Jeder Blinde hat einen Begleiter dabei, der nützliche Details zum Weg kommuniziert und somit die Sicherheit garantiert. Foto: Zoller

Mit allen Sinnen unterwegs: Eine besondere Wanderwoche feierte auf dem Dobel Premiere. 16 Teilnehmer aus ganz Süddeutschland machten mit. Blinde und Sehende waren beim Wandern vereint.

Wenn Sehende wandern, nehmen sie den Schwarzwald mit den Augen wahr, die Weite, das Lichtspiel zwischen den Bäumen, die Fernblicke über Täler und Höhen. Blinde und sehbehinderte Menschen hingegen erleben ihn auf eine ganz andere, vielleicht sogar noch intensivere Weise: Sie hören das Rascheln des Laubs, riechen den harzigen Duft der Tannen, spüren den Wind, die Sonnenwärme und die Bodenbeschaffenheit unter ihren Füßen.

 

Viel Herzblut Eine ganz besondere Wanderwoche feierte auf dem Dobel Premiere und machte dieses intensive Naturerlebnis im Nordschwarzwald möglich. Rund um den Höhenort, der als Ausgangspunkt diente, legten die Teilnehmer in einer Woche etwa 80 Kilometer zurück.

Gemeinsam mit dem Blinden-Fachwart für Inklusion, Ralf Augspurger, hatte das dreiköpfige Organisationsteam des Schwarzwaldvereins Pfalz-Weitsicht mit Oliver Kayatz und Ellen Kitter die einzelnen Tagestouren mit viel Herzblut, Erfahrung und Liebe zum Detail vorbereitet. Für Augspurger bedeutete die Veranstaltung zugleich eine Rückkehr in den Nordschwarzwald, nachdem er bereits in früheren Jahren Blindenwanderwochen in Bad Liebenzell organisiert hatte.

Ganz andere Wahrnehmung

„Es geht nicht nur ums Wandern, sondern ums Fühlen, Riechen, Lauschen, um das bewusste Erleben der Natur mit allen Sinnen“, sagt Ellen Kitter und betont: „Jede Etappe ist auch für die sehenden Begleiterinnen und Begleiter eine Entdeckungsreise, die auf diesen Touren die Welt selbst ganz anders wahrnehmen.“

16 Teilnehmer Mit insgesamt 16 Teilnehmern aus ganz Süddeutschland waren Blinde und Sehende in der vergangenen Woche beim Wandern im Nördlichen Schwarzwald vereint.

Mit der 13 Kilometer langen Tour „Ins Tal der Lehmänner“ startete die Woche, die Wettertechnisch viele Überraschungen bereithielt. Über das Sonnentor, den Aussichtsturm und den Pflanzengarten führte der Weg durch den Naturraum rund um Dobel mit Waldpfaden, Wasserstellen und kleinen Rastplätzen. „Freude kam auf, als am „Wasserwegli“ die Eyach auf jedem Meter unterschiedlich murmelte, gurgelte, plätscherte oder rauschte“, so Ralf Augspurger, der seit 20 Jahren erblindet ist.

Echte Herausforderung

Tags darauf stand der zweite Teil der Westweg-Etappe von Neuenbürg nach Dobel auf dem Programm. Mit 16 Kilometern und 600 Höhenmetern aufwärts eine echte Herausforderung. Auf der Schwanner Warte gab es eine Pause mit herzhaften Vespern und vegetarischen Brotaufstrichen, ermöglicht durch die Unterstützung des Schwarzwaldvereins Straubenhardt mit Ute und Michael Knöller-Kraft.

Danach führte der Weg über die Volzemer Steine zurück nach Dobel. Der sehbehinderte Kurt Maurer aus Ludwigshafen freute sich besonders, dass um ihn herum „geschwäbelt“ wurde. Am dritten Tag lautete das Motto „Rund um Höfen“ und nach einem Besuch der evangelischen Kirche mit Messnerin Irene Heizmann ging es zur Fischzucht Zordel. Dort erlebte die Gruppe durch Oliver Felbrich die Forellenzucht hautnah, von den Wasserbecken über die Aufzucht bis zur Verarbeitung. „Man konnte richtig hören, wie das Wasser in den Becken rauschte, und der Geruch der frischen Forellen lag in der Luft“, schwärmte Susi Wolf. Der kulinarische Höhepunkt: frisch zubereitete Forellen. „Ein Genuss, den man nicht sieht, aber umso mehr schmeckt“, wie Severin Samland bemerkte.

Tag vier verfolgte mit dem Titel „Grüne Unendlichkeit“ eine Wanderung bei Bad Wildbad die sich als Rundtour mit Rucksackverpflegung über elf Kilometer erstreckte. Durch den Kurpark ging es über den Walter-Speer-Weg hinauf zu den „Fünf Bäumen“. Der Rückweg führte über eine grüne Unendlichkeit zurück zum Bahnhof. Zum Abschluss gönnte sich die Gruppe einen Stopp bei Kaffee und Kuchen in der Bad Wildbader Kaffeemanufaktur. Unterstützt wurde diese Etappe durch engagierte Begleiter vom Schwarzwaldverein Waldbronn mit Franz Linemann am ersten und Klaus Habedank am vierten Wanderetag. Auch die beiden darauffolgenden Tage waren erlebnisreich, denn eine Sturmwarnung ergab eine Planänderung und damit den Besuch der Stadt Ettlingen, was mit der Konus-Karte bestens funktionierte. Am letzten Tag zeigte sich wieder die Sonne, um die aussichtsreiche Panoramawanderung von Rotensol nach Neusatz zu erleben und bei Lederkünstler Michael Hoppe auf dem Dobel Wissenswertes zur Verarbeitung von Leder zu erfahren.

Planänderung wegen Sturmwarnung

Freiheit pur „Diese Woche zeigt, dass Wandern keine Frage des Sehens ist, sondern des Fühlens und der Gemeinschaft“, sagt Ellen Kitter mit leuchtender Stimme. „Man spürt den Wind, hört das Rauschen des Waldes und das Knacken der Schritte im Laub, das ist Freiheit pur. Und besonders bewusst wird mir das dank der Blinden und Sehbehinderten. Es ist ein Geben und Nehmen von beiden Seiten, den Blinden und den Begleitern.“