Szene aus dem Live-Hörspiel „Erste Hilfe“ im Theater der Altstadt Foto:  

Nach dem gleichnamigen Roman von Mariana Leky: Das Live-Hörspiel „Erste Hilfe“ im Theater der Altstadt bearbeitet ein massives psychisches Problem auf lockere, oft amüsante Weise.

Auf der Bühne stehen drei Schreibtische mit Telefonen, Tassen, einem Goldfischbehälter und einer Uralt-Rechenmaschine. Dann gibt es noch einen Vogelkäfig, Plastikbehälter, einen Schuh auf Kieselsteinchen und noch viel mehr Dinge, mit denen man Geräusche erzeugen kann. Die Erzählerin und ein Mann namens Sylvester betreten die Bühne (María Martínez Peña). Sie sind eine Art Zweier-Wohngemeinschaft und kein Paar, wenn auch Sylvester seine Mitbewohnerin penetrant mit dem Satz „Ich liebe dich“ konfrontiert. Jens Woggon spielt ihn als versponnen-intellektuelle Type, während Ronja Schweikert, die Erzählerin und zugleich eine Figur des Stücks, eine sehr klare, bodenständige Ausstrahlung hat.

 

Nach dem Roman von Mariana Leky

„Erste Hilfe“ heißt das am Freitag im Theater der Altstadt uraufgeführte Live-Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Mariana Leky (2004), das der Theater- und Hörspielregisseur Günter Maurer für die Bühne bearbeitet und inszeniert hat. Das Stück hat erst einmal Wohlfühltendenzen, wenn eine Zoohandlung präsentiert wird, in der die Erzählerin arbeitet. Da quiekt und raschelt es putzig; der von Jens Woggon gesprochene Inhaber agiert autoritär, und Ronja Schweikert berichtet bebend: „Das Herz der Springmaus in meiner Hand klopfte schnell.“ Doch es gibt eine ernste Ebene – sie ist das Hauptthema des so ungewöhnlichen wie spannenden Bühnengeschehens. Es erscheint Matilda, fein und sensibel von Caroline Sessler verkörpert. Sie hat eine massive Angststörung, hält sich für verrückt und fürchtet, von ihrer Umwelt so wahrgenommen zu werden. Die Erzählerin und Sylvester wollen ihr helfen und versuchen das auf so rührende wie unprofessionelle Weise. Irgendwann schleppen sie die Freundin zu Fachleuten, und da gelingt dem Stück eine witzige Psychotherapeuten-Parodie.

Witzige Psychotherapeuten-Parodie Foto: Jeanette Bak

Live-Hörspiel – das ist hier eine tolle, formal hoch spannende Sache. Man hört direkte Dialoge, doch alle drei Agierenden erzählen auch. Und sie fabrizieren Geräusche, einen brummenden Automotor, über Kies laufende Schritte, Partygeplapper, ein zu Boden krachendes Tablett. Zu erleben ist eine perfekte Mixtur aus Drama, Hörspiel und Prosatext, von Günter Maurer souverän-professionell realisiert. Bearbeitet wird ein massives psychisches Problem, sehr ernsthaft, aber zugleich auf eine lockere, oft amüsante Weise. Das macht die Qualität dieser wunderbar eigenwilligen Theaterproduktion aus.

Erste Hilfe:Theater der Altstadt, 10. bis 13., 16. bis 19., 24. bis 27. und 30. April, 1. bis 3. Mai