Eltern sollen für Kita- und Schulessen in VS zukünftig mehr zahlen. Das sorgt für Kritik. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Stadt VS plant höhere Essensgebühren. Elternbeirat und SPD warnen vor sozialer Ungleichheit – und vor der Gefahr einer Zwei-Klassen-Mittagspause.

Mit deutlicher Mehrheit hatten sich die Stadträte im Ausschuss für Jugend, Bildung und Soziales für eine Erhöhung der Mittagessen in den Kitas und Schulen der Stadt ab September 2025 ausgesprochen – trotz angebrachter Kritik der Grünen, die die Erhöhung von bis zu 65 Prozent als kritisch empfanden.

 

In Kitas wird künftig eine monatliche Pauschale erhoben – Eltern zahlen je nach Anzahl der Essenstage bis zu 82 Euro pro Monat. Auch an Schulen steigen die Preise: Das Mittagessen kostet künftig 5,40 Euro (Grundschule) beziehungsweise 6,40 Euro (weiterführende Schule). Die Stadt begründet die Erhöhungen mit gestiegenen Kosten und einer notwendigen Entlastung des Haushalts.

Nicola Schurr, Fraktionssprecher der SPD im Gemeinderat Villingen-Schwenningen, kritisiert die geplante Erhöhung der Essensgebühren in Kitas und Schulen in einer Stellungnahme scharf. Er warnt vor den sozialen Folgen für Familien mit geringem oder mittlerem Einkommen: „In einer Zeit, in der viele Menschen mit zwei Jobs um das tägliche Auskommen kämpfen müssten, sei jede zusätzliche Belastung ein Schlag ins Kontor, besonders für Familien, Alleinerziehende und Geringverdienende“, macht er deutlich. Sozial gerechte Politik müsse auch beim Mittagessen anfangen.

Besonders kritisch sieht er die Annahme, dass alle Bedürftigen staatliche Unterstützung erhalten. Viele Familien würden durchs Raster fallen, „gerade sie trifft es besonders hart“. Schurr fordert den Gemeinderat auf, die Pläne zu überdenken und ein Zeichen für soziale Gerechtigkeit zu setzen.

Verwaltungskosten werden umgelegt

Der Gesamtelternbeirat der Schulen in Villingen-Schwenningen lehnt die geplante Erhöhung der Schulessenpreise deutlich ab. In einem Schreiben an den Gemeinderat appelliert Vorsitzender Tino Berthold, der Beschlussvorlage der Stadt nicht zuzustimmen. Eine Preissteigerung um 50 Prozent sei nicht hinnehmbar.

Besonders kritisch sieht der Elternbeirat die Kalkulation der Verwaltung. „Wie kommt die Verwaltung unserer Stadt zu dem ermittelten Preis von 9,32 Euro pro Portion?“, fragt Berthold und verweist darauf, dass sich aus dem Einkaufspreis der Anbieter in der Regel nur rund vier Euro pro Portion ergeben. Scharf kritisiert der GEB die Praxis, auch Verwaltungs- und Personalkosten auf die Portionspreise umzulegen. „Werden hier die Eltern nicht bestraft und müssen doppelt bezahlen?“, heißt es in der Stellungnahme. Die Verwaltung verlagere aus Sicht des GEB „künstlich“ Kosten auf die Eltern. Besonders kritisch wird angemerkt, dass etwa „ein Aufwand eines Mitarbeiters im Sekretariat auf 20 Prozent für die Schulspeisung anzurechnen“ sei – das halte man für zweifelhaft.

Eltern sollen nur Herstellungskosten zahlen

Auch der Zeitpunkt der Gebührenerhöhung wird hinterfragt – die Eltern hätten ihre Kinder bereits zu den bisherigen Konditionen angemeldet. Der GEB fordert: „Die Eltern bezahlen die Kosten pro Portion, welche beim Einkauf beim Hersteller bestehen. Die anderen Kosten trägt die Stadt Villingen-Schwenningen.“ Ziel müsse ein Kostenverhältnis von 50 zu 50 zwischen Eltern und Stadt sein.

Berthold warnt eindringlich vor einer sozialen Spaltung: „Die Kinder, deren Eltern bezahlen, nehmen ihr Mittagessen in der Mensa ein – die anderen sitzen mit ihrem Pausenbrot auf dem Schulhof. Eine erschreckende Perspektive!“ Eltern müssten das Essen nicht nur wollen, sondern auch bezahlen können: „Das ist das wichtigste!“ Die Kritik gilt laut GEB auch für den Sekundarbereich und die Kita-Verpflegung.

Die endgültige Entscheidung über die Erhöhung der Preise für die Verpflegung wird am Mittwoch im Gemeinderat getroffen.