Ulrike Riesterer ist die „Winterrose“ im gleichnamigen Stück und trifft vor ihren Dates immer auf den eigenbrötlerischen Rentner Anton, gespielt von Harry Grüneis. Foto: Birgit Heinig

Eine gelungene Premiere feierte die Komödie „Winterrose“ im Villinger Theater am Turm. Das Stück lebt von Situationskomik ebenso wie von traurigen Momenten.

„Ein schöner Platz – der Teich, die Enten, die Stille“. So kommentiert Elisabeth die Stelle, an der sie fast jeden Mittwoch an einer Parkbank auf den eigenbrötlerischen Rentner Anton trifft.

 

Sie ist da, weil sie sich unter der Chiffre „Winterrose“ immer wieder per Annonce mit Heiratskandidaten im gegenüberliegenden Café Kindermann trifft und die Herren, die an einer unter den Arm geklemmten Zeitung zu erkennen sind, von da aus schon einmal per Opernglas in Augenschein nimmt, er, weil er in Ruhe Dantes „Göttliche Komödie“ lesen will. Da treffen zwei Gegensätze aufeinander.

Sie plaudert munter drauflos, er liebt das Schweigen und die Einsamkeit, sie ist auf der Suche nach einem späten Liebesglück, er meidet Bindungen. Jeder ist vom anderen genervt, trotzdem tauschen sie sich rege, aber freilich kontrovers aus und werden dabei vom jungen Parkgärtner Emil mit Kommentaren und Lebensweisheiten bedacht.

Die romantische Komödie der Salzburger Schauspieler- und Autorenfamilie Christa, Agilo und Michael Dangl feierte am Samstag Premiere im Theater am Turm. Die Regisseurin Cornelia Burkart traf mit der Wahl sowohl des Stückes und dessen Inszenierung als auch der schauspielerischen Besetzung den Nerv des Publikums – wie die positiven Reaktionen der rund 100 Gäste am Premierenabend in dem kleinen Stadtmauertheater zeigten.

Parkpfleger hält sich aus Beziehungshickhack heraus

Ulrike Riesterer brillierte als gebildete Witwe, die sich trotz immer wieder erlebter Enttäuschungen mit Muttersöhnchen, Anlagebetrüger, pflanzenverrücktem Sonderling und unerträglichem Witzkeks nicht von ihrem Traum ablässt, „jemandem zum Reden“ zu finden. Daneben gibt Harry Grüneis überzeugend den verschlossenen, belesenen und von der Ehe enttäuschten Entenversteher, der sommers wie winters auf seiner Parkbank sitzt und den Enten zusieht, denen er die Namen „Oberon“ und „Titania“ gegeben hat. Mit seinem Interesse an der Tierwelt – und überhaupt an allen Wissenschaften – steckt er auch Parkpfleger Emil an, frisch gespielt von Christian Fleig. Emil wird für Elisabeth und Anton zum Vertrauten und Ratgeber, der sich ansonsten – „ich bin dann mal weg“ – aber aus dem Beziehungshickhack heraushält.

Das Stück lebt nicht nur vom Mysterium menschlicher Bindungen, sondern auch von Situationskomik, etwa wenn Anton Emil seine Yoga-Übungen vormacht oder wenn Elisabeth von den Macken ihrer Kandidaten – „Bildzeitung unterm Arm bedeutet Null Niveau“ – berichtet.

Ebenso gibt es traurige und nachdenkliche Momente, welche die „Winterrose“ erst rund und den Abend im Theater am Turm wieder einmal zu einem inspirierenden Erlebnis machen.

Aufführungen

Vorverkauf
Weitere Vorstellungen stehen am 11., 18., 20., 21., 24., 25., 28. und 29. März sowie am 1., 2., 8., 10. und 11. April auf dem Programm. Karten gibt es für 16 Euro, ermäßigt elf Euro, im Vorverkauf unter www.theater-am-turm.de, in der Buchhaltestelle in der Brunnenstraße oder an der Abendkasse.