Die Schauspieler Rino Hosennen (links) und Hannah Im Hof mussten lernen, die Kontrolle auf der Bühne abzugeben. Foto: Haug

"Quizoola!", das am Samstag, 3. Dezember, im Theater Lindenhof Premiere feiern wird, ist kein Stück sondern ein Spiel. Das stellt der Regisseur Johannes Schleker klar. Das Ziel: die Überforderung.

Burladingen-Melchingen - Zum einen der Schauspieler – es stehen zwei davon auf der Bühne – aber auch des Publikums. Warum man sich trotzdem darauf ein-lassen sollte, ja warum der Reiz gerade in dieser Überforderung liegt, wird bei einem kleinen Probenauszug deutlich: Im Raum auf zwei Stühlen befinden sich die zwei Schauspieler Rino Hosennen und Hannah Im Hof.

Vor ihnen liegt ein 68 Seiten umfassender Fragenkatalog. Fragen, die der Schreiber und Performance-Künstler des Stücks Tim Etchells vorgibt, aber auch viele Fragen, die den SchauspielerInnen und dem Regisseur während des Probenprozesses eingefallen sind.

Zebras und der Sinn des Lebens

Laut Spielvorgabe von Etchells müssen sich die zwei SchauspielerInnen nun abwechseln diesen Fragen stellen und, so die Vorgabe, alle Fragen beantworten. Es beginnt der Schauspieler, der sich zuerst den Fragenkatalog krallt. Er stellt die Fragen. Es sind Wissensfragen über Bienen und Zebras, aber auch welche, die den Sinn des Lebens und eigene Befindlichkeiten abfragen, es geht um ganz Allgemeines, aber auch sehr Persönliches.

Oszillieren zwischen diesen Polen

Das Oszillieren zwischen diesen Polen macht Quizoola! spannend. Den Schauspielern steht es frei, die Fragen ernst, mit Humor, tiefgehend oder auch oberflächlich abzuhandeln. Ob der Schauspieler nun gerade sein Innerstes nach außen kehrt oder einfach nur "spielt" ist dabei nicht ersichtlich.

Stress, Müdigkeit

Laut Schleker fordert Quizoola! von den SchauspielerInnen unheimlich viel Offenheit und Mut. "Das Ziel der Spielanordnung ist es, in eine maßlose Überforderung zu kommen. Durch Stress, Müdigkeit, durch gewisse Vorgaben, die der Fragende machen kann. Scheitern ist bei dieser Spielanordnung eine Notwendigkeit und wird an jedem Abend stattfinden", so Schleker.

"Musste lernen, die Kontrolle abzugeben"

"Die einzige Sicherheit, die wir beide auf der Bühne haben", so Rino Hosennen, "sind die Fragen und unser Spielpartner. Ich musste lernen, die Kontrolle, die man ja gerne auf der Bühne hätte, abzugeben und mich einfach hineinzugeben. Das kostet viel Überwindung." Wahrhaftig zu sein und trotzdem das Spielen nicht zu vergessen, sei für sie die größte Herausforderung, sagt Hannah Im Hof.

Und die Zuschauer?

Und was macht Quizoola! mit dem Zuschauer? Bereits nach wenigen Minuten merkt man, wie man sich den Fragen nicht entziehen kann, wie man selbst anfängt nach Antworten zu suchen, um dann, mitten im Denkprozess, mit der Antwort des Schauspielers konfrontiert zu werden. Hieraus kommt die Überforderung, die durchaus Spaß macht und einen ganz sicher mit mehr Fragen als Antworten aus der Perfomance gehen lässt. Für die Antworten bleibt einem selbst allerdings alle Zeit der Welt.