Der Paul-Harris-Preis, zum zehnten Mal verliehen vom Rotary-Club Villingen-Schwenningen ehrenamtlich Tätige, geht in diesem Jahr an die Gruppe „Ukrainer im Schwarzwald“ und den Jobclub VS.
Die 2013 vom damaligen Clubpräsidenten Ralf Trautwein erdachte Auszeichnung hat bereits Kultstatus. Die vom hiesigen Künstler Axel E. Heil gefertigte Bronzestatue und 1500 Euro als erster Preis und eine Radierung derselben sowie 500 Euro für die weiteren vier Nominierten wurden am Donnerstagabend im Foyer der Schwenninger Krankenkasse vividabkk verliehen.
Der aktuelle Präsident Stefan Beetz erinnerte an Paul Harris, der vor 120 Jahren der damals von oberflächlichen Beziehungen und Eitelkeiten geprägten Gesellschaft das Konzept der Freundschaft und des Dienstes am Nächsten entgegensetzte und den ersten Rotary-Club gründete. Heute umfasst die Wertegemeinschaft 1,2 Millionen Mitglieder weltweit. Da sozial engagierte Menschen in der Regel im Stillen wirken, will die Preisverleihung ihr Tun publik machen, anerkennen und anderen Inspiration sein, selbst aktiv zu werden, so Beetz.
Ukrainer und Jobclub
Oberbürgermeister Jürgen Roth sprach seine „tiefe Anerkennung“ aus für einen „Einsatz von unschätzbarem Wert“, der für Zusammenhalt und Solidarität in der Stadtgemeinschaft sorge. Die „Ukrainer im Schwarzwald“ und der Jobclub VS kümmern sich seit drei Jahren intensiv um die nach dem Überfall Russlands Flüchtenden aus der Ukraine. Neben „Normalität und Ablenkung“, die mit Hilfe von Tanzkursen, Sportgruppen, Chören und weiteren integrativen Projekten von den Ehrenamtlichen geschaffen wurden und werden, kommt Hilfe durch ein Spendenlager und Dolmetscherdienste, bei Behördengängen oder Arbeitsvermittlungen.
Patientenfürsprecher
Zu den Nominierten gehörte die Gruppe der Patientenfürsprecher am Schwarzwald-Baar-Klinikum. Gerd Vosseler, Susanne Dieckmann, Renate Bohrer, Thomas Schlenker, Irmgard Stern und Isolde Weißhaar seien mit Einfühlungsvermögen und dem notwendigen Wissen als „Pfadfinder im Dschungel des Gesundheitswesen“ unterwegs, sagte Laudator Detlev Bührer. Damit spielten sie eine gewichtige Rolle für die Qualität der Patientenversorgung.
Elterncafé
Rotarier Sebastian Schnitzer stellte die selbstlose Arbeit von Jana Frank im Dienste der ProKids-Stiftung vor. Die junge Frau gehört seit 2022 zum Team des Elterncafés von Melanie Winterhalter und sei sich „für keinen Job zu schade“. Längst werde sie als guter Geist wahrgenommen, bringe sich kreativ und anpassungsfähig ein und greife sogar, wenn nötig, zum Putzlappen.
Mit Mitte 80 ist der Villinger Gerd Bunjes noch „Mini-Lehrer“ an der Bickebergschule. Der ehemalige Programmierer und IT-Unternehmer legte im Ruhestand nicht die Hände in den Schoß, ließ sich zum Sterbebegleiter ausbilden und wurde ehrenamtliche Lehrkraft. An drei Tagen pro Woche übt er mit Sekundarschülern Deutsch, hilft bei Hausaufgaben und vermittelt Praktika.
Tierrettung
Ein Paul-Harris-Anerkennungspreis ging auch an die Tierrettung Südbaden, in der 24 Ehrenamtliche rund 1300 Einsätze jährlich für verunfallte Wildtiere, misshandelte oder nicht artgerecht gehaltene Haustiere leisten. Sie unterhalten eine Auffangstation, die aus den Nähten platzt und haben mit der Aufbringung von Finanzen für Unterkunft, Behandlung und Futter für die Tiere sowie den Unterhalt der vereinseigenen Fahrzeuge zu kämpfen.
Musikalisch abgerundet wurde die Preisverleihung von der Brigachtaler Sängerin Selin Solak. Außerdem gab es ein Wiederhören mit dem 2013 von Ralf Trautwein beim Villinger Musiker Marco Gässler in Auftrag gegebenen Friedenssong „Piece by Piece to Peace“, den dieser zusammen mit Sebastian Schnitzer vortrug.