Momo gespielt von Hanna Im Hof, Bildmitte, trotzt den Zeitdieben und hat immer ein offenes Ohr für ihre Freunde. Foto: Richard Becker

Mit Szenenapplaus und minutenlangem Beifall bedankte sich das Publikum bei den Akteuren des Theaters Lindenhof in Melchingen nach der gelungenen Premiere von „Momo“.

Dabei war der Entschluss der Lindenhofakteure, den nachdenklich-tiefgründigen und prämierten Jugendbuchklassiker von Michael Ende aus dem Jahre 1973 als Bühnenstück zu bearbeiten, durchaus ein Wagnis.

 

Regisseur Christoph Biermeier und Dramaturg Georg Kistner setzten dabei nicht nur auf die schauspielerischen Qualitäten des Lindenhof Ensembles, in dem fast alle Darsteller in Mehrfach-Rollen glänzen, sondern auch auf die kreativen Kräfte der Bühnengestalterin Gesine Mahr und der Kostümbildnerin Katharina Müller.

Dynamik auf einem schwarz-weißen Rondell

Mahr lässt ihre Akteure auf einem schwarz-weißen Rondell, das sich dreht und teilweise für rasante Dynamik sorgt, agieren und adaptiert so geschickt, dass im Buch die Heldin der Geschichte, die kleine Momo, ja außerhalb der Stadt in einem alten Amphitheater wohnt.

Den Schauspielern verlangt das Bühnenbild und die Dramaturgie freilich Einiges ab. Da geht es um schnelle Rollen- und Szenenwechsel, fast nahtlos ineinander übergehende Auftritte und teilweise sportliches Verlassen des Rampenlichtes. Eine Herausforderung, die das Ensemble mit großer Energie und Bravour meistert.

Da sind Stefan Hallmayer als unermüdlicher Straßenkehrer, Luca Zahn als Fremdenführer Gigi, Johanna Grässle als Fusi, der Friseur und Berthold Biesinger, als der Gastwirt Nino. Den Meister Hora spielt Franz Xaver Ott.

Verdienten Szenenapplaus gab es für Carola Schwelien, die als Puppe Bibigirl mit kreischender Stimme und immer schneller werdendem sich am Ende überschlagendem Text alle Register ihres Könnens zog. Und auch für Linda Schlepps, die als Schildkröte Kassiopeia, schrill und bunt ausstaffiert auf dem sich drehenden Rondell mühelos wie ein Skater dahin zu gleiten scheint.

Carola Schwelien, ganz links, als Puppe Bibigirl, bekam Szenenapplaus. Foto: Richard Becker

Mit kindlichem Charme und großer Unbefangenheit gibt Hanna Im Hof die Momo, die lange Zeit als Einzige den wahren Wert der Zeit erkennt. Die verschenkt sie großzügig an ihre Freunde, hört ihnen geduldig zu und hilft damit jedem dabei, über sich hinauszuwachsen und ein besseres Selbst für sich zu entwerfen. Als ihre Freunde immer weniger Zeit für Gespräche haben, entdeckt Momo die Machenschaften der grauen, ständig rauchenden Männer und Frauen von der Zeitsparkasse und tritt mit Hilfe von Schildkröte Kassiopeia, Meister Hora und den magischen Stundenblumen gegen sie an.

Mit „Momo“ ist dem Burladinger Theater Lindenhof in Melchingen wieder ein großer Wurf gelungen und das Ensemble liefert ein Meisterstück ab. Auch, weil die Adaption ein Familienstück im besten Sinne geworden und für große und kleine Theaterbesucher gleichermaßen geeignet ist.