Der Komiker, Schauspieler und Autor Hape Kerkeling ist in Rottenburg mit dem Eugen-Bolz-Preis ausgezeichnet worden.
Vor der Preisverleihung sagt er in einer Pressekonferenz im Hotel Martinshof, was ihn am Preis bewegt. „Demokratie braucht sanfte Zensur“, betonte Kerkeling mit Blick auf rechtsextreme Tendenzen an Schulen und in der Gesellschaft.
Der Preis erinnert an den katholischen Politiker und NS-Widerstandskämpfer Eugen Bolz, der 1945 hingerichtet wurde. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.
Kerkeling, der erst vor wenigen Tagen auch den Jakob-Grimm-Preis in Baden-Baden entgegengenommen hatte, sprach offen über seine Überraschung, für eine solche Auszeichnung ausgewählt worden zu sein: „Als ich die Nachricht bekam, dass ich eben ausgewählt wurde für diesen Preis, stockte mir erstmal der Atem. Ich dachte: Ist das wirklich so mutig, was ich getan habe?“ Nach längerem Nachdenken habe er erkannt: „Es ist eine große Ehre, diesen Preis zugesprochen zu bekommen und ihn entgegennehmen zu dürfen.“
Familiengeschichte als prägende Erfahrung
Einen persönlichen Bezug zum Thema Widerstand stellte Kerkeling über seine Familiengeschichte her: „Mein Großvater Hermann war von 1933 bis 1945 von den Nazis wegen Hochverrats inhaftiert und gehörte dann zu den Gefangenen, die von den Amerikanern 1945 in Luckenwalde befreit wurden.“ Vielleicht trage das auch dazu bei, „dass ich an gegebener Stelle, wo ich denke, es ist notwendig, versuche, als Bürger dieses Landes meine Stimme zu erheben“.
Kerkeling erinnerte an seine vielbeachtete Rede bei einer Preisverleihung in einer Düsseldorfer Synagoge kurz nach dem Terrorangriff auf Israel. „Ich bekam dadurch einen unglaublichen Gegenwind, den ich so nicht erwartet hätte“, sagte er. Das habe ihn jedoch bestärkt: „Es ist an der Zeit, dass man Stellung bezieht gegen Rechtsradikalismus, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, gegen jede Form von Ausgrenzung. Und das gar nicht oft genug tun kann.“
Politische Bildung als Schlüssel
Seit Jahren engagiert sich Kerkeling als Pate im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Dabei ist auch das Eugen-Bolz-Gymnasium in Rottenburg. Ihm liegt die frühe politische Bildung Jugendlicher am Herzen: „Ich glaube, dass man vor allem bei Kindern und dann noch viel mehr bei Jugendlichen im Bewusstsein etwas bewirken kann, wenn man frühzeitig einerseits etwas für die politische Bildung tut und andererseits das demokratische Bewusstsein schärft. Damit kann man gar nicht früh genug beginnen.“
Auf die Frage, ob die Deutschen ihren Humor verloren hätten, reagierte Kerkeling mit Optimismus: „Die Mehrheit hat das sicherlich nicht verlernt. Ich glaube, die breite Mehrheit lacht und hat ihren Humor nicht verloren.“ Humor könne helfen, gesellschaftliche Spannungen zu entschärfen: „Da kann man vielleicht mit Humor manchmal mehr erreichen als mit einem schlagkräftigen Argument.“
Gleichzeitig warnte er vor autoritären Tendenzen: „Menschen, die Diktatoren sind oder auf dem Weg dahin ein großer Diktator werden zu wollen, räumen erst mal die aus dem Weg, die sich lächerlich machen über sie – Komiker, Satiriker, Kabarettisten. Das klappt ja schon einigermaßen erfolgreich in den Vereinigten Staaten, leider.“
Zwischen Freude und Staunen
In die Riege der bisherigen Preisträger – darunter Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel, Fußballlegende Gerald Asamoah und die Band Silbermond – reiht sich Kerkeling mit sichtbarer Bescheidenheit ein. „Mit der Einordnung bin ich noch nicht fertig“, sagte er. „Ich stehe relativ überrascht, mit offenem Mund erstaunt davor und denke, dass es eine gute Sache ist, dass ich den Preis annehme.“