Bild zum Interview mit Dirigentin Eva-Maria Moosmann Foto: privat

Eva-Maria Moosmann hat die Geschichte des Musikvereins Mariazell um ein Kapitel erweitert. Als erste ausgebildete Dirigentin des Vereins schwang sie beim Konzert des Hauptorchesters den Taktstock beim Musikstück „Mazury Rhapsody“.

Unsere Redaktion hat daher bei der 32-Jährigen Hauptamtsleiterin der Gemeinde Eschbronn, Eva-Maria Moosmann, nachgefragt.

 

Wie lange spielen Sie schon im Musikverein Mariazell, und welches Instrument?

Seit rund 20 Jahren. Vorwiegend Tenorsaxophon, ich kann aber auch Klarinette und Altsaxophon spielen.

Sie haben im November die Prüfung zur Dirigentin mit der Note 1,4 bestanden. Welchen Anlass hat es für diese Ausbildung gegeben?

Die Motivation kam von unserem Dirigenten Armin Kaltenbach. Er fragte mich vor zwei Jahren und nochmals beim Sommerfest 2022, ob ich mir das vorstellen könnte. Im Dezember 2022 habe ich auf die Homepage des Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) geschaut und erstaunt festgestellt, dass für ein Dirigentenkurs in zwei Tagen Meldeschluss ist. Ich habe mich dann spontan angemeldet.

Wie lange dauerte die Ausbildung?

Die erste Einheit startete vom 2. bis 5. Januar 2023. Danach folgten ein bis zwei Wochenenden pro Monat von Freitagabend bis Sonntagmittag. Im November fand die Prüfung statt.

Wie schwer war diese und wie sind Sie mit dem Abschluss zufrieden?

Der theoretische Teil war sehr anspruchsvoll, das Dirigieren fiel mir persönlich einfacher. Viel härter war jedoch die elfmonatige Lehrgangszeit, die ich neben meiner Berufsarbeit unter einen Hut bringen musste. Bei 23 Teilnehmern bin ich stolz darauf, zu den Jahrgangsbesten zu gehören.

In welchem Verhältnis gibt es weibliche und männliche Dirigenten?

Noch sind die Männer in der Überzahl. Die Frauen holen aber auf. Im Kurs war es ausgeglichen. Im Musikverein Mariazell bin ich die erste Dirigentin.

Sind Dirigenten/Dirigentinnen gesucht?

Ja, sehr sogar. Da steht man vor dem Orchester und muss den Musikern vermitteln, wie sie ein Stück musikalisch interpretieren sollen. Dazu gehört auch, ihnen den Rhythmus vorzusingen oder Schwingungen in der Intonation auszugleichen. Dazu braucht es große Fähigkeiten. Ein Dirigent muss die Musikstücke verarbeiten, analysieren und die Kapelle weiterbringen. In einem Orchester gibt es viele Charaktere, da braucht es Feingefühl und das ist nicht jedermanns Sache.

Welche Ziele haben sie für die Zukunft?

Mein Gelerntes muss ich festigen. Ich werde deshalb einen Musikverein suchen, um ein Hauptorchester zu dirigieren. Ich habe auch schon erste Anfragen vorliegen. Ich hoffe, dass sich die Probentage nicht überschneiden, denn ich will weiterhin beim Musikverein Mariazell spielen.

Können Sie sich vorstellen, aus dem Hobby einen Beruf zu machen?

Eher nicht, weil ich Musik nicht studiert habe und ich mich daher im Amateurbereich bewege. Das Musizieren und Dirigieren sollen mir weiterhin Spaß bereiten und ein Hobby bleiben.

Warum lassen sich immer noch junge Menschen für die Blasmusik begeistern, wo doch Volksmusik bei ihnen verpönt ist?

Vieles kommt von der Tradition aus dem Ort. Man wird von den Eltern oder Geschwistern dahin geführt. In einem Blasorchester wird nicht nur Polka gespielt, sondern auch richtig gute Unterhaltungsmusik. Die kann auch in Richtung Band gehen wie beispielsweise es die „Fääschtbänkler“, „Draufgänger“ oder „Viera Blech“ tun. Aus diesem Grund habe ich die musikalische Leitung der Dätschmusik vom Musikverein Locherhof für die Fasnet 2024 übernommen.

Die Fragen stellte Lothar Herzog.