mistelbrunn knüpft das Theater des Hubertshofener Kirchenchors an alte Erfolge an.

 

Bei der Premiere des Dreiakters „Mit Schlafsack und Kamillentee oder der Traumurlaub“ von Regina Rösch amüsierten sich 150 Zuschauer in der Maschinenhalle der Familie Schrenk köstlich. Dabei sah es lange nicht danach aus.

Bis 2019 fanden die Aufführungen an Weihnachten im urigen Adlersaal statt. Dann kam Corona, der Adler machte zu.

Einen erfolgreichen Neubeginn gab es im April 2023 im Donaueschinger Mariensaal. Aufgrund der starken Belegung stand dieser aber für weitere Aufführungen nicht zur Verfügung, zumal man für die Proben über mehrere Wochen eine Bühne benötigt. So ging die Suche nach einem Spielort weiter. Schließlich erklärten sich Beate Schrenk, die seit vielen Jahren zum Ensemble gehört, und ihr Mann Heiner bereit, die Halle auf ihrem Hof in Mistelbrunn auszuräumen. Hier stellte man die altehrwürdige Bühne auf, die Adler-Wirt Willi Maier einst für die Theateraufführungen konstruiert hatte. Dazu kam moderne Technik, die den Ton auch zu den hintersten Plätzen transportierte.

Neubeginn nach drei Jahren

So konnte man nach fast drei Jahren endlich wieder mit den Proben beginnen. Bis auf Urgestein Günter Preis waren alle wieder an Bord, Michael Knöpfle fügte sich nahtlos ins Ensemble ein. Drei Akte und fast drei Stunden Spielzeit waren eine große Herausforderung für die Akteure. Eine richtige Hauptrolle gab es nicht, was sehr viel Text für jeden bedeutete. Unter der Regie von Andreas Willmann und Heidi Mayer-Löhr wurde dreimal die Woche, insgesamt 24 Mal, geprobt.

Disput zwischen den Eheleuten Pfennig (Ulrike Schorpp und Wolfram Lücke), Schwager Franz Fischer (Claus-Werner Vogt, vorne) hört zu. Foto: Lutz Rademacher

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Wie bei den Stücken von Regina Rösch üblich, überzeugte auch dieser Dreiakter mit Intrigen, Verwicklungen und einem überraschenden Finale. Aber dazu gehören natürlich auch Darsteller, die das im Ursprung hochdeutsche Stück trocken in Baaremer Mundart vortragen und auch mit ihrer Mimik dazu beitragen, dass im Zuschauerraum kein Auge trocken bleibt.

Frauen sinnen auf Rache

Seit Jahren haben die Freunde Gottfried Pfennig (Wolfram Lücke), ein chronischer Hypochonder, und Oswald Fuchs (Norbert Knöpfle) ihren Frauen Olga (Ulrike Schorpp) und Klothilde (Beate Schrenk) einen Traumurlaub versprochen. Doch eigentlich möchten sie ihr hart verdientes Geld nicht für eine Kreuzfahrt auf der „Aida“ verwenden.

Sie inszenieren einen Campingurlaub als Radiogewinn und proben ihn zusammen mit den Schwagern Klaus Dösel (Michael Knöpfle) und Franz Fischer (Claus-Werner Vogt) im heimischen Wohnzimmer. Als dann noch die beiden Schönheiten Jacqueline Meier(Stefanie Preis) und Carmen Fröhlich (Tatjana Ritter) auftauchen, macht es den Männern richtig Spaß. Die beiden Ehefrauen hingegen stehen im Abseits und sinnen auf Rache. Eine rundum gelungene Vorstellung, die nicht nur das Publikum begeisterte, sondern auch den Akteuren sichtlich Spaß machte.

Lange Theatertradition in Hubertshofen

Schon um das Jahr 1900
Das Theaterspielen hat in Hubertshofen eine lange Tradition. So ist auf alten Bildern des Gasthauses Adler um 1900 ein Bühnenanbau zu erkennen, Aufführungen vor dem Ersten Weltkrieg sind belegt. Es gab damals zwei Gruppen. Die Feuerwehr führte am Patroziniumstag volkstümliche Luststücke auf, während dem Weihnachtstheater des Kirchenchors ernstere Stücke vorbehalten blieben. Das blieb bis 1958 so. Neues in den 70ern
Das Weihnachtstheater blieb erhalten und das traditionell ernste Stück wurde 1974 durch Fritz Heimburger um einen heiteren Einakter erweitert. 1978 ging man zu abendfüllenden, heiteren Mundartstücken über und die Regie wechselte auf die jeweiligen Vorsitzenden des Kirchenchors. Seit 2002 bis heute hat Andreas Willmann die Leitung.