Szene aus „Sein oder Nichtsein“ Foto: Jeanette Bak

Gute Gratwanderung zwischen Ernst und Komik: Im Theater der Altstadt ist die aberwitzige Satire „Sein oder Nichtsein“ zu sehen.

Geht das überhaupt? Eine Komödie über den Widerstand gegen die Nazis? 1941 drehte Ernst Lubitsch den Film „Sein oder Nichtsein“, und bei seinem Erscheinen 1942 fanden ihn manche Kritiker geschmacklos. Jetzt hat Christof Küster im Theater der Altstadt die gleichnamige, 2008 uraufgeführte Komödie von Nick Whitby inszeniert. Da fällt dann schon mal ein so gruseliger wie makabrer Satz wie dieser: „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin, wieder Gestapo-Luft zu atmen.“ Schauplatz ist ein Warschauer Theater, dem 1939 ein nazikritisches Stück von der polnischen Zensur verboten wird. Kurz danach wird Polen von den Deutschen überfallen.

 

Das Ensemble des Theaters ist eine Mischung diverser Typen, deren Hauptfigur der eitle und krankhaft eifersüchtige Josef (wunderbar blasiert: Boris Rosenberger) ist. Seine Gattin Maria, auch Schauspielerin, spielt Caroline Sessler gekonnt parodistisch als Diva mit Pelz-Stola. Überhaupt: Zu sehen ist kein historisch ambitioniertes Stück, sondern eine Satire. Die Bühne hat María Martínez Peña mit einer Drehbühne gestaltet, dessen Blockelemente und Treppen bespielt werden.

Und nun entfaltet sich eine so absurde wie rasante Handlung. Ein obskurer Professor, Gestapo-Spion, will den Nazis eine Liste mit Namen der gesamten polnischen Untergrundbewegung liefern. Der polnische Bomberpilot Sobinky (Christian Streit) plant, den Professor zu töten. Sobinky ist zugleich Möchtegern-Liebhaber jener Diva namens Maria. Nun heben irrwitzige und spannende Szenen an, die eine immer wieder amüsante Mixtur aus Eifersuchtskomödie, Satire und Antinazi-Widerstands-Drama bieten.

Die Nazi-Schergen werden mit Verwechslungs- und Verkleidungstricks aufs Kreuz gelegt (Kostüme: María Martínez Peña). Das Stück bekommt die Gratwanderung zwischen Grauen und Komik hin. „Ich sollte sofort mit dem Erschießen beginnen“, meint der Gestapo-Offizier Erhardt (schaurig-schräg: Karlheinz Schmitt) trocken, und der grauenerregende Satz hat etwas Alltäglich-Pedantisches. Dass man ihn „Konzentrationslager-Erhardt“ nennt, scheint ihn zu amüsieren. Zu sehen ist eine Inszenierung, die das Komödiantische und das Bitterernste einleuchtend verknüpft. Auf Lubitsch’ Film und diese an ihm orientierte Komödie folgten noch jahrelang unsägliche deutsche Verbrechen. Doch man kann die provokative Witzigkeit dieses Stücks, das ja auch hellsichtig war, akzeptieren.

Sein oder Nichtsein. Weitere Termine bis zum 28. Juni