Die Rabattschlacht im Handel macht die Vollmilchschokolade von Ritter Sport zur Billigware. Das freut die Verbraucher – und verärgert offenbar den Schokoladeproduzenten. Foto: IMAGO/Panama Pictures

Die Schokoladen-Preise halbieren sich in Supermärkten und Discountern, Ritter Sport und Milka werden zur Billigware. Wie geht es jetzt weiter?

Lidl zettelte die Rabattschlacht an: Vergangene Woche verkaufte der Discounter die Tafel Milka-Vollmilchschokolade für sage und schreibe 0,79 Euro satt 1,99 Euro. Den 60-Prozent-Rabatt ließ Erzrivale Aldi nicht auf sich sitzen: Diesen Montag senkte Aldi Süd den Milka-Schokoladenpreis auf 0,77 Euro und die restliche Discounter-Welt zog gleich mit. 89 Cent verlangt Norma, mit 99 Cent lockt Netto. Penny bietet 250 Gramm Milka nun für 2,88 Euro anstatt 4,99 Euro an. Schokolade ist in dieser Woche vom Luxusgut zur Billigware mutiert.

 

Dabei waren in diesem Jahr zwei Euro zum neuen Maß für die Tafel Vollmilch-Schokolade, etwas ausgefallenere Sorten kosteten deutlich mehr. Hersteller und Handel drehten nicht nur an der Preisschraube, manche wie Milka-Produzent Mondelez schrumpften trotz Preiserhöhung das Gewicht von 100 auf 90 Gramm. Erst am vergangenen Sonntag kündigte Ritter-Sport-Chef Andreas Ronken mit den Worten „Billiger wird es nicht mehr“ in einem Interview mit t-online steigende Preise an.

Ein Irrtum. Tags hatte Kaufland die Ritter-Sport-Tafel Alpenmilch und andere „Bunte Vielfalt“-Sorten für 95 Cent statt zwei Euro in den Regalen. Die direkten Supermarkt-Konkurrenten Rewe und Edeka zogen bei der Premium-Rabattschlacht mit und verlangten nur jeweils 1,11 Euro für die Ritter-Sport-Tafel. Bei kaum einem anderen Lebensmittel kennen die Verbraucher die Preise so gut wie für Schokolade. Deshalb ringt der Handel bei seinen Lockangeboten um jeden Cent.

„In Zeiten gedämpfter Kaufkraft nutzt der Handel solche Aktionen gezielt, um Frequenz zu erzeugen und Zusatzkäufe auszulösen“, sagt Professor Carsten Kortum, Studiengangsleiter Handel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. Speziell Milka-Produzent Mondelez wolle offenbar nach der Gewinnwarnung im Oktober „noch das Geschäftsjahr retten“.

Schokolade könnte ohne Rabatte zum Ladenhüter werden

Aber auch manche der Hersteller setzen offenbar auf den Rabatt-Effekt. „Der Absatz für Schokolade ist aufgrund der stark gestiegenen Preise deutlich zurückgegangen“, betont Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel. Die Hersteller wollten auf den Produkten nicht sitzenbleiben. „Ohne diese massiven Preisnachlässe besteht die Gefahr, dass die Schokolade zum Ladenhüter wird und das Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen könnte.“

Ist die Rabatt-Schlacht aus Verbrauchersicht also nur eine zu früh geratene Bescherung in der Vorweihnachtszeit? Handelsexperte Kortum erwartet keine Rückkehr zu Schokoladenpreisen, wie sie noch vor vielen Jahren üblich waren. Wahrscheinlicher sei „eine leichte Entspannung bei den regulären Preisen“ – garniert mit hohen Rabattkationen, „um Kaufzurückhaltung auszugleichen“. Was heißt: Die Tafelpreise könnten zu Jahresanfang unter zwei Euro bleiben – und mit Sonderangeboten kurzfristig purzeln.

Handelsexperte Carsten Kortum. Foto: DHBW Heilbronn

Handelsexperte Rüschen wiederum rechnet mit Tafel-Preisen von 1,59 bis 1,79 Euro im kommenden Jahr – auch weil die immens hohen Kakaopreise zuletzt wieder gefallen seien. „Mittelfristig – also die nächsten zwei bis drei Jahre – ist eher davon auszugehen, dass der Preis auf über zwei Euro steigen könnte“, sagt Rüschen – und Kortum betont: „Die Volatilität der Kakaopreise und damit auch der Verkaufspreise wird nicht zurückgehen. Wir werden mit größeren Preisschwankungen leben müssen in der Zukunft.“

Einschätzungen wie diese dürften wohl auch Ritter Sport besser gefallen als die Preise, die der Handel derzeit schafft. Der Waldenbucher Schokoladenproduzent betont, dass der Börsenpreis für die Tonne Kakao zwar vom Allzeithoch von 12.000 US-Dollar die Tonne drastisch gefallen sei. Gleichzeitig habe er in den vergangenen Wochen noch immer bei rund 6000 US-Dollar gelegen – „und damit weit über dem langjährigen Mittel von rund 2500 US-Dollar“, wie eine Sprecherin betont. Auch Personal- und Energiekosten seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Auch deshalb ärgert man sich bei Ritter Sport offensichtlich über die Rabattschlacht in den Supermärkten und Discountern und die damit einhergehenden Billig-Preise – auch wenn man betont, dass „die Hoheit über die Preisgestaltung“ beim Handel liege.

Doch die aktuellen Sonderangebote hingen nicht ursächlich mit den derzeit niedrigeren Kakaopreisen zusammen, teilt Ritter Sport mit. „Die Schwierigkeiten im Kakaosektor und deren Auswirkungen auf die Preisgestaltung werden für Verbraucherinnen und Verbraucher durch solche Aktionen deutlich schwerer nachvollziehbar.“