Clarissa Geißler und Curt Prinzbach sind beide für das mehrfach prämierte Jahresprogramm in Haslach zuständig. Foto: Kron

Seit 2020 zählt das Haslacher Lichtspielhaus durchgehend zu den prämierten Filmtheatern des Landes Baden-Württemberg.

Das Traditionskino in Haslach gehört seit Jahren zu den Preisträgern der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG). Auch 2025 wurde das Filmtheater wieder für sein „sehr gutes Jahresfilmprogramm“ im Vorjahr prämiert. Wie das Programm entsteht und was das Kino in Haslach besonders macht erzählen Inhaber Curt Prinzbach und Theaterleiterin Clarissa Geißler im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Der Kinoprogrammpreis der MFG wird jährlich neu ausgeschrieben. Bewerben kann sich jedes gewerbliche Filmtheater in Baden-Württemberg – das ist allerdings mit erheblichem Aufwand verbunden. „Man muss die komplette Programmliste des Vorjahres einreichen und außerdem eine detaillierte Beschreibung des Kinos“, erklärt Clarissa Geißler. Nachhaltigkeit spiele ebenfalls eine wichtige Rolle.

Das Haslacher Kino gehört zur Lokalgeschichte

Die Bewerbungsunterlagen umfassen laut MFG-Merkblatt mehrere Anlagen: Programmübersichten, Marketingaktivitäten, technische Ausstattung, Kurzcharakteristik des Hauses und Angaben zu Sonderveranstaltungen. Ein Punkt, der in Haslach positiv ins Gewicht fällt: „Unsere PV-Anlage deckt etwa 60 Prozent unseres Stromverbrauchs“, sagt Curt Prinzbach. Die aktuelle Ausschreibung läuft bereits wieder; eingereicht werden muss bis Mai.

Seit 2020 gehört das Kino kontinuierlich zu den Ausgezeichneten: zwei Mal für ein „gutes Filmprogramm“, drei Mal dann für ein „sehr gutes Filmprogramm“. „Wir bewerben uns jedes Jahr und sind seitdem immer unter den Preisträgern“, so Prinzbach.

Der Kinobetrieb in Haslach ist ein Stück Lokalgeschichte. 1951 gründeten Prinzbachs Eltern das erste Kino der Familie – das „Skala“, direkt gegenüber des heutigen Standorts. „Der Eröffnungsfilm war damals ‚Der Bergbauer’“, erinnert sich Prinzbach, der 1950 geboren wurde und somit sein ganzes Leben mit Kino verbrachte.

Vater und Tochter machen das Programm gemeinsam

Dort aufgewachsen, übernahm er die Liebe zum Film früh von seiner Mutter. Heute führt er das Unternehmen mit seiner Tochter Clarissa Geißler. „Mit der kommenden Übernahme geht der Betrieb in die dritte Generation“, freut sich Prinzbach.

Dass das Kino die schwierigen Zeiten, das „Kinosterben“ der 1960er-Jahre, überstand, als das Fernsehen den Kinomarkt einbrechen ließ, verdankt die Familie einem zweiten Standbein: dem eigenen Elektrogeschäft. „Wir konnten Fernseher verkaufen und Antennen bauen – das hat die Einnahmeverluste kompensiert. Sonst gäbe es hier heute wohl kein Kino mehr“, erklärt Prinzbach im Gespräch.

Das Filmhaus betreibt heute drei Säle: das Rio, das Skala und das Harley. Die Programmgestaltung basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung. Prinzbach und Geißler entscheiden gemeinsam: „Wir wissen mit der Erfahrung seit 1951, was unserem Publikum gefällt“, so Prinzbach. Das Angebot der Filmwirtschaft werde laufend geprüft, ausgewählt werde ein Mix aus Kassenschlagern für breite Zielgruppen und künstlerisch herausragenden Produktionen für ein kleineres Publikum – in Haslach als „der besondere Film“ bekannt.

Eine Herausforderung bleibt das kleine Einzugsgebiet: „Haslach hat rund 7000 Einwohner, das Umfeld vielleicht 20 000 – damit ist unser Besucherpotenzial deutlich kleiner als in Städten wie Offenburg.“

Verleihung bietet die Gelegenheit zum Austausch

Seit der Digitalisierung haben sich die Kostenstrukturen verändert. „Früher, bei analoger Technik, konnten wir vieles selbst reparieren“, so Prinzbach. Heute müsse man Techniker beauftragen, teils von weit her – mit entsprechenden Kosten. Auch die Lebensdauer habe sich verändert: „Unser erster digitaler Projektor musste bereits ersetzt werden. Analoge Geräte konnte man über Jahrzehnte nachrüsten“, ergänzt Geißler.

Bei vielen Preisverleihungen war das Haslacher Team vor Ort. Dieses Jahr allerdings nicht – die Veranstaltung in Ulm kollidierte mit der Schulkinowoche. „Die Atmosphäre ist immer sehr angenehm“, erzählt Prinzbach. „Man weiß vorher, dass man ausgezeichnet wird, erhält eine E-Mail. Nur die Kategorie erfährt man erst vor Ort.“ Besonders schätze er die Treffen mit Kollegen und den Austausch.

Aktuelles Programm

Preise, aktuelle Informationen sowie das vollständige aktuelle Kinoprogramm des Kinocenters Haslach gibt es online auf der Webseite unter kinohaslach.de. Auch eine Vorschau auf Filme, die bald erscheinen findet sich dort.