Reinhard Kattinger spielt die Rolle des Gustaf Gründgens (Mitte). Foto: Baublies

Die Theaterbühne im Keller führt in den kommenden Wochen mehrmals ein Stück nach dem berühmten Roman im Stiftsschaffneikeller auf.Unsere Redaktion hat eine Probe besucht.

Mit „Mephisto – Roman einer Karriere“ hat Klaus Mann 1936 ein einflussreiches Werk veröffentlicht. Vorbild der Hauptperson Hendrik Höfgen war Gustaf Gründgens, der im Dritten Reich von Nazi-Bonze Hermann Göring gefördert wurde. Bekannt geworden war er als Schauspieler vor allem in der Rolle des Mephistopheles in Goethes „Faust“. Mit der Maske des Mephistopheles hatte Gründgens bereits im Jahr 1932 in Berlin Maßstäbe gesetzt.

 

In der Ankündigung zum Stück im Stiftsschaffneikeller steht der Satz „Ein Schauspieler verkauft seine Seele – nicht an den Teufel, sondern an die Macht.“ Bei der Theaterfassung nach Klaus Jonigk, die vor fünf Jahren Uraufführung hatte, treten in Lahr unter anderem Gustaf Gründgens (Reinhard Kattinger) und Hermann Göring (Ralf Kuchhheuser), Erika Mann (Rebecca Fischer) und Katia Mann (Gisela Griesbaum) auf. Mit den historischen Namen ist das Anliegen erklärt: „Denn die Figuren dieses Abends sind keine Schatten vergangener Zeit, sondern Spiegel.“

Filmausschnitte zeigen die Wirkung von Gründgens

Beim Gespräch wird deutlich, dass sich das Ensemble der nicht einfachen Geschichte von „Mephisto“ bewusst ist (siehe Info). Christopher Kern (Regie) bringt das Anliegen der Gruppe mit einer Frage auf den Punkt: „Wie hätten wir uns damals verhalten?“ Eine Überlegung ist diese: Hätte das Ensemble während des Dritten Reichs einfach nur Klassiker aufgeführt, um nicht anzuecken? Philipp Braunhart, der die bekannte Maske des Mephistopheles in der Rolle des Todes verwendet, beschreibt die Hauptfigur derweil als den „Typ des opportunistischen Chamäleons“.

Die Rolle des Hendrik Höfgen beziehungsweise Gustaf Gründgen, um die sich in der Inszenierung alles dreht, bleibt in sich widersprüchlich. Das Ensemble, das es so seit Jahren gibt, wird daher sehr vielfältig auftreten. Der Stoff ist im Roman und in der realen Biografie angelegt.

Gründgens machte im Dritten Reich Karriere als Schauspieler und Intendant. In der Romanvorlage wird Hendrik Höfgen (in dem Gründgens zweifelsfrei zu erkennen ist) als eine zerrissene und von Selbstzweifeln geplagte Figur beschrieben, was seine Verstrickungen mit den braunen Machthabern betrifft. Real war das Engagement von Gründgens, der sich gegenüber den Nazis mehrfach für jüdische Schauspielkollegen einsetzte. Im Roman kommt die echte Homosexualität Höfgens/Gründgens nur indirekt vor. Auf der Bühne in Lahr spielt das wiederum eine Rolle. Welche Wirkung der echte Schauspieler Gustaf Gründgens gehabt hat, soll auf einer Leinwand während des Stücks mit Filmausschnitten und Interviews dargestellt werden. Das ist im Stiftsschaffneikeller mit diesem Ensemble neu.

Heute noch bekannt und zu Recht berühmt ist Gründgens Rolle als Schränker im Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang aus dem Jahr 1930. Eine legendäre Rolle während des Dritten Reichs war seine Darstellung als Hamlet (1936). Gründgens wurde hier allerdings im „Völkischen Beobachter“ namentlich von Alfred Rosenberg angegriffen. Seine Sätze „Die Welt ist aus den Fugen“ und „Ganz Dänemark ist ein Gefängnis“ wurden als tendenziös eingestuft. Auch nach dem Dritten Reich hielt Gründgens Karriere an – Erfolg hatte er etwa mit der Rolle des Mephistopheles in der Verfilmung „Faust, der Tragödie erster Teil“ aus dem Jahr 1960.

Mit der Inszenierung betritt die Gruppe Neuland

Mit ihrer Inszenierung betreten Regisseur Christopher Kern und die zwölf Darsteller nun noch in einem anderen Sinne Neuland. Das liegt zum einen daran, dass alle Mitspieler über das gesamte Stück auf der Bühne präsent sein werden. Zur Aufführung gehören eine Garderobe auf der Bühne und die nicht ganz neue Idee eines „Stücks im Stück“. Diese zwei letztgenannten Ideen zusammen sind so originell, dass sie hier nicht weiter verraten werden sollen. Die Überraschung bleibt den Aufführungen vorbehalten.

Die Premiere von „Mephisto“ ist am Freitag, 6. März, von 20 Uhr an im Stiftsschaffneikeller.

Hintergrund des Romans

Klaus Mann hat „Mephisto – Roman einer Karriere“ im Exil 1936 in Amsterdam veröffentlicht. Er hat in einem Essay dem Vorwurf des Schlüsselromans widersprochen und von einem „notwendigen Typus“ geschrieben, der in seiner Geschichte vorkommt. Die Theaterbühne im Keller hat als Vorlage zu ihrer Inszenierung die Dramatisierung von Thomas Jonigk aus dem Jahr 2020 verwendet. Der hat ausnahmslos die realen Vorbilder statt der fiktiven Namen des Romans für seine Figuren eingesetzt. Dem folgen die Darsteller in Lahr nur teilweise.